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Yachten Auf Bullaugenhöhe mit den Boliden

17.01.2007 ·  Es könnte sein, dass man morgens loszieht, einen Angelhaken zu besorgen, und dann abends zu Hause erklären muss, warum man eine 30-Meter-Yacht gekauft hat. Das ist unwahrscheinlich. Aber nicht unmöglich.

Von Walter Wille
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Die Düsseldorfer „Boot“ deckt ein so breites Spektrum ab wie keine andere Wassersportausstellung in Deutschland, es ist auch die größte, was zu einer ebenso einzigartigen wie anstrengenden Vielfalt führt. Rund 1650 Aussteller aus mehr als 50 Ländern werden sich vom nächsten Wochenende an in den weitläufigen Hallen am Rhein versammeln, ungefähr 2000 Boote von Falt über Schlauch und Segel bis Power werden zu sehen sein neben Ausrüstung, Bekleidung, Tauchzubehör und manchem mehr. Die Form der Präsentation deckt in Düsseldorf alle Facetten ab von bescheidenen Büdchen bis zu festungsartig ausgebauten Palästen des Prunks.

Früher oder später landet jeder in Halle 6, dem Epizentrum des Staunens. Yachten bis 30 Meter Länge werden dort gezeigt, die einmalige Architektur des Baus mit breiten Wandelgängen rundherum auf halber Höhe ermöglicht die Begutachtung millionenschwerer Lustschiffe auf Bullaugenhöhe. Läuft man unten herum, sieht man von den dicken Pötten und pfeilschnellen Boliden nämlich meistens nur Bäuche.

Männerspielzeug vom Stiefel

Unter den Besitzern großer Yachten grassiert die Abenteuerlust, die sie auf Langfahrt und in entlegene Weltmeere treibt. Mit „Explorern“ lassen sich solche Wünsche erfüllen, das sind besonders robuste, gleichwohl luxuriöse Fahrzeuge in einem Design, das an Berufs- und Expeditionsschiffe erinnert. Vielleicht spielt der Gedanke eine Rolle, polare Eisfelder zu besuchen, solange sie noch da sind. Drettmann aus Bremen erweitert sein Portfolio großer Motoryachten namens Elegance, die in Taiwan gebaut werden, um eine Explorer-Baureihe und fährt das erste Exemplar auf: die Bandido 90, einen voluminösen 27-Meter-Explorer mit Stahlrumpf, Aluminiumaufbauten, zwei jeweils 412 kW (560 PS) starken Caterpillar-Dieseln und gewaltigen Treibstoffbehältern, mit denen man Monaco und Antibes weit hinter sich lassen kann. Farmont und Nordhavn (neu hier eine 43er) zeigen Explorer im kleineren Format.

Der innovative IPS-Antrieb von Volvo Penta mit unter dem Rumpf drehbaren Antriebseinheiten (Sonntagszeitung vom 17. Dezember) findet zunehmend Verbreitung, nun will Cummins MerCruiser mit dem System „Zeus“ Ähnliches vorstellen. IPS wird üblicherweise im Doppelpack installiert, im Fall der 17 Meter langen italienischen Absolute 56 kommt sogar ein bis zu 960 kW (1305 PS) starkes Dreierpack zum Einsatz. 38,3 Knoten (71 km/h) soll das Männerspielzeug vom Stiefel damit erreichen.

Fahrverbote für Spritvernichter

Italien ist das Gelobte Land unter Liebhabern solcher Gerätschaften, die trotz immer modernerer Motorentechnik beim Spritverbrauch nicht zimperlich sind, mehrstöckig mit Flybridge oder flach als „Open“ in Coupéform. Itama hat in dieser Hinsicht einen Ruf zu verteidigen und zeigt die Forty (12 m) und die Fiftyfive (18 m). Offiziell 41,2 Knoten (man beachte auch hier die Stelle hinter dem Komma) auf dem Wasser - das ist wirklich viel, fühlt sich noch schneller an und macht auch noch Spaß, wenn man intakte Bandscheiben hat. Bei Pershing debütiert die 72 Open (22 m).

Während solche Offshorer mit weit aufgerissenen Spritleitungen unterwegs sind, werden für zahlreiche Binnengewässer Alternativen benötigt. Wir haben im vergangenen Jahr an dieser Stelle über neue Boote mit Elektro- und sogar Brennstoffzellenantrieb berichtet. Fahrverbote oder zumindest Einschränkungen auf Flüssen und Seen zwingen zu solchen Überlegungen. Hellwig aus Erkelenz will sechs Modelle von 3,90 bis 6,30 Meter Länge künftig auch mit Elektro-Außenbordern anbieten, zusätzlich zu den Verbrenner-Varianten. Auch Frauscher aus Österreich bedient beide Welten, die neue 600 Alicante, ein 6-MeterRunabout, gibt es allerdings ausschließlich mit Verbrennermotoren von Volvo oder VW Marine.

Geschrumpfte Supersportler

Fairline aus England bringt mit der Phantom 48, der Targa 38 und der Squadron 74 Custom drei neue Modelle nach Düsseldorf. Azimut spielt besonders virtuos mit futuristischen Formen, die 47 Fly mit ihren ungewöhnlichen Fenstern auch im Bug hat den Raubtierblick. Grand Azur aus Hamburg bietet sein hübsches Retro-Modell Classic 33 im Stil eines Lobsterboots zusätzlich als Daycruiser in einer offenen Version an. Bénéteau aus Frankreich, größte Werftengruppe überhaupt, stellt mit der Monte Carlo 37 den ersten Typ einer neuen, sportlichen Baureihe in italienischem Design vor. Gespannt wartet die Branche auch auf die Fjord 40 open, die den Einstieg von Hanse Yachts ins Motorbootsegment markiert. Nach dem erfolgreichen Marsch durch die Segelbootszene wollen die Greifswalder auch dort kräftig mitmischen. Daß die Linien des Boots an die der avantgardistischen Wallys erinnern, ist kein Zufall - es waren dieselben Designer am Werk.

Schnörkellos geht es auch in Hanses Segelprogramm weiter: 430e und 540e kommen in ebenso minimalistisch-moderner Gestalt wie die schon etablierten Modelle. Adria Yachts und der Designer Luca Brenta schrumpfen das Prinzip supersportlicher Maxiracer auf handliche Bootsgrößen: Die Brenta 30 und 38 werden aus Kohlefaser gebaut. Zu denen, die Neues mitbringen wollen, zählen Bavaria (50 Vision), Hallberg-Rassy (HR 54), Comfort Yachts (Comfortina 39), Jeanneau (Sun Odyssey 36i, 39i und 39 DS), C-Yacht (C 11.50), Schöchl (Sunbeam 34), Dufour (Grand Large 485 und 525), Bénéteau (First 50, Océanis 43), Cantiere del Pardo (Grand Soleil 40), Elan (Elan 410) sowie Malö.

Hybridtechnik aufs Wasser

Mit der Malö 37 (größere Breite, mehr Stabilität und Segelfläche, längere Wasserlinie) folgen nun auch die schwer konservativ wirkenden Schweden dem Trend zu mehr Sportlichkeit beim Fahrtensegeln. Neben vielen bekannten Namen gibt es auch Neulinge wie Allures, eine französische Werft, die mit dem Anspruch antritt, besonders sichere Hochseeyachten aus Aluminium zu fertigen. Gezeigt wird die 13,60 Meter lange Allures 44 - etwas für Abenteurer.

Außergewöhnlich ist der französische Segelkatamaran 420 HyBrid von Lagoon (ein Unternehmen der Bénéteau-Gruppe), der die Hybridtechnik aufs Wasser führt. Zwei 10-kW-Elektromotoren werden aus Batteriebänken mit Energie versorgt, während des Segelns sollen sie durch die sich mitdrehenden Propeller geladen werden, wie mitgeteilt wird. Ein Dieselgenerator schaltet sich automatisch zu, wenn der Ladezustand unter 80 Prozent fällt. Klingt interessant, sollte man anschauen, am besten aber ausprobieren.

Boot Düsseldorf: Vom 20. bis 28 Januar täglich 10 bis 18 Uhr, Tageskarte 14, ermäßigt 10 Euro, für Kinder von 6 bis 12 Jahren 6 Euro, www.boot.de

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.01.2007, Nr. 2 / Seite V11
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