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Wintervorbereitungen bei der Bahn Gleiskalt erwischt

 ·  Was hat sich die Bahn in vergangenen Wintern nicht alles anhören müssen. Nochmal soll die Kälte nicht über die Gleise siegen. Der Plan: Zugreserven, Winterdienstübungen und neue Schneefräsen.

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© dapd Nicht aus Zucker: Die Elektrolok der Baureihe 143 wirkt im eisigen Winterdress wie von Zuckerguss glasiert

Ein letzter Klick auf den Bildschirm des Smartphones schickt die Meldung ab: Räum- und Streuauftrag im Mannheimer Hauptbahnhof erledigt! An diesem Abend liegt zwar noch kein Schnee auf dem Bahnsteig von Gleis 1, wo die Männer in der orangefarbenen Warnkleidung mit Schippe und Räummaschine hantieren. Trotzdem wird bei dieser Übung der Kampf gegen Kälte, Schnee und Eis minutiös durchgespielt. Und dazu gehört von diesem Jahr an eben auch, dass die Mitarbeiter der Bahn mittels einer App melden, wenn sie einen der fast 5700 Personenbahnhöfe in Deutschland geräumt oder gestreut haben. Die Einsatzzentrale erhält die Nachricht zusammen mit den entsprechenden GPS-Koordinaten.

Alle reden über das Wetter, nur die Bahn nicht? Das mag in der Werbung der 1960er-Jahre so gewesen sein. Heute aber wird im Berliner Bahn-Tower über das Wetter nicht nur geredet, sondern hart diskutiert. Thema Nummer eins ist der bevorstehende Winter. „Es ist eine Herkulesaufgabe, so vielen Winterdienst-Mitarbeitern immer wieder zu vermitteln, dass wir absolut qualitätsgesichert arbeiten müssen“, sagt Volker Kefer. 20.000 Menschen stehen im Winter 2012/13 bereit, um die Bahnhöfe und das Streckennetz frei zu halten, erklärt der Infrastruktur- und Technik-Vorstand der Bahn. 15.000 der Räumkräfte sind für den Fahrweg, weitere 5000 für die Stationen verantwortlich.

Nicht nur Fernzüge blieben auf der Strecke

Nun hat die Bahn das Wissen der Teams und die Vollständigkeit der Ausrüstung in den vergangenen Tagen mit Winterübungen in verschiedenen Bahnhöfen des Landes überprüft. „Die Übungen halten alle Beteiligten wach“, sagt der Vorstand. Die Ergebnisse geben ihm bisher recht, das Resümee der Übungen ist bisher positiv ausgefallen. Die technische Ausrüstung für den Winter fängt beim Besen an und endet mit der schweren Schneeräumtechnik: 43 Fahrzeuge stehen hier zur Verfügung, darunter zwei selbstfahrende Hochleistungsschneeschleudern der Baureihe 716 in Fulda und München. Diesen Fuhrpark aus Schneeschleudern und -pflügen hat die Bahn für diesen Winter auf einen Schlag für sechs Millionen Euro um 19 leichtere Fahrzeuge erweitert. Dazu wurden 19 Baumontagewagen (Bamowag) der DB Netz Instandhaltung mit leichter Schneeräumtechnik (Aufsteckbürste und -fräse) ausgerüstet. Im Oktober hat das Eisenbahnbundesamt die Fahrzeuge zugelassen, die außerdem stärkere Achsen und zusätzliche Beleuchtung erhalten haben.

Es ist noch früh an diesem Dienstagmorgen, der Technikvorstand hat zum Workshop hoch über dem Potsdamer Platz in Berlin geladen. Zwei Stunden lang fragt Kefer bei rund 20 Managern des Mobilitätskonzerns die Einsatzbereitschaft verschiedener Bereiche von Infrastruktur über Technik bis zu den Bahnhöfen ab: Funktionieren Heizung und Abdeckung der Weichen? Reichen die neuen Räumgeräte aus? Und vor allem: Steht der Winterdienst für die Gleise und für die sechs Millionen Quadratmeter Fläche, die allein in den Stationen geräumt werden muss?

Der Winter von vor zwei Jahren steckt der Bahn noch in den Knochen: Damals sorgten tiefe Temperaturen und große Schneemengen reihenweise für Zugausfälle und eingefrorene Weichen, die Pünktlichkeit vor allem im Fernverkehr sank auf bittere Werte. Dazu kamen fehlende Zugreserven, die durch die enger getakteten Wartungsintervalle der ICE-Flotte weite verschärft wurden. „Winterpleite“ und „Eiskalt erwischt“ titelten die Medien damals und vermuteten, die Bahn liege „in den letzten Zügen“. Aber nicht nur Fernzüge blieben auf der Strecke, auch im Nahverkehr wirbelte der Winter den Betrieb durcheinander, allein in Berlin fielen an manchen Tagen bis zu einem Viertel der S-Bahn-Züge aus. Immerhin zeigte sich das Winterwetter dann vor einem Jahr von seiner milden Seite - Zeit, die man bei der Bahn in die Aufrüstung gegen die Kälte nutzte. Unter anderem wurden weitere Weichenheizungen eingebaut und zusätzliche Abdeckungen für die Verschlussfächer von Weichen installiert. So sind mittlerweile 48.500 Weichen mit Heizungen ausgestattet - das sind alle Weichen auf Strecken mit Personenverkehr. Bei besonders dicken Eisbrocken oder viel nassem Schnee hilft das Heizen allein allerdings nicht.

Einsatz von Frostwachen

Deshalb installierte die Bahn in diesem Jahr mit Nachdruck zusätzliche Verschlussfachabdeckungen, eine simple, aber wirkungsvolle Lösung. „Wintertechnik ist manchmal ganz bodenständig“, meint Kefer. Über die beweglichen Teile von Verschluss und Antrieb der Weichen bringt man Abdeckungen aus verzinktem Stahlblech an. Die Abdeckungen lassen sich außerdem mit Verschlussfachheizungen kombinieren. Die ersten 1000 dieser Deckel sind schon 2011 installiert worden, bis in diesem November stieg die Zahl auf mehr als 6000.

Bodenständig sind auch andere Einfälle, um den Bahnbetrieb winterfest zu machen. So werden in diesem Winter beispielsweise ausreichend schwere Dieselloks zur Verfügung stehen, um nach längeren Dienstpausen die Gleise auf jenen Strecken frei zu fahren, auf denen leichte Triebwagenzüge verkehren.

Aufgerüstet wurde außerdem die Technik zum Abtauen vereister Züge. Denn ausgerechnet im harten Winter 2010/11, als bei den nächtlichen Werkstattaufenthalten immer wieder besonders umfangreiche Wartungen anstanden, mussten die Mechaniker regelmäßig lange warten, bis sich der Eispanzer an den Zügen auflöste. Mittlerweile stehen 36 Abtauanlagen für Fern- und Regionalverkehr bereit. Gleichzeitig soll durch den Einsatz von Frostwachen dafür gesorgt werden, dass die Züge nach längeren Standzeiten schneller einsatzbereit sind. Diese Wachen sind Lokführer, die vor allem in der Nacht die Technik kontrollieren.

Ersatz einiger ICE-Verbindungen durch Intercity-Züge

Blickt der Mobilitätskonzern also auf einen entspannten Winter? „Eine hundertprozentige Garantie, dass uns ein extremer Winter keine Probleme bereitet, können wir nicht geben“, sagt Kefer. Zudem sind Infrastruktur und Technik nicht die einzigen Stellschrauben, an denen die Bahn drehen muss, um sich für die Kälte zu wappnen. Ebenso wichtig wäre das rollende Material. Aber hier gibt es nach wie vor Schwierigkeiten, insbesondere bei der ICE-Hochgeschwindigkeitsflotte. Denn die bis zum Fahrplanwechsel im Dezember versprochene Auslieferung von wenigstens acht Zügen der neuen Velaro-D-Generation kann Siemens nicht einhalten. Ursprünglich sollten schon im vergangenen Winter alle 16 bestellten Garnituren der Baureihe 407 ausgeliefert werden. Dazu kommt, dass die Bahn nach wie vor die Radsatzwellen der ICE-3-Generation häufiger prüfen muss als vorgesehen. Die neuen, stabileren Wellen werden wohl erst nächstes Jahr eingebaut.

Reserven ließen sich daher nur schaffen, indem vom 9. Dezember 2012 bis zum 15. März 2013 fahrplanmäßig einige ICE-Verbindungen durch Intercity-Züge ersetzt werden und gleichzeitig bestimmte ICE-Züge in Einzel- statt in Doppeltraktion verkehren. Die Änderungen sind bereits in die Buchungssysteme übernommen worden, so werden die Fahrgäste wenigstens nicht erst am Bahnsteig von einer halbierten Sitzplatzanzahl im Fernzug überrascht.

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