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Windschutzscheibe Die Last des Windes

03.04.2007 ·  Als es mit dem Automobil anfing, tränten die Augen, und die Insekten prallten auf. Man behalf sich zunächst mit Brillen. Doch weil die Autos immer schneller wurden, musste die Windschutzscheibe her. Eine Modeerscheinung war die Panoramascheibe.

Von Wolfgang Peters
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Der Wind ist kein Freund des Automobils. Als Fahrtwind hemmt er sein Fortkommen, als Seitenwind will er es aus der Bahn werfen, und immer will er sich auf den automobilen Menschen stürzen und ihm die Kraft der Natur demonstrieren. Auch wenn er nur die Frisur ruiniert.

Deshalb gehörte es schon in den frühen Tagen des Automobils zu den vornehmsten Aufgaben der Konstrukteure, den Fahrtwind auszusperren, ihn am Wagen abgleiten zu lassen, ihn fernzuhalten vom Innenraum und ihn womöglich durch pflegliche Behandlung zu freundlichem Verhalten zu überreden.

Allmählich wurde der Fahrtwind lästig

Daraus entwickelte sich die Lehre von der Aerodynamik, das Wissen über den Strömungswiderstand des bewegten Körpers. Aus physikalischer Sicht ist es unerheblich, ob sich das Auto durch die ruhende Luft bewegt oder ob diese dem ruhenden Wagen entgegengeblasen wird. Diese Erkenntnisse entstanden jedoch erst etliche Jahre nach der Geburt des Autos.

Für dessen Väter war es zunächst wichtig, es zum Laufen zu kriegen. Aber dann - der Mensch denkt immer zuerst an seine Bequemlichkeit - wurde der Fahrtwind allmählich lästig. Doch die Wirkung der bewegten Luft störte erst, als das Auto die Geschwindigkeitsbereiche der Kutsche verließ.

Die Charakterisierung eines Automobils

Augen tränten, Insekten prallten auf, man behalf sich zunächst mit Brillen, und man versuchte, Kopf und Haupthaar durch schützende Kappen und helfende Hüte vor den Wirkungen des Windes zu bewahren. Aber mit steigenden Geschwindigkeiten und überhaupt mit den größer werdenden Mengen an Fahrkomfort mussten größere Schutzwirkungen eingeplant werden.

So entstanden rasch die Windschutzscheiben. Deren erste Exemplare übernahm man aus der Architektur. Häuser hatten Fenster mit Glasscheiben, und so stellte man eine große Scheibe in einem schlichten Rahmen direkt am Ende der Motorhaube vor die Passagiere. So wurden sie leidlich gut geschützt, und bald entpuppte sich die Windschutzscheibe als erstklassiges Medium für die Charakterisierung eines Automobils. Windschutzscheiben und Heckscheiben wurden Gegenstand der Mode. Es kam zur Panoramascheibe.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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