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Wie man von Europa aus einen Neuwagen für die neue Heimat Arizona kauft Sieben Jahre Garantie und das Auto wartet am Flughafen

 ·  Von Europa aus in Amerika einen Wagen zu kaufen, ist eine einfache Übung. Unsere Autorin hat es ausprobiert.

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In den Vereinigten Staaten von Amerika umwerben die drei großen Hersteller (GM, Ford, Daimler-Chrysler) die Neuwagenkäufer mit Rabatten, daß einem ganz schwindelig werden kann. Heute hier Null-Prozent-Finanzierung auf drei, vier, fünf Jahre, morgen da 4000, 5000, 6000 Dollar Abschlag, und für übermorgen fällt den "Big Three" sicher noch etwas Besonderes ein, um die Schlacht um den Kunden kurzfristig zugunsten des einen oder anderen zu wenden. In diesem Umfeld, in dem die Käufer gekauft werden, um die Fabriken auszulasten, ist der Kunde selbstverständlich König - oder müßte es zumindest sein. Doch nicht alle Händler folgen dieser schlichten marktwirtschaftlichen Logik, das belegen die Erlebnisse in Arizona beim Kauf eines Dodge Ram 2500 Pick-up. Nur dieses Auto kam in Frage, sollte es doch einen großen Pferdeanhänger ziehen können und für das neue Leben auf einer Ranch auch eine Ladefläche haben.

Telefoniert wurde also schon von Europa aus. Erst beim dritten Autohaus, Chapman Dodge in Scottsdale, war die Kontaktaufnahme jedoch zielführend. So kompliziert die Kündenwünsche auch waren - Kauf eines genau spezifizierten Dodge Ram, Abwicklung der Formalitäten per Telefon und Fax, termingerechte Zulassung des Fahrzeugs sowie Übergabe am Flughafen, - sie wurden kompetent und zuvorkommend behandelt. Die erste Hürde, die es zu nehmen galt, war die gewünschte Ausstattung des Fahrzeugs. Übers Internet konnten die entsprechenden Händler-Adressen im Großraum Phoenix besorgt und gleichzeitig deren komplettes Neuwagen-Inventar durchforstet werden. Der gut informierte Kunde wußte somit, daß Chapman zwar mehr als zwanzig Dodge Ram 2500 SLT Pick-ups mit 5,7-Liter-V8-Motor auf Lager hatte, jedoch nicht die bevorzugte Kombination: viertürige Fahrerkabine, helle Innenausstattung und helle Außenfarbe, Fünfstufen-Automatik, zuschaltbarer Allradantrieb, elektrisch längsverstellbare Pedale sowie Vorrüstung für Anhängerbetrieb (Siehe www.chapmandodge.com).

Überraschend war, daß der Verkäufer den Kunden nicht zu einer anderen Motorisierung überreden oder vom Vorteil einer anderen Ausstattung überzeugen wollte. Innerhalb einer halben Stunde habe er das Wunschfahrzeug, sagte er, und sein Rückruf keine zwanzig Minuten später enthielt die Erfolgsmeldung: Bei einem Händler-Kollegen in Phoenix habe er das entsprechende Fahrzeug lokalisiert und gegen ein anderes Fahrzeug aus Chapman-Bestand eingetauscht. Ironie des Schicksals: Verkauft wurde just jenes Fahrzeug (Listenpreis 34620 Dollar), das man im Internet-Angebot des Konkurrenzbetriebs ausgesucht hatte. Aber weil dort niemand einen von sechs Anrufen innerhalb einer Woche erwiderte, machte Wettbewerber Chapman das Geschäft. Ein weiterer Dodge-Händler war sofort aus dem Rennen, weil er auf sofortige, vollständige Bezahlung mehrere Wochen vor der Übergabe bestand.

Die finanzielle Abwicklung gestaltete sich wesentlich unkomplizierter als befürchtet. Selbstverständlich sollte so viel wie möglich von den phantastischen Rabatten profitiert werden, von denen man in Deutschland so oft hört. Auch sollte das Fahrzeug, das von Deutschland aus per Telefon gekauft werden würde, zuerst in Augenschein genommen werden, bevor ein kleines Vermögen dafür ausgegeben wird. Der Vorschlag einer Anzahlung von 500 Dollar, abgebucht von der Kreditkarte, und der Restzahlung per bankbestätigtem Scheck bei Übergabe, wurde sofort akzeptiert. Die Inanspruchnahme der verlockenden Null-Prozent-Finanzierung kam jedoch nicht in Frage - der Käufer muß nicht nur eine amerikanische Sozialversicherungsnummer, sondern auch eine mehrjährige Kredithistorie bei einer inländischen Bank aufweisen, beides zu jenem Zeitpunkt unerfüllbare Kriterien.

Also wenigstens Barzahlungsrabatt - der aber unverhandelbar war. Die Höhe des Abschlags vom empfohlenen Verkaufspreis wird nämlich nicht vom Händler, sondern vom Hersteller bestimmt - und bezahlt. Der jeweilige Rabatt hängt damit nicht prozentual vom Kaufpreis, sondern davon ab, welche Nachfrage für das jeweilige Modell existiert. Für den beliebten Dodge Ram betrug er 2500 Dollar, die dem Händler rückerstattet werden, unabhängig davon, welche Motorisierung, Ausstattung und Extras der Kunde gewählt hat. Damit kommt der Nachlaß einer Senkung des Grundpreises gleich. Das erklärt zum einen, warum kein Fahrzeug mit teureren Ausstattungsdetails aufgedrängt wurde - bei den Rabattschlachten geht es primär um Stückzahlen, und da ist ein verkauftes Auto so gut wie jedes andere. Zum anderen wird klar, warum nicht alle Verkäufer sich wirklich um Kunden bemühen müssen: Geht die Nachfrage zurück, kurbelt der Hersteller, in diesem Fall Daimler-Chrysler, mit noch höheren Rabatten die Geschäfte wieder an, wovon dann auch die weniger kundenorientierten Händler profitieren.

Letztlich klappte auch die Übergabe am Flughafen in Phoenix. Zulassung und Versicherung waren abgewickelt, wie in Arizona (und in anderen Staaten Amerikas) muß der Wagen nur am Heck ein offizielles Nummernschild tragen, in den vorderen Stoßstange ist so Platz für Händlerwebung. Die hat er sich aber verdient, ist doch auch der Tank voll gefüllt. Wohlgemerkt, Chapmann hatte für alles nur eine Woche Zeit, der erste Kontakt mit diesem Händler erfolgte genau sieben Tage vor dem Abflug. Letztlich galt es noch, den Werkstattmeister kennenzulernen, für den Fall der Fälle. Der wird, falls es sich nicht um einen Unfallschaden handelt, in den nächsten sieben Jahren (oder 100000 Meilen) von einer Garantie abgedeckt, die Daimler-Chrysler seit vergangenem Jahr für alle Fahrzeuge der Marken Chrysler, Dodge und Jeep anbietet. Freilich ist sie nicht kostenlos, sondern verlangt 1000 Dollar Aufpreis, die angesichts der Länge der Garantie aber gerechtfertigt erscheinen.

Fazit: Die Welt ist ein Dorf. Nach Amerika auswandern und am Flughafen den auf einen selbst zugelassenen Neuwagen in Empfang nehmen. Noch vor wenigen Jahren war das Utopie.

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Von Michael Spehr

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