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VW und Audi Schon heute an die Zeit nach der Krise denken

26.01.2009 ·  Mit Zuversicht und Modellbotschaften reisten VW und Audi nach Detroit. Ihr Auftritt auf der North American International Auto Show signalisierte, dass Technik und Design keine Flaute kennen. Aber Patentrezepte gibt es nicht.

Von Wolfgang Peters und Max Wipp
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Offensichtlich nutzten Konzernchef Martin Winterkorn und der Vorsitzer des Audi-Vorstands Rupert Stadler die Düsternis über den amerikanischen Automarken und die dunklen Wolken über der japanischen Konkurrenz ganz bewusst für einen Auftritt der vorsichtigen Zuversicht. Dafür stehen neue Modelle, sparsamere Motoren, Hightech mit schadstoffärmeren Emissionen und der Beschluss, eine neue Fabrikationsstätte in Chattanooga (Tennessee) zu errichten.

Auf der North American International Auto Show zeigten VW/Audi nicht nur neue Modelle und Prototypen. Der größte europäische Autokonzern (da gehören ja noch die in Amerika nicht vertretenen Marken Skoda und Seat sowie die dort konkurrierenden Lamborghini, Bentley und Bugatti dazu) war mit Botschaften angereist:

Audi will in die Nische der sportiven Luxus-Limousinen

- VW Concept BlueSport war noch als Studie deklariert, sein Serieneinsatz ist mit einem Normverbrauch von 4,3 Liter Diesel (entspricht 42 Miles per Gallon) für 2011 fest eingeplant;
- VW Jetta TDI, bereits auf der herbstlichen Autoschau in Los Angeles präsentiert, fährt als „Clean Diesel“ mit 41 mpg (auf dem Highway) bereits seit Sommer 2008 weit voraus;

- VW Touareg mit V6 TDI kommt im Frühjahr auf den amerikanischen Markt, hat 165 kW (225 PS) unter der Haube und weist trotz seines wuchtigen SUV-Charakters die Verbrauchskennziffer von 25 mpg auf dem Highway aus.
- Audi demonstrierte mit seinem Sportback concept (der längst als neuer Audi A7 gehandelt wird), dass man nicht gewillt ist, die (wohl lukrative) Nische der sportiven Luxus-Limousinen mit schrägem Heck den Konkurrenten Porsche oder Aston Martin oder Jaguar (bei BMW ist ein ähnliches Autokonzept auf 5er-Basis serienreif) zu überlassen. Und der neue Audi R8 mit Otto-Zehnzylinder-Hochleistungstriebwerk ist der schärfste Beweis dafür, wozu die Ingenieure in Ingolstadt fähig sind, wenn man sie reizt.

„Wir denken auch an die Zeit nach der Krise“

Dabei haben es VW und Audi beinahe penibel vermieden, ihre Auftritte zur Schau in Detroit als Show zu inszenieren: Aber im Gegensatz zu General Motors und zu Chrysler (Ford setzte sich mit ruhigerer, aber durchaus starker Präsenz deutlich ab) war bei den deutschen Marken die Lust zur Zuversicht fast mit Händen zu greifen.

Gleichzeitig hat es Martin Winterkorn verstanden, die Marke VW als souveränen Anker in den Zeiten der technischen (und wirtschaftlichen) Unsicherheiten zu positionieren. Man vermied jeden Hauch von Großsprecherei und Überhöhung der eigenen (besseren) Position. So reagierte Winterkorn gelassen auf Vorwürfe, wie denn VW die Präsentation eines Roadsters mit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage der Autoindustrie und ihrer Kundschaft vereinbare: „Wir denken doch weiter, wir denken auch an die Zeit nach der Krise“, sagte Winterkorn im Gespräch und verwies darauf, dass man sich in „ein oder zwei Jahren wieder für emotionale Autos“ begeistern könne, und VW wolle dann „das richtige Angebot parat haben“.

Dann verwies er auf den Verbrauch des schnittigen Zweisitzers von 4,3 Liter Diesel auf 100 km und konnte wohl mit Genugtuung registrieren, dass das Kontra zu diesem Roadster im Rahmen der Diskussionsrunde ein wenig kleinlauter geworden war. Allerdings konnte auch Winterkorn auf skeptische Momente für die Zukunft des Automarktes 2009 nicht verzichten. Aus der - relativ - guten Position von VW heraus dürfe man sich nicht zu Überheblichkeit verleiten lassen. Deshalb gelte es jetzt, manche Fehler der Branche zu vermeiden.

Der erste Mittelmotor-Sportwagen mit Diesel überhaupt?

Das gilt vor allem für den Concept BlueSport: Er ist die zeitgemäße Wiederentdeckung der Mittelmotortechnik bei VW. Erstmals seit etwa dreißig Jahren denkt VW in der Öffentlichkeit über ein Auto mit dieser Antriebsposition (bis 1976 gab es den VW Porsche, der ohne Nachfolger blieb) nach. Und zeigt dann diese Studie, die vor allem mit zwei Design-Details und einer technischen Besonderheit um Aufmerksamkeit buhlt: Die Radhäuser sind Wölbungen aus Kraft und Muskel, und direkt hinter dem Kasten für das Verdeck sind zweimal sieben längs zur Fahrtrichtung verlaufende Lüftungsschlitze untergebracht. Darunter wohnt der 2-Liter-Turbodiesel und treibt natürlich die Hinterräder an.

Der Clean Diesel leistet 132 kW (180 PS) und stellt ein Drehmoment von 350 Newtonmeter schon bei 1750/min bereit. Das Sechsgangdoppelkupplungsgetriebe schaltet schneller als ein Mensch, automatisch oder bedient über zwei Tasten am Lenkrad. Aus dem Stand kommt der VW Roadster - Frage an die Historiker unter unseren Lesern: erster Mittelmotor-Sportwagen mit Diesel überhaupt? - nach Herstellermessungen in 6,6 Sekunden auf 100 km/h und bringt es auf 226 km/h. Als Preis wird man bei VW etwa 25.000 Euro anpeilen. Aber wer jetzt glaubt, sofort den Kontostand prüfen zu müssen, kann sich noch Zeit nehmen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass der VW Roadster vor 2011 auf den Markt kommt. Dann hat er natürlich auch keine Polo-Plattform, sondern die Roadster-Entwickler bedienten sich im Teilelager von VW dort, wo sie glaubten, das Beste für den agilen und wendigen Flitzer gefunden zu haben. Wobei die Entscheidung für die Mittelmotorposition nicht nur technische Gründe hatte.

Der Sportback ist ein Sportwagen aus der Zukunft

Die gesamte Frontpartie konnte so schlanker gehalten werden, und sie wird dennoch mit höheren Deformationswegen für den Fußgängerschutz aufwarten können, als man bei einem Frontmotor zur Verfügung hätte. Mit dem Sportback will Audi zeigen, dass diese Karosserievariante künftig ein Kleiderentwurf für mehrere Modellreihen ist. Wobei die viertürige Limousine mit der weit öffnenden Heckklappe eher wie ein Sportwagen für die Familie wirkt. Reminiszenzen an den einstigen Audi 100 Avant (in zwei Modellreihen) sind nicht unwillkommen.

Aber der Sportback ist ein Sportwagen aus der Zukunft: Sein 3-Liter-V6 TDI gibt nach aufwendiger Reinigungsprozedur praktisch keine Stickoxide mehr von sich, und auch die Kohlendioxide in seinem Abgas bewegen sich in sehr engen Grenzen: Ein Verbrauch von 5,9 Liter auf 100 Kilometer ist nichts weniger als eine Sensation. Und dafür sollten eigentlich die Amerikaner zu begeistern sein. Auch in einem Winter der Trübnis.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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