16.07.2010 · Der neue Volkswagen Sharan hat beim Design an Dynamik gewonnen. Klare, gerade Linien machen die Karosserie gefällig. Der Van ist größer geworden und setzt auf Assistenzsysteme sowie zwei Schiebetüren.
Von Michael KirchbergerEs war das Jahr 1995, in dem VW die Großraumlimousine Sharan vorgestellt hat. Typisch für die Marke kam der kastige Wagen spät, aber nicht zu spät auf den sich gut entwickelnden Markt für Minivans. 15 Jahre danach sieht man dem fünf- bis siebensitzigen Wagen sein Alter trotz zweier umfassenden Auffrischungen an, 600 000 Sharan sind seitdem im portugiesischen VW-Werk gebaut worden. Der VW-Van wurde bei Ford als Galaxy und bei Seat als Alhambra verkauft. Ford hat sich mittlerweile aus der Kooperation gelöst und einen eigenständigen Galaxy präsentiert.
Auch für den Sharan wird es Zeit für eine Ablösung: Am 3. September steht der um 22 Zentimeter auf 4,85 Meter gewachsene Nachfolger bei den Händlern, mit vier Motorvarianten zu Preisen von 28 875 Euro an. Beim Design hat der Sharan an Dynamik gewonnen. Klare, gerade Linien machen die Karosserie gefällig, trotz seiner Größe wirkt der Minivan überhaupt nicht klobig. Neu sind die beiden Schiebetüren, die auf Wunsch und je nach Ausstattung elektrisch öffnen und schließen. Das erleichtert den Einstieg in den Fond. Die Easy Fold genannte Umklapp-Funktion macht auch den Weg zu den beiden Sitzen in der dritten Reihe bequem. Fünf, sechs oder sieben Plätze bietet die Großraumlimousine und damit eine maßgeschneiderte Bestuhlung für Großfamilien oder Handballmannschaften ohne Trainer und Ersatzspieler.
Vor allem aber meistert der Sharan anspruchsvolle Transportaufgaben. Der Fünfsitzer hat einen 885 Liter großen Kofferraum, wer die hintere Bank umklappt, kann 1339 Liter einpacken, und bei dachhoher Beladung steigt die Staukapazität auf satte 2430 Liter. Nutzt der Sharan-Fahrer die Option einer umklappbaren Lehne des Beifahrersitzes, können bis zu drei Meter lange Gegenstände untergebracht werden, das maximale Ladevolumen steigt dann auf rekordverdächtige 2800 Liter.
Beide Varianten haben serienmäßig das manuelle Sechsganggetriebe
Die Motorenpalette setzt sich aus den bekannten Zweiliter-TDI-Maschinen und zwei aufgeladenen Benzinern mit Direkteinspritzung zusammen. Basisversion ist der Sharan mit dem 7,2 Liter Benzin verbrauchenden 1,4-Liter-TSI (Normwert), der es auf beachtliche 110 kW (150 PS) und 240 Newtonmeter Drehmomentspitze bei 1750 Umdrehungen in der Minute bringt. Der Zweiliter-Benziner leistet 147 kW (200 PS) und 280 Nm bei 1700/min, und konsumiert 8,6 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Während für die hubraumkleinere Version wahlweise ein manuelles Sechsganggetriebe oder die automatisch DSG-Schaltbox bereitstehen, wird der stärkere Benziner grundsätzlich mit dem Doppelkupplungsgetriebe kombiniert.
Die Dieselabteilung bietet 103 kW (140 PS) und 320 Nm bei 1750/min und einen kombinierten Verbrauch von 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Hier kostet die Basisversion 30 950 Euro. Der stärkere Selbstzünder hält 125 kW (170 PS) bei einem Durchschnittsverbrauch von 5,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer sowie ein Drehmomentmaximum von 350 Nm bei 1750/min bereit. Beide Varianten haben serienmäßig das manuelle Sechsganggetriebe, für 2050 Euro Aufpreis wird das ebenfalls sechsgängige DSG angeboten. Eine ganze Reihe von Alltagshelfern bietet VW als Optionen für den neuen Sharan an. Ein Fernlicht-Assistent vermeidet bei Zuzahlung von 141 Euro die Blendung entgegenkommender Autofahrer, die adaptive Fahrwerksregelung DCC stimmt die Feder-Dämpfer-Einheiten auf den Beladungszustand sowie die Fahrweise des Chauffeurs ab (1055 Euro).
Besonders stolz ist VW auf den 850 Euro teuren Parklenk-Assistenten der zweiten Generation. „Hier sind wir sehr weit vorn im Wettbewerb“, sagt Ulrich Wuttke, Leiter der immerhin zehn Mitarbeiter zählenden Abteilung, die das System entwickelt und abgestimmt hat. 40 Zentimeter vor und hinter dem Wagen genügen dem Assistenten, um den Sharan automatisch längs in eine Parklücke zu rangieren. Zum Ausparken reichen ihm lediglich 25 Zentimeter. Und neu bei dem vom Zulieferer Valeo beigesteuerten System ist die Fähigkeit, den Wagen in Lücken zu lenken, die quer zur Fahrtrichtung angeordnet sind.
In Amerika wird der Sharan nicht angeboten. Den Parklenk-Assistenten gibt es jedoch auch in anderen Modellen von VW in den Vereinigten Staaten nicht. Das Risiko von Entschädigungsforderungen wäre wohl zu hoch, wenn sich sorglose Fahrer in der Neuen Welt uneingeschränkt auf die Parkautomatik verließen.