31.05.2010 · Drei Modelle verkaufen sich besser als eins: Den VW Polo gibt es auch als Seat Ibiza sowie als Škoda Fabia. Formal liegen die drei Kandidaten wie beim Einstiegspreis nicht auf gleicher Linie. Wo liegen die Unterschiede?
Von Michael KirchbergerKlein ist schick. In der Vier-Meter-Klasse drängelt sich mehr als ein Dutzend attraktiver Kontrahenten auf dem Markt, um die wachsende Nachfrage nach preisgünstiger Mobilität zu befriedigen. In der Stadt haben die Kleinen allemal ihre Vorteile: Die knappe Parklücke lässt sich in einem Rutsch erobern. Der VW-Konzern besetzt mit einem Trio den Markt, das seine Verwandtschaft nicht leugnen kann. Der Seat Ibiza, der Škoda Fabia und der VW Polo nehmen sich in der Länge fast nichts. Die beiden Modelle aus Deutschland und Tschechien messen rund vier Meter, nur der spanische Vertreter reckt die Nase keck nach vorn und übertrifft die Kollegen um rund fünf Zentimeter. Fast gleichauf liegen sie beim Raumangebot, das jenes des ersten VW Golf von 1974 deutlich übertrifft.
Den Fabia gibt es ausschließlich mit vier Türen, bei VW und Seat sind die Basisversionen mit nur zwei ausgestattet. Und hier ist die feine Abstimmung des Modellangebots per Lex Wolfsburg zu erkennen. Die Konzernzentrale lässt den Seat in Verbindung mit der kleinsten Motorisierung ausschließlich als Zweitürer anrollen. Das ist ein Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 44 kW (60 PS), der von Škoda beigesteuert wird. Wer den Ibiza als viertürige Version wünscht, bekommt das Dreizylinderaggregat in einer leistungsstärkeren Ausführung, die 51 kW (70 PS) liefert, zum Preis von 12790 Euro. Auch bei VW will der Einstieg für die Fondpassagiere extra bezahlt werden.
Das Grundmodell, ebenfalls vom Dreizylinder-Benzinmotor mit 44 kW angetrieben, kostet 12275 Euro. Für die viertürige Version sind 735 Euro extra fällig, das macht dann immerhin schon 13010 Euro und markiert so für VW – wer hat es nicht schon vermutet – den höchsten Einstiegspreis des Trios. Der Škoda Fabia kostet mit dem 1,2-Liter-Dreizylinder 10580 Euro. Alle Wettbewerber sind mit ABS und ESP ausgestattet, haben ein zweifach verstellbares Lenkrad und eine elektrohydraulische Servolenkung, deren Pumpe nur dann arbeitet, wenn Unterstützung gefordert ist.
Der Polo schaut aus wie ein Golf en miniature
Formal liegen die drei Kandidaten wie beim Einstiegspreis nicht auf gleicher Linie. Der Polo schaut aus wie ein Golf en miniature. Sachliche Linien geben ihm Seriosität. Der Kühlergrill mit den flankierenden, zwinkernden Scheinwerfern erinnert klar an den Golf. Bei Škoda geht es etwas verspielter zu, wenngleich der Fabia nach seiner jüngst genossenen Modellpflege deutlich erwachsener wirkt. Hier wurde der Grill mit einer Chromspange verziert, wurden die Scheinwerfer weiter in die Kotflügel hineingezogen und die horizontalen Linien der Frontpartie stärker betont. Das nimmt dem kleinsten Škoda etwas von seiner ursprünglichen Hochbeinigkeit, geblieben ist die sogenannte Visieroptik: die sich (von der Seite betrachtet) nach hinten verjüngende Fensterlinie. So wird der Fabia unverwechselbar. Seat geht wesentlich emotionaler mit der Karosserie-Gestalt um. Keilförmige Kanten und gewölbte Radien kennzeichnen den Ibiza, konvexe Flächen wechseln sich mit konkaven Dehnungen ab. Die Front wirkt mit ihren großen Lufteinlässen im Stoßfänger und den fast schlitzförmigen Scheinwerfern beinahe aggressiv.
Innen übt sich der Polo in Zurückhaltung. Schlicht, aber hochwertig sind die Materialien. Alles ist unaufgeregt und deshalb funktional angeordnet. Die Bedienung fällt leicht und stellt keine Herausforderungen an den Fahrer. Der Polo erklärt sich selbst. Und da der Baukasten des Konzerns zwar Variantenreichtum bereithält, wenn es um die Optik geht, aber kaum einen Spielraum für Selbstbedienung der anderen Marken gewährt, können Fabia und Ibiza ihrem Wolfsburger Pendant in Sachen Benutzerfreundlichkeit durchaus das Wasser reichen. Hebel und Schalter fassen sich gut an, funktionieren mit jenem satten Einrasten, wie man es früher nur in teureren Autos erleben durfte, und sind mit einer klaren Symbolik gekennzeichnet.
Klimaanlage im Škoda? Fehlanzeige
Bei den Ausstattungsoptionen wird das Angebot allerdings dürftiger. Klimaanlage im Škoda? Fehlanzeige. Die gibt es für das Basismodell selbst gegen Aufpreis nicht. Das Gleiche gilt für ein Navigationssystem, das Schiebedach oder Xenonlicht. Einzig zusätzliche Kopfairbags können für 250 Euro geordert werden, das günstigste Radio mit CD-Spieler kostet ebenso viel. Bei Seat ist die Auswahl geringfügig größer, der Ibiza lässt sich für 180 Euro Zuzahlung mit einer Geschwindigkeitsregelanlage ausrüsten, die Klimaanlage ist für 900 Euro zu haben, der Einstieg in die Audio-Welt verschlingt allerdings gleich 600 Euro. Die Kopfairbags offeriert Seat für 220 Euro.
Bei VW gibt es das umfangreichste Angebot. Wenngleich die Ausstattungsdetails meist an bestimmte andere Extras gebunden sind, finden sich hier eine Klimaanlage für 900 Euro, die Klimaautomatik für 1225 Euro und ein Navigationssystem für 550 Euro. Für das einfachste Radio werden 475 Euro verlangt, der Tempomat steht für 200 Euro in der Preisliste.
Viel Raum auf kleiner Fläche: Schließlich sollen Sportgerät, Nachwuchs oder Freunde mit auf die Reise gehen, auch wenn die nur bis zum nächsten Baggersee führt. Bei der Kofferraumgröße liegt der Fabia deutlich vor seinen Konzernbrüdern. Zwar lässt sich seine Rückbank in der Basisversion nur einteilig nach vorn klappen, aber schon ohne diese Vergrößerungsaktion passen 315 Liter Gepäck ins Ladeabteil. Beim Ibiza sind es 292, beim Polo 280 Liter. Das maximale Stauvolumen erzielt der Kleinwagen aus Tschechien. Er markiert mit 1180 Liter einen Spitzenwert. Es folgen der Polo mit 952 Liter und der Ibiza mit 938 Liter.
Fahrleistungen von Fabia und Polo sind indes weitgehend identisch
Sparsam sollen die Minis sein, aber gerade im Stadtverkehr sind die von den Herstellern genannten Normwerte kaum reproduzierbar. Immerhin bieten sie einen Anhaltspunkt. So begnügt sich der Polo im kombinierten Verbrauch mit 5,5 Liter. Bei sehr verhaltener Fahrweise und während der gemächlichen Überlandtour soll er sich gar mit 4,5 Liter Benzin für 100 Kilometer zufriedengeben. Der Fabia verlangt einen Schluck mehr: 5,7 Liter. Bei gleichmäßiger und langsamerer Fahrt ohne häufige Ampelstopps reichen ihm 4,7 Liter Benzin für die 100-Kilometer-Distanz. Der Ibiza schlägt trotz seines kräftigeren Motors nicht über die Stränge. 5,9 Liter Sprit genehmigt er sich im kombinierten Verbrauch. Der vom Hersteller angegebene Minimalwert liegt bei 4,9 Liter.
Die Fahrleistungen von Fabia und Polo sind indes weitgehend identisch, 155 und 157 km/h Spitze sind möglich, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in Verbindung mit dem manuell geschalteten Fünfganggetriebe in 16,5 und 16,1 Sekunden. Der Ibiza lässt die beiden Kontrahenten bei den Fahrleistungen erwartungsgemäß hinter sich. 163 km/h ist er schnell, den Standardsprint meistert er in 15 Sekunden. So bleibt die Wahl zwischen den drei Konzern-Brüdern letztlich eine Frage des Geschmacks. Wie auch die Lackierung, denn serienmäßig gibt es bei allen dreien lediglich die Farbe Candy-Weiß. Wer Gelb oder Rot wünscht, muss mindestens 150 Euro Aufpreis zahlen, Metallic-Lacke schlagen mit 410 bis 430 Euro zu Buche. Der Polo ist vielleicht die solideste Wahl, teurer als die Kollegen aus Mladá Boleslav oder Martorell, aber eben ein Volkswagen mit zu erwartenden guten Wiederverkaufspreisen.
Da liegt freilich auch der Škoda gut im Rennen. Die Wagen aus Tschechien haben längst den Ruf erlangt, zuverlässig und langlebig zu sein. Das zahlt sich bei den Restwerten aus. Seat mag, zumindest was das Markenimage angeht, eine Spur hinter den beiden anderen liegen, dennoch stammt die Technik des Ibiza aus den gleichen Produktionsanlagen oder unterliegt zumindest keinen geringeren Qualitätsanforderungen als bei Polo und Fabia. Die spanische Variante setzt auf mehr Emotionen, was sich vor allem formal widerspiegelt.