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VW Passat Bluemotion Zum Fahren geboren, zum Sparen bestellt

09.04.2010 ·  Volkswagen hat mit viel Aufwand „BlueMotion“ eingeführt und etabliert. Limousine, Variant und Coupé CC kann man mit der sogenannten BlueMotion-Technik bestellen. Der Name adelt Modelle, die aufs Kraftstoff-Sparen dressiert sind.

Von Gerold Lingnau
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Auch die Passat-Baureihe hat Mitglieder zur blauen Flotte von VW beigesteuert: Limousine, Variant und Coupé CC kann man mit der sogenannten BlueMotion-Technik bestellen. Die Diesel unter diesen Musterschülern werden an Sauberkeit nur noch übertroffen von den Blue TDI, die - mit gehörigem technischem Aufwand - schon jetzt die von 2014 an obligatorische Euro-6-Abgasnorm einhalten. Der Passat BlueMotion genügt der aktuellen Euro 5, und das gelingt mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln: ein Motor mit geringem Hubraum, Start-Stopp-System, Energie-Rückgewinnung beim Bremsen, rollwiderstandsarme Reifen, kleinere aerodynamische Optimierungen. Einiges davon hatte bei der ersten Auflage von 2007 noch gefehlt und wurde jetzt nachgeholt. Das Ergebnis auf dem Papier: 4,4 Liter Normverbrauch je 100 Kilometer und damit ein Kohlendioxidausstoß von nur 114 Gramm je Kilometer. Alle Achtung.

Wie sieht nun die Praxis aus? Wir fuhren den Kombi Variant und machten uns ohne große Begeisterung an die Arbeit: Ein 1,6-Liter-Dieselmotor - aus der neuen Common-Rail-Generation von VW - mit mageren 77 kW (105 PS) in einem 1,5-Tonnen-Auto verspricht nicht eben gesteigerte Fahrfreude. Auch seine 250 Newtonmeter Drehmoment bei 2000 Umdrehungen je Minute sind nicht üppig. Die große Enttäuschung blieb allerdings aus. Gewiss reißt der Passat BlueMotion nicht gerade Bäume aus, doch im Verkehrsalltag fühlt man sich kaum jemals an den Rand gedrängt.

Die beiden obersten der fünf Getriebegänge - einen sechsten hat man sich in Wolfsburg leider gespart - sind allerdings sehr lang übersetzt, und so muss sich der Vierzylinder schon arg abrackern, wenn seine Elastizität gefordert ist und ihn der Fahrer nicht mit Herunterschalten erlöst. Immerhin sprintet der Spar-Passat in 12,8 Sekunden auf 100 km/h und braucht erträgliche 13,4 Sekunden, um im 4. Gang von 50 auf 100 km/h zu kommen. Und die Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h zeugt von erfolgreicher Arbeit an der Windschlüpfigkeit der Karosserie. Nun zum Verbrauch. Dass die 4,4 Liter, ein wirklichkeitsfremder Prüfstandwert, nicht zu erreichen sein würden, war klar.

Wir fuhren über unsere Spar-Testrunde, die Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn enthält. Ohne besondere Rücksicht auf den Dieselkonsum und mit ungezügeltem Tempo auf dem Autobahn-Teilstück kamen wir auf 6,6 Liter je 100 Kilometer, für ein Mittelklasseauto ein anständiger Wert. Bei zurückhaltender Fahrt, unter genauer Beachtung der Schaltempfehlung im Armaturenbrett, mit Einsatz der Start-Stopp-Automatik und maximal 120 km/h waren es 5,4 Liter, und das ist nun wirklich ein Wort - zumal die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Runde (die stark vom Stadtverkehrs-Anteil bestimmt wird) im Spar-Modus mit 71 km/h kaum schlechter war als im „normalen“ (72 km/h).

Mit Tricks haben wir ihren Streik dann doch brechen können

An den kalten Tagen bot die Start-Stopp-Automatik kaum Hilfe beim Knausern: Ihre Tätigkeit wird durch so viel Ausschlusskriterien eingeschränkt, dass sie bei Frosttemperaturen ihre Arbeit weitgehend verweigert und den Motor einfach weiterlaufen lässt. Mit Tricks - Reduzierung der Heizung und damit der Gebläsedrehzahl, Verzicht auf alle entbehrlichen elektrischen Verbraucher - haben wir ihren Streik dann doch brechen können. Ernüchternde Feststellung: Im winterlichen Kurzstreckenverkehr, wenn der Motor kaum Betriebswärme erreicht, ist die Start-Stopp-Automatik weitgehend für die Katz. Im Durchschnitt verbrauchten wir mit unserem BlueMotion 6,3 Liter je 100 Kilometer, und das sichert ihm mit seinem 70-Liter-Tank einen Platz in der 1000-Kilometer-Reichweiten-Liga. Auch sonst gefiel der Motor: mit seinem gut gedämpften Geräusch und seiner Drehfreude, die erst bei 5400/min abgeregelt wird.

Der Variant ist die weitaus beliebteste Karosserieform in der Passat-Baureihe. Er bietet 588 bis 1731 Liter Kofferraum (allerdings ohne Reserverad), erfüllt seine Kombi-Pflichten aber nicht lückenlos: Es gibt eine kleine Ladekante nach innen (rund 5 Zentimeter), und die geklappte Rückbank stellt keine lupenrein ebene Fläche her. Dafür schwingt die große Heckklappe vorbildlich weit hoch. Auch innen geht es bequem zu, vorn wie hinten steigt man ungehindert ein und sitzt angenehm, bei jedoch recht knapper Tiefe der Rückbank, die wegen des mächtigen Mitteltunnels kaum dreisitzig ist. Der Fahrer schaut auf ein übersichtliches Armaturenbrett - die grell blaue Instrumentenbeleuchtung gehört zum Glück der Vergangenheit an (jetzt ist sie angenehm weiß), doch den unsinnigen Teilungswechsel der Tachometerskala, nun bei 60 km/h, gibt es immer noch -, hat aber so seine Probleme mit den vorderen und mittleren Dachsäulen, die ihm den Blick verstellen. Bi-Xenon- samt Kurvenfahrlicht kostet 1295 Euro extra, doch das ist gut angelegtes Geld, ebenso wie die 445 Euro, mit denen man die serienmäßige Klimaanlage zur Zweizonen-Klimaautomatik aufwerten kann. Die Volkswagen-Verarbeitungsqualität manifestiert sich auch im Passat-Innenraum, die Materialien wirken hochwertig.

Auf kleine Unebenheiten reagiert die Federung recht hölzern

Das Fahren im Variant BlueMotion ist weniger komfortabel als erhofft - auf kleine Unebenheiten reagiert die Federung recht hölzern, grobe verdaut sie besser, aber nicht ohne Poltergeräusche -, doch an der Sicherheit fehlt nichts. Der Passat nimmt Kurven mit großer Gelassenheit, und speziell im schneereichen Winter 2009/10 hat er uns voll überzeugt: Er wühlte sich so souverän durch die weiße Pracht, dass man sich manchmal fragte, wozu man Allradautos braucht. Untadelig arbeitete die Bremsanlage.

Den Passat Variant BlueMotion gibt es nur mit einer um die Spar-Komponenten aufgewerteten Trendline-, also Basisausstattung. Wer mehr will, muss sich aus dem Aufpreiskatalog bedienen. Der Grundpreis liegt mit 29.025 Euro um 725 Euro über dem eines 1.6 TDI Trendline mit dem gleichen Motor, der sich auch schon mit einem Normverbrauch von 4,5 Liter je 100 Kilometer (119 g/km CO2) schmücken kann. Ein Sonderangebot ist der BlueMotion also nicht, er nutzt beherzt die Käuferstimmung, sparen zu wollen und das auch herzuzeigen. Unser Exemplar mit vielfältiger Sonderausstattung, aber immer noch zum Beispiel mit elektrischen Fensterhebern nur vorn und ohne Durchladeöffnung in der Rückbank, kam auf 36.421 Euro und damit weit über das hinaus, was ein 1.6 TDI im Highline-Trimm kostet. Wer mit dem Sparen schon beim Kaufen anfangen will, muss also beim Passat BlueMotion seine Geldbörse schön festhalten.

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