Home
http://www.faz.net/-gya-7634q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

VW Multivan Im Kraftraum

 ·  Es gibt Gründe, sich keinen VW Multivan zuzulegen. Doch das Auto ist einfach zu praktisch - wenn auch recht teuer. Doch VW lockt immer mal wieder mit Sondermodellen.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (6)
© Appel Vergrößern VW Multivan: Acht Personen passen rein

Es gibt viele gute Gründe, sich einen VW Bus zuzulegen, der nur im Volksmund so genannt wird, tatsächlich heißt er Multivan oder Transporter. Seine in Hannover am Standort der Nutzfahrzeuge lebenden Mütter und Väter werden die Begriffe wohlüberlegt ausgesucht haben, denn der Talente sind tatsächlich allerlei an Bord, von der Möglichkeit, in Mannschaftsstärke komfortabel zu reisen, bis zu der, sich in einem Rutsch mal wieder neu einzurichten.

Es gibt auch einige Gründe, sich keinen VW Multivan zuzulegen. Wir kennen einen, an dem ist schon so ziemlich alles kaputtgegangen,was kaputtgehen kann, zuletzt streikten die (optionalen) elektrischen Schiebetüren. Sein mit Gastronomie und Musik beschäftigter Eigner hat mehrere tausend Euro reingesteckt, nun will er ihn loswerden und sich hernach ein neues Fahrzeug kaufen . . . wieder einen Multivan. Das Auto ist einfach zu praktisch. Als Ausschlusskriterium könnte auch die Höhe gelten. Wer mit der Anschaffung liebäugelt, sollte zunächst sein Garagentor vermessen. Im Winter empfiehlt es sich, nach Demontage der Skibox (wofür eine Leiter notwendig ist) die aufgesetzten Träger (sie sollten enger gestufte Rasten im Dach haben) nicht zu vergessen. Mit selbigen stößt der Multivan an Begrenzungsschilder mit dem Aufdruck „2 Meter“, die auf die Durchfahrtshöhe vieler öffentlicher Parkhäuser hinweisen. Ohne Dachträger passt er gerade so hinein.

Als störend erweist sich jedenfalls die (auch in vergleichbaren Fahrzeugen der Konkurrenz auftretende) ungleichmäßige Luftverteilung im Innenraum. Vor allem an den hinteren Türen entstehen bei kalter Witterung unangenehme Kältenester, Mitfahrer rufen dann schon mal nach einer Decke. Als hoffnungslos überfordert erwies sich im Testwagen das Navigationssystem, es lotste beispielsweise am Flughafen Frankfurt über die Abflugebene, statt die vorbeiführende Bundesstraße zu wählen und fuhr hernach am Autobahnkreuz alle Auf- und Abfahrten ab, bis der Fahrer dem Kreisverkehr durch eigenmächtige Entscheidung ein Ende setzte. Da VW bekanntlich in der Lage ist, funktionierende Navigationssysteme zu verbauen, hoffen wir, das dieses Gerät ausnahmsweise unter partieller Amnesie litt.

Grundsätzlich ist im Leben mit dem Multivan gewisse Muskelkraft von Vorteil, wer die Türen von Hand aus ihrer Ruheposition schieben muss oder die Sitze umordnen möchte, wer das verstellbare Tischlein decken oder die mächtige Heckklappe aufwuchten will, der muss zupacken können. So solide alles gebaut ist, so schwergängig ist es. Wer sich davon nicht schrecken lässt, erlebt einen ausgesprochen alltagstauglichen und komfortablen Bus, der nicht nur die Herzen von Familien mit drei oder mehr Kindern höher schlagen lässt. Selbst im Zustand vollständiger Bestuhlung bleibt ausreichend Kofferraum, der kleiner aussieht, als er ist, weil das ganze Fahrzeug eben doch recht breit dasteht. Ist noch mehr Raum vonnöten, bietet VW eine Version mit 40 Zentimeter längerem Radstand an.

Das Fahrgefühl hat sich über die vielen Jahre seines Daseins dem eines Personenwagens immer mehr angenähert, unvermutete Ausbruchsversuche sind nicht zu erwarten, Kurven lassen sich sogar recht flott nehmen, und die Seitenwindanfälligkeit ist eben so, wie von fahrenden Schrankwänden nicht anders zu erwarten. Wer sich für Diesel (TDI) und Allradantrieb (4 Motion) entscheidet, muss weder Angst vor übermäßigem Verbrauch noch vor dem nächsten Wintereinbruch haben. Die breite Motorenpalette sollte für jeden Anspruch etwas parat haben. Für besonders souveräne Verbindung von Kraft und Raum sorgt ein Zweiliter-Diesel mit 132 kW (180 PS), der in trauter Zweisamkeit mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) eine harmonische Partnerschaft eingeht. Auf 10,8 Liter für 100 Kilometer kamen wir im Durchschnitt, oft voll besetzt und bei kalter Witterung. Die feine Kombination hat freilich ihren Preis, happige 55 233 Euro. Es geht günstiger. Volkswagen lockt immer mal wieder mit Sondermodellen.

  Weitersagen Kommentieren (25) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Formichettis Diesel-Kollektion Jeans statt Frischfleisch

Er ist mehr als ein Designer. Nicola Formichetti präsentiert für Diesel seine erste Kollektion in Venedig. Die Marke soll er zu ähnlich großem Erfolg führen wie zuvor den Popstar Lady Gaga. Mehr

06.04.2014, 09:42 Uhr | Lebensstil
Peugeot 3008 Passt in keine Schublade

Peugeot hat den 3008 einer zarten Renovierung unterzogen. Sie fällt vor allem vorn auf, er blickt jetzt eleganter drein. Doch das Auto ähnelt noch immer einem Minivan. Mehr

08.04.2014, 16:30 Uhr | Technik-Motor
Hilfe gegen Legionellen Gefahr aus dem Wasserhahn

Nicht nur Warmwasser-, sondern auch Kaltwasserleitungen können zur Brutstätte der Bakterien werden. In jedem Fall hilft Spülen – und dafür gibt es das Venturi-Ventil. Mehr

17.04.2014, 16:32 Uhr | Technik-Motor

03.02.2013, 12:00 Uhr

Weitersagen
 

Mach mal Foto

Von Hans-Heinrich Pardey

Der ambitionierte Fotoamateur scheint eine bedrohte Art zu werden: Man muss befürchten, dass die jungen Leute aus der Generation Handyfoto als Kunden ausbleiben. Mehr 3

Hinweis
Die Redaktion