18.09.2008 · Im Oktober tritt die sechste Generation des Volkswagen Golf an und bietet dabei Tugenden, die bisher zu kurz kamen. Er wirkt moderner und ist sparsamer denn je. Der neue Golf verwöhnt mit Komfortzutaten, die man aus der Oberklasse kennt.
Von Boris SchmidtDer VW Golf. Wie kein anderes Auto verkörpert der Kompaktwagen aus Wolfsburg deutsche Tugenden. Immer zuverlässig, stets zu Diensten in allen Teilen dieser Welt, und Standesdünkel kennt er nicht. Kein Auto ist klassenloser als der Käfer-Nachfolger, wer einen Golf fährt, muss sich nirgends rechtfertigen - weder als Professor noch als Putzfrau. Mehr als 26.000.000 Mal ist der VW Golf seit 1974 in aller Welt verkauft worden. Seit der damals vielbeachteten Abkehr vom Käfer-Prinzip (Heckantrieb, rundliche Karosserie, zwei Türen) zum Golf-Layout (Frontantrieb, Schrägheck-Karosserie mit zwei oder vier Türen) sind fünf Generationen Golf ins Land gegangen, die in Deutschland Jahr für Jahr die Zulassungsstatistiken anführten.
Beliebter war und ist kein Auto in Deutschland, nicht nur deshalb setzt VW alles daran, dass sich mit der sechsten Generation nichts ändert. Sie kommt am 10. Oktober auf den Markt, und damit verkürzt Wolfsburg die Laufzeit einer Golf-Generation erstmals auf nur fünf Jahre (der erste lief noch fast eine Dekade bis 1983). Hauptgrund dafür sind neben dem Konkurrenzdruck (die Wettbewerber erneuern ebenfalls sehr früh ihre Modelle) die hohen Produktionskosten für das alte Modell. Diese sollen jetzt deutlich sinken, der Golf VI soll und muss mehr Rendite bringen.
Frischer und forscher, ohne den alten zu alt aussehen zu lassen
Böse Zungen sprechen ohnehin nur von einem besseren Facelift, das man dem Wagen zukommen lasse, weil an den Grundmaßen des Modells so gut wie nichts verändert wird. Es bleibt bei einer Länge von 4,20 Meter, einem Radstand von 2,58 Meter und einem Kofferraumvolumen von 350 Liter. Die Grenzen des Wachstums scheinen aber auch erreicht, schließlich war der erste Golf nur 3,71 Meter lang.
Trotz gleicher Abmessungen ist beim neuen Golf jedes Karosserieteil mit Ausnahme des Dachs verändert worden. Das neue Design gilt als einer der Schwerpunkte des Generationenwechsels, die Rede ist von Purismus, Klarheit und Wertigkeit. VW-Chef Martin Winterkorn positioniert den Golf VI nach wie vor als unbestrittenes Vorbild für die nach ihm benannte Klasse. „Der neue Golf steht für Wertigkeit und Top-Qualität - aber auch für die Kraft und Dynamik, mit der sich Volkswagen entwickelt“, sagte er bei der Präsentation des Wagens auf Island. Designerische Anleihen hat sich die Nummer sechs beim Golf eins und vier genommen, im Vergleich zur fünften Generation hat der neue deutlich gewonnen, er tritt frischer und forscher auf, ohne den alten zu alt aussehen zu lassen. Auf den ersten Blick fällt vielleicht gar nicht auf, dass dieser Golf ein neuer ist. Man sieht aber auf jeden Fall, dass es ein Golf ist. Und alles das war genau so beabsichtigt.
Das Ledergestühl kostet 2125 Euro extra
Doch bei aller Diskussion um das Design, die Kunden interessiert mehr, was sie in technischer Sicht geboten bekommen, und was der Neue kostet: Der Basispreis wurde nur marginal auf 16.500 Euro erhöht. Dafür gibt es die zweitürige Variante mit überarbeitetem 1,4-Liter-Ottomotor und 59 kW (80 PS). Vier Türen kosten generell 750 Euro Aufpreis, mit elektrischen Fensterhebern müssen 945 Euro zugezahlt werden. Wie bisher gibt es die Ausstattungslinien Trendline, Comfortline und Highline, alle Golf haben ABS, ESP, Servolenkung, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, sieben Airbags (mit Knieairbag für den Fahrer), elektrische Fensterheber vorn, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Klimaanlage und vieles mehr. Ein CD-Radio ist aber erst bei „Comfortline“ mit dabei, wie auch ein Parkpilot, Komfortsitze oder ein Lederlenkrad. Bei Highline gibt es unter anderem Leichtmetallräder als Grundausstattung. Alle Motoren erfüllen die kommende Euro-5-Abgasnorm, haben vier Zylinder, und die Diesel haben Partikelfilter serienmäßig.
Ohne Zweifel hat die Nummer sechs in Sachen Wertigkeit des Innenraums deutlich zulegt, allerdings waren bei der Presse-Präsentation nur viertürige Fahrzeuge mit sehr guter Ausstattung zu begutachten. Das in der Presseflotte stets verbaute Ledergestühl kostet 2125 Euro extra.
Zwei Turbodieselmotoren und vier Otto-Triebwerke
Für den Golf VI stehen zunächst zwei Turbodieselmotoren (jeweils zwei Liter Hubraum, 81 kW/110 PS oder 103 kW/140 PS) und vier Otto-Triebwerke zur Wahl (siehe Tabelle). Bei den Ottos gibt es neben dem Basisangebot eine 1,6-Liter-Maschine mit 75 kW (102 PS) sowie zwei TSI-Motoren (Benzin-Direkteinspritzung) mit Turbo- beziehungsweise Kompressoraufladung. Die beiden TSI-Aggregate holen ihren Schwung aus nur 1,4 Liter Hubraum und beeindrucken mit niedrigen Verbräuchen: Die jeweiligen Normwerte liegen bei 6,2/6,3 Liter - im Vergleich mit dem bisher verbauten 2,0-Liter-FSI, der auch noch zehn PS schwächer war, konnte der Spritbedarf um 1,6 Liter gesenkt werden.
Noch deutlicher wird dieser Vorteil, wenn man die alte Automatik-Version des 2.0 TSI mit dem neuen 1.4 TSI und Doppelkupplungsgetriebe (DSG) vergleicht: Der Unterschied steigt auf 2,3 Liter oder 28 Prozent. DSG wird außer für die beiden Benziner-Basismodelle für alle Varianten angeboten, der Aufpreis beträgt 1775 Euro. Konventionelle Automatiken sind aus dem Angebot gestrichen worden.
In naher Zukunft wird das Motorenangebot nach oben und unten erweitert
Neben den TSI-Motoren hat VW auch der 80-PS-Basis und den Selbstzündern, die jetzt erstmals im Golf mit der Common-Rail-Technik arbeiten, eine noch höhere Sparsamkeit anerzogen: 4,5 und 4,9 Liter lauten hier die Normverbrauchswerte bei den Dieseln, 6,4 Liter beim Benziner. Der Basismotor ist jetzt einen halben Liter sparsamer, der 110-PS-Diesel verbraucht 0,6 Liter weniger als der bisherige Golf BlueMotion mit 105 PS. Während die drei Basismotoren mit einem 5-Gang-Getriebe kombiniert werden, haben die stärkeren Triebwerke 6-Gang-Schaltboxen, der 160-PS-TSI ist zunächst nur mit DSG zu bekommen.
In naher Zukunft wird das Motorenangebot nach oben und unten erweitert, es wird ein Basisdiesel mit 66 kW/90 PS eingeführt sowie erstmals eine Variante ab Werk, die mit LPG (Autogas) angetrieben wird. Auf einen Golf GTI muss man gleichfalls noch etwas warten, auf der Pariser Automobilausstellung im Oktober wird er jedoch schon präsentiert. Bis Mitte nächsten Jahres soll der nächste Golf BlueMotion fertig sein, der mit einem CO2-Ausstoß von nur 99 Gramm pro Kilometer glänzen soll (3,8 Liter Normverbrauch). Außerdem ist ein Hybrid-Golf in Vorbereitung (siehe Kasten weiter unten) und wie zu hören war, arbeitet man zudem an einem supersparsamen 1,2-Liter-Dreizylinder.
Sicherheit der Crashzelle abermals erhöht
Zur Strategie, den Golf noch weiter oben zu plazieren, gehört das vergrößerte Angebot von Ausstattungsoptionen, die bisher größeren, luxuriöseren Modellen wie dem VW Passat CC vorbehalten waren. So kann man jetzt ACC (Tempomat mit automatischer Abstandskontrolle), DCC (adaptive Fahrwerksregelung) oder einen Parklenkassistenten nebst Rückfahrkamera bestellen. Kurvenlicht gibt es allerdings (noch) nicht. Im Übrigen wurde das Fahrwerk optimiert, vorne kommt die bekannte Federbeinachse mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern zum Einsatz, hinten blieb es bei der Mehrlenkerachse, neu ist die erwähnte Möglichkeit, die Dämpfer per Knopfdruck einzustellen (Sport/Comfort/Normal). Das kostet 925 Euro Aufpreis.
Neben der optischen Überarbeitung der Karosserie hat man in Wolfsburg die passive Sicherheit der Crashzelle abermals erhöht, außerdem werden große Fortschritte bei der Geräuschdämmung vermeldet. Eine spezielle Dämpfungsfolie in der Frontscheibe reduziert ebenso Fahrgeräusche wie neue Dämm-Materialien oder besonders geformte Außenspiegel (jetzt mit Blinker) à la Passat CC.
Der Golf V wird nicht sofort verabschiedet
Wie erste Probefahrten mit dem neuen Golf zeigen, ist der Neue tatsächlich sehr leise. Das gilt sowohl für den 1,4-Liter-TSI als auch für den 2,0-Liter-TDI. Der 122-PS-TSI dürfte als Motor für einen Alltags-Golf mehr als ausreichend sein, in Verbindung mit einem 7-Gang-DSG (bei mehr als 250 Newtonmeter Drehmoment hat das DSG nur 6 Gänge) erwies sich das TSI-Triebwerk als sehr harmonisch und ausreichend kraftvoll. Auch das Fahrverhalten konnte überzeugen, wie der gesamte Auftritt des neuen Golf.
Zunächst wird der Neuling ausschließlich in Wolfsburg und Zwickau gebaut, in beiden Werken wurden die Arbeitsabläufe optimiert, so dass man die Produktivität um zehn oder gar 15 Prozent (Zwickau) steigern konnte. Das spart angeblich 1000 Euro Kosten pro Einheit. Im Übrigen werden auch der Golf Plus, der Variant (Kombi) und der Jetta (Golf mit Stufenheck) im Laufe des Jahres 2009 auf die neue Generation umgestellt. Der Golf V wird nicht sofort verabschiedet, sondern noch bis Mitte November weitergebaut, die Nachfrage sei nach wie vor sehr gut. Es geht eben nichts über den Golf. Das ist keine Generationenfrage.
Der VW Golf Twin Drive - er kann schon 50 Kilometer elektrisch fahren
Der Bluemotion-Golf mit seinem Normverbrauch von 3,8 Liter Diesel für 100 Kilometer und seinem CO2-Ausstoß von nur 99 g/km wird im nächsten Frühjahr debütieren, etwas länger dürfte es dauern, bis die zweite Sparidee im Golf-Programm in Serie gehen wird. Twin-Drive nennt VW die Kopplung von Verbrennungs- und Elektromotor, die anders als bei bisherigen Hybridantrieben zusammenarbeiten. Ein Prototyp ist schon gebaut. VW nutzt das immense Drehmoment der E-Maschinen, zwei an der Zahl, um den Wagen aus dem Stand zu beschleunigen. Bis 50 km/h fährt der Twin-Drive-Golf bei voller Batterie rein elektrisch.
Erst wenn eine Geschwindigkeit erreicht ist, bei der ein Verbrennungsmotor im wirtschaftlichen Drehzahlbereich arbeiten kann, schaltet sich dieser über eine Kupplung zu. Er übernimmt im Ensemble mit den Elektromotoren die Beschleunigung und das Halten höherer Geschwindigkeiten, lädt dann obendrein die Bordbatterie auf. Der Antriebsstrang arbeitet ohne Getriebe, der Verbrennungsmotor treibt in einer einzigen starren Übersetzung die Räder an. Beim Bremsen wird durch Umpolung der Elektromotoren die Batterie geladen, und von deren Entwicklungsfortschritt ist der Zeitplan des ersten Auftritts eines Twin-Drive-Systems in erster Linie abhängig.
Zur Zeit werde kräftig an der Serienreife der Lithium-Ionen-Akkus gearbeitet, damit sie die hohe Energie, die beim Bremsen anfällt, auch speichern können und nicht (wie bei bisherigen Hybridantrieben) der größte Teil dieser kinetischen Energie in Wärme abgeführt werden muss. Die Reichweite bei Elektrobetrieb soll bei 50, im gemischten bei rund 600 Kilometer liegen. Der Verbrauch des Golf mit einer am haushaltsüblichen Stromanschluss vollständig aufgeladenen Batterie liegt nach VW-Angaben bei etwa 2,5 Liter Treibstoff für 100 Kilometer. (mki.)
Golf VI = Facelift Golf V + Werbung
Andreas Breuer (IUSTINUS)
- 18.09.2008, 11:13 Uhr
Absolutes Novum beim Golf: eine Variante ab Werk mit LPG (Autogas)
Ralf Ortmayr (ralfo1704)
- 18.09.2008, 14:59 Uhr
???
Ronald Gruenebaum (bruxman)
- 22.09.2008, 19:28 Uhr
wo bleibt der Jubel
ren hoeg (saddat)
- 22.09.2008, 22:58 Uhr