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Veröffentlicht: 06.04.2017, 15:17 Uhr

Probefahrt VW Golf E und GTE Frische Stromer im Golfsrudel

Der neue VW Golf E kommt auf 300 Kilometer Reichweite unter idealen Bedingungen. Wer kein Risiko eingehen und kürzere Strecken rein elektrisch fahren will, wählt den GTE.

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© Hersteller Der neue Golf E

Der VW Golf. Das Auto. Seit 1974 genau 33 312 123 Mal gebaut (Stichtag 1. Januar 2017). Die siebte Generation ist seit 2012 unterwegs, seit drei Jahren stromert das seit Jahrzehnten meistverkaufte Auto Deutschlands sowohl als reiner Elektriker als auch als Plug-in-Hybrid. Nun ist das umfangreiche Update für den Golf VII auch den beiden Stromern zuteil geworden, die zudem neben der Designpflege und Aufwertung hinsichtlich der Konnektivität und der Assistenzsysteme auch technisch zulegen.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Das gilt vor allem für den rein elektrischen Golf. Seine Reichweite steigt dank einer leistungsfähigeren Batterie von 190 auf 300 Kilometer, wobei VW selbst sagt, man könne im Alltag immer mit 200 Kilometern rechnen. Die 300 seien ein Normwert, den man aber auch erreichen oder gar überbieten könne, wenn man zum Beispiel auf flacher Autobahn mit 85 km/h dahinrolle. Der Energiegehalt der Akkus – wie bisher Lithium-Ionen – beläuft sich jetzt auf 35,8 kWh statt nur 24,2 kWh. Gleichzeitig wurde der Elektromotor von 85 auf 100 kW erstarkt (136 PS), und das maximale Drehmoment stieg um 20 Newtonmeter auf 290. Dadurch kann jetzt in 9,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h gesprintet werden, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 150 km/h begrenzt. Der Durchschnittsverbrauch von 12,7 kWh auf 100 Kilometer blieb unverändert.

Die 345 Kilogramm schwere Batterie im Wagenboden ist an der normalen Haushaltssteckdose in gut 13 Stunden aufgeladen, an einer 7,2-kW-Ladestation dauert es nur gut vier Stunden, an einer CCS-Ladestation (Combined Charging System) sind die Akkus in 45 Minuten zu 80 Prozent voll. Um per CCS „tanken“ zu können, ist jedoch eine andere Ladedose am Wagen nötig, diese kostet 610 Euro Aufpreis, plus 175 Euro für das CCS-Kabel. Eine Wärmepumpe, die im Winter die Reichweite bei Nutzung der Heizung um, bis zu 30 Prozent erhöht, kostet weitere 975 Euro Aufpreis.

45721733 Seine Reichweite steigt dank einer leistungsfähigeren Batterie von 190 auf 300 Kilometer. © Hersteller Bilderstrecke 

Ohnehin ist der vollelektrische Golf für 35 900 Euro nach wie vor ein teures Vergnügen, trotz manch guter Ausstattung. Ein Navigationssystem gehört zum Lieferumfang. Aber auch hier sind fast alle Assistenzsysteme wie auch der schöne, virtuelle Tacho aufpreispflichtig. Einschränkungen im Nutzraum gibt es nahezu keine, alle E-Golf haben vier Türen. Und alle Käufer eines elektrischen Golf erhalten in den ersten zwei Jahren bis zu 60 Tage kostenlos einen Mietwagen aus dem VW-Programm, ausgenommen ist das große SUV Touareg. So wird der Autourlaub in Spanien möglich. Nicht möglich ist ein technisches Update der Batterie im alten E-Golf.

Wer kein Reichweitenproblem haben möchte und doch kürzere Strecken rein elektrisch fahren will, für den hält VW den Golf GTE bereit. Der Teilzeitstromer wurde ebenfalls überarbeitet, die Leistungsdaten der Motoren bleiben aber gleich: Ein 150-PS-TSI-Motor mit 1,4 Liter Hubraum und eine Elektromaschine mit 75 kW arbeiten im Team, die Systemleistung beträgt 150 kW oder 204 PS. Damit ist eine Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h möglich.

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So gesehen ist dieser Golf eine andere Welt, er kann mit seinem Elektromotor nach Werksangabe 45 bis 50 Kilometer weit elektrisch fahren, die 8,7-kWh-Batterie ist an der Steckdose in knapp vier Stunden voll. Die Akkus können während der Fahrt vom Verbrennungsmotor geladen werden, vor allem, um den Ladezustand zu halten. Auf ersten Probefahrten kamen wir auf der Landstraße bei zurückhaltender Fahrweise rein elektrisch 27 Kilometer weit. Beide Motoren arbeiten im Hybridmodus gut zusammen. Neu ist, dass der GTE mit Navigationssystem (hier aufpreispflichtig) über den Streckenverlauf Einfluss auf ein möglichst optimales Zusammenspiel der beiden Motoren nehmen kann. Der Anschluss für das Stromkabel sitzt vorn im VW-Logo, der Anschluss für den E-Golf ist dort, wo sonst getankt wird.

Anders als der vollelektrische Golf muss der GTE aufgrund der vielen verbauten Technik Abstriche im Nutzraum machen. Der Kofferraum ist nur 272 Liter groß (E-Golf 341 Liter statt 350). Mit einem Basispreis von 36 900 Euro ist der GTE sogar noch 1000 Euro teurer als sein vollelektrischer Bruder. Dafür könnte man sich gleich zwei Basis-Golf kaufen oder vielleicht den Klassiker GTI. Der holt jetzt als GTI Performance 245 PS aus seinem 2,0-Liter-Vierzylinder und kostet im Vergleich nur 32 475 Euro. Stromern bleibt Luxus.

No Noreply

Von Michael Spehr

Einer der fleißigsten E-Mail-Versender hat stets dieselbe Absenderadresse: Noreply. Er arbeitet zudem in unterschiedlichen und nahezu allen deutschen Unternehmen. Mehr 3 26

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