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Volkswagen Der Traum vom Ein-Liter-Auto wird wahr

 ·  VW legt eine Kleinserie des XL1 auf. Der Dieselhybrid mit Zweizylindermotor hat einen Normverbrauch von 0,83 Liter. Einen Preis nennt VW noch nicht.

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© dpa Vergrößern In den ehemaligen Karmann-Werken in Osnabrück wird jetzt eine Kleinserie in Handarbeit aufgelegt

Als Ferdinand Piëch 2002 zusammen mit dem damaligen VW-Chef Bernd Pischetsrieder im Prototypen des Ein-Liter-Autos von Wolfsburg nach Hamburg zu VW-Jahreshauptversammlung fuhr, war das für viele Beobachter nicht mehr als ein guter Marketing-Schachzug. Elf Jahre später ist das Ein-Liter-Auto Realität geworden.

In den ehemaligen Karmann-Werken in Osnabrück wird jetzt eine Kleinserie in Handarbeit aufgelegt, die zunächst auf 50 Einheiten begrenzt ist. Wie der Prototyp von 2002 ist der neue XL1, an dem seit 2007 gearbeitet wird, ein reiner Zweisitzer, aber die beiden Piloten sitzen etwas versetzt nebeneinander, nicht hintereinander. Und der XL1 kann auch rein elektrisch fahren, rund 50 Kilometer weit. Er ist ein Dieselhybrid, der auch an die Steckdose kann. So ergibt sich der plakative Normverbrauch von 0,83 Liter Diesel auf 100 Kilometer - die Kilometer mit null Verbrauch gehen in die Rechnung ein.

VW hat in den XL1 alles an Spartechnik gesteckt, was heute möglich ist. Neben dem Antrieb ist das die superleichte Monocoque-Karosserie aus Kohlefaser und Aluminium, alle Verkleidungsteile bestehen aus Kohlefaser, auch bei den anderen Bauteilen ist Leichtigkeit Trumpf, die Bremsscheiben bestehen aus Magnesium, ebenso die Räder (vorn 15, hinten 16 Zoll). Die Schalensitze sind aus CFK, die Seitenscheiben aus Polycarbonat. Insgesamt wiegt das Auto nur 795 Kilogramm, trotz der schweren Batterien (5,5 kWh Kapazität) im Vorderwagen. Einen großen Anteil an dem niedrigen Verbrauch hat freilich das Design. Der 3,89 Meter lange und nur 1,15 Meter hohe XL1 ist hinten schmäler als vorn, alles ist auf optimale Windschlüpfigkeit getrimmt, die Hinterräder sind verkleidet, das Rückleuchten-Band, das um das gesamte Heck läuft, steht einige Zentimeter über (“Attika-Look“), weil das für weniger Verwirbelungen sorgt.

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© dpa Vergrößern Ein reiner Zweisitzer, aber die beiden Piloten sitzen etwas versetzt nebeneinander, nicht hintereinander

Kurz vor der angetriebenen Hinterachse sitzt die Motoreneinheit (also ein Mittelmotor-Auto), ein Zweizylinder-Turbodiesel mit 0,8 Liter Hubraum und 35 kW (48 PS), der mit einem E-Motor mit 20 kW kombiniert werden kann. Ums Schalten kümmert sich ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Systemleistung beträgt, ja richtig, 55 kW (75 PS). Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 160 km/h limitiert. Schaffen würde der XL1 rund 200 km/h; weil man dann aber das Auto anders auslegen müsste (größere Bremsen) und das dem Leichtbau widerspräche, sind 160 km/h die Grenze. Rein elektrisch schafft der XL1 maximal 120 km/h. Aus der angegebenen Reichweite (450 Kilometer plus 50 Kilometer rein elektrisch) lässt sich leicht der Verbrauch im „herkömmlichen“ Betrieb errechnen: 2,22 Liter auf 100 Kilometer - der Dieseltank ist winzig, er fasst nur zehn Liter. Im Heck ist noch ein kleiner Kofferraum (150 Liter).

Die Türen öffnen nach oben, was nicht nur gut und futuristisch aussieht, es habe den Zweck, den Einstieg in das tiefe Auto zu erleichtern, sagt Projektleiter Holger Bock, der das XL1-Team von Beginn an führt. Und VW denkt an alles: Liegt der Wagen nach einem Unfall auf dem Dach, lassen sich die Flügeltüren wegsprengen. Ohnehin macht VW in Sachen passiver Sicherheit keine Kompromisse. Bock: „Das können wir uns nicht leisten. Der Wagen erfüllt alle Crashvorschriften, obwohl es nicht nötig gewesen wäre, weil er als Kleinserie mit maximal 1000 Einheiten jährlich homologiert ist. Wir hätten keinen einzigen Crashtest machen müssen.“ So aber hat der XL1 Alu-Profile in den Türen und Alu-Crashvorrichtungen vorn und hinten. Den Fahrer schützt zusätzlich ein Airbag, für den Beifahrer sei keiner nötig, weil er sehr weit vom Armaturenbrett (extrem leicht aus Pressspan) entfernt sitze. Und kein Airbag wiegt nichts. Auch auf elektrische Fensterheber und eine Servolenkung wurde verzichtet. Bock: „Die brauchen Sie auch nicht.“ Der XL1 hat jedoch eine Klimaanlage. Ein Novum sind die elektrischen Außenspiegel. Zwei Kameras übertragen das Bild auf je einen kleinen Monitor in den Türen. Herkömmliche Außenspiegel hätten nämlich wieder für Verwirbelungen gesorgt. Dank der Kleinserien-Zulassung sind die „E-Mirrors“ möglich.

Der XL1 wird in Handarbeit montiert, auch die Karosserie manuell lackiert. Die CFK-Schale liefert der Zulieferer Wethje aus Österreich. Sie wird aus einem Stück gepresst. Das macht eine Maschine, die 40 Tonnen wiegt. In Osnabrück wird um diese herum das Auto zusammengesetzt - ohne den Einsatz von Robotern. Es wird geklebt und geschraubt, nicht geschweißt. Etliche Module wie der Antriebsstrang oder das Armaturenbrett sind selbstverständlich vormontiert. Ob aus dem XL1 noch mehr als die 50 Einheiten werden, ist offen. Einen Preis nennt VW noch nicht, zwischen 40 000 und 50 000 Euro werden kolportiert.

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