08.10.2009 · Die Linien der GTS 125 i.e. Super sind klar und zeitlos. Die angemessene Dynamik verleiht dem Roller ein flüssig gekühlter Viertakt-Vierventil-Motor mit elektronischer Einspritzung. Es gibt einen Kritikpunkt an diesem Roller für rund 4300 Euro.
Von Hans-Heinrich PardeyKann ein Roller mehr Vespa sein als diese GTS 125 i.e. Super in Drachenrot? Die Linien so klar, so zeitlos, dass Marcello Mastroianni sie mit der gleichen Selbstverständlichkeit hätte fahren können, mit der das aktuelle, leicht an den Luftschlitzen auf der rechten Karosserieflanke erkennbare Modell die Vespas von vor einem halben Jahrhundert zitiert. Optisch zitiert, bitte schön, denn unter den glatt fließenden, aber nie langweilig wirkenden, sondern einfach nur wohlproportionierten Karosseriekurven dieser wie mit ewiger Jugend gesegneten Römerin aus Pontedera geht es ganz aktuell zu.
Die angemessene Dynamik verleiht dem Roller ein flüssig gekühlter Viertakt-Vierventil-Motor mit elektronischer Einspritzung, der die Abgasnorm Euro 3 erfüllt und eine Leistung von 11 kW (15 PS) bei 9750/min (maximales Drehmoment 12 Newtonmeter bei 7500/min) entwickelt. Das reicht, um mit dem leer rund 160 Kilogramm (zulässiges Gesamtgewicht 340 Kilogramm) wiegenden Roller eine Spitzengeschwindigkeit von knapp über 100 km/h zu erreichen. Gefühlt sind das kaum weniger als beim größeren Schwestermodell GTS 300 mit dem stärkeren Motor (und wahlweise ABS): Mitschwimmen auf den langsameren Fahrstreifen der Autobahn ist auf der 125er erhobenen Hauptes möglich, auch wenn an längeren Steigungen dann doch nicht die vollkommene Freude aufkommt. Aber wer wird von einer Vespa in erster Linie Tourenqualitäten verlangen, auch wenn der 9,5-Liter-Tank bei nicht zu hektischer Fahrweise und einem um die Drei-Liter-Marke pendelnden Verbrauch (Superkraftstoff) Distanzen von 300 Kilometer bis zum nächsten Tankstopp nicht utopisch erscheinen lässt?
Unter der Stahlkarosserie poltert es nicht hohl
In der Stadt lassen weder Temperament noch Wendigkeit zu wünschen übrig, beides ist gepaart mit einer Ausstrahlung, die wohl am besten mit dem Begriff Reife zu beschreiben ist. Unter der Stahlkarosserie poltert es nicht hohl. Das durchaus konventionelle Fahrwerk auf zwölf Zoll großen Rädern, dessen rote Federspirale an der Vorderradschwinge speziell unter der roten Karosserie kaum auffällt, geht nicht zu stramm und nicht zu weich über Fahrbahnunebenheiten hinweg. Das ABS der 300er lässt die Bremsanlage der 125er (Scheibe vorn und hinten) nicht vermissen.
Was man anfasst, was man anschaut im kompletten Cockpit, es hat zeitlosen Chic und ist praktisch. Moment: Ausgerechnet an solch einem nachrangigen Detail wie der Taste zur Betätigung des Blinkers hat ein Designer sein Mütchen kühlen dürfen und hat es prompt fertiggebracht, dass die Taste schön aussieht, aber schlecht zu bedienen ist. Dies und der unter der respektabel großen und sehr bequemen Sitzbank nicht berauschend voluminöse Stauraum (vorn gibt es ein nicht besonders tiefes Handschuhfach) sind die Kritikpunkte an diesem Roller für rund 4300 Euro, den zu fahren im Übrigen von der ersten bis zur letzten Minute nur Freude gemacht hat.