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Unterhaltungselektronik im Auto 40 Gramm iPod und zweieinhalb Tonnen Audi

27.01.2007 ·  Gegensätze arbeiten mitunter besonders gut zusammen. Das Zusammenspiel des automobilen Schwergewichts Q7 von Audi mit federleichten Technikspielereien klappt tatsächlich wunderbar - bis auf kleine Ausnahmen.

Von Michael Spehr
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Das haben wir noch nie erlebt: eine Werksausrüstung mit Kommunikation, Navigation und Unterhaltung, die wirklich durchgängig auf höchstem Niveau spielt. Bislang war man mit dem Routenführer zufrieden, aber dann patzte die Freisprechanlage fürs Handy. Dann gab es zwar eine tolle HiFi-Anlage, aber das Navi begeisterte nicht. Nun sind wir zwei Wochen lang mit dem neuen Audi Q7 gefahren, dem bulligen und großen SUV, und hier stimmte einfach alles. Zunächst das spektakulärste Detail, das jeden Beifahrer überraschte: Für 450 Euro gibt es ein Sprachdialogsystem, das die Eingabe von Ort und Straße bei der Navigation so einfach wie nie macht. Dazu drückt man einfach die zugehörige Taste am Lenkrad und sagt „Ort eingeben“.

Anschließend buchstabiert man den Anfang des Ortsnamens. Das System blendet daraufhin eine Liste der in Frage kommenden Orte ein. Man sagt dann die Nummer des passenden, und das ist schon alles, mit dem Straßennamen verfährt man ebenso. Der Spracherkenner braucht kein vorheriges Training, er arbeitet sprecherunabhängig und funktioniert perfekt. So schnell und leichtverständlich haben wir noch nie ein Navi-System programmiert.

Ein bisschen wie Zauberei

Dass das Dialogsystem auch mit der HiFi-Abteilung sowie Telefon, CD-Wechsler und Radio zusammenarbeitet, versteht sich von selbst. Überhaupt wird man in Zukunft immer mehr Komponenten des Fahrzeugs mit Sprache steuern. Zwar nicht die Sitzverstellung oder Luftverteilung der Klimaanlage, wohl aber etwas komplizierte Details, die sonst irgendwo in den Tiefen verschachtelter Menüs versteckt sind. Es gibt nur eine kleine Kritik am Audi-System: Für den sprachgesteuerten Aufruf eines Radioprogramms oder die Wahl eines Telefonbucheintrags muss man zuvor den Sender oder Eintrag benennen. Da hätten wir gern ein direktes Kommando à la „Sender HR2 einstellen“ oder „Alfons Meier anrufen“.

Und dann das nächste tolle Detail im Q7: die Autotelefon-Anlage. Zur Verfügung stehen drei verschiedene Systeme. Das günstigste nennt sich Handy-Vorbereitung (720 Euro). Man sollte aber eines der beiden teureren (870 und 1425 Euro) mit Sim-Access nehmen. Was verbirgt sich dahinter? Mit diesem Bluetooth-Profil erhält man ein vollständiges Autotelefon mit eigener Sende- und Empfangsanlage. Die Sim-Karte muss man zu Fahrtbeginn nicht in einen Leseschacht pfriemeln. Die Anlage holt sich vielmehr via Bluetooth die Daten der Sim-Karte und legt das mitgebrachte Handy schlafen. Das hört sich ein bisschen nach Zauberei an, funktioniert aber prima.

Diskret telefonierende Beifahrer

Der große Vorteil von Sim-Access gegenüber einer simplen Bluetooth-Freisprechanlage mit Handsfree- oder Headset-Profil ist die Nutzung der Sendeanlage des Fahrzeugs mit deutlich besserem Empfang. Hat man einmal beide Partner gekoppelt, schaltet sich beim Betreten des Q7 das Handy automatisch aus, und der Audi übernimmt das Kommando.

Es gibt einen Zugriff auf das Sim-Telefonbuch des Geräts, man kann das Ganze mit Sprachsteuerung, den Tasten am Lenkrad oder dem MMI-System flüssig bedienen. Der Aufpreis für das teurere 1425-Euro-Kit ist dem zusätzlichen Bedienhörer in der Mittelarmlehne geschuldet. Mit ihm kann ein Beifahrer gegebenenfalls diskret telefonieren, und er hat einen Leseschacht für Sim-Karten und damit für solche Handys, die Sim-Access nicht beherrschen. Wir hatten mit dem Nokia E61 zwei Wochen lang beste Verbindungen und gute Akustik, die Anlage ist wirklich empfehlenswert.

Anzeige des aktuell geltenden Tempolimits

Und natürlich MMI, das hochgelobte Multimedia-Interface, das große Extra inmitten der aufgeräumten und übersichtlichen Bedienlandschaft. Es ist eines der besten Systeme für Infotainment und Navigation. Im Q7 kostet es zwischen 1170 und 3000 Euro, in der teuersten Ausstattung gehören ein (empfehlenswertes) Farbdisplay und die Navigation dazu. Wie in allen anderen Audis ist die Qualität der Anzeige überragend, die Kartendarstellung des Navis brillant und kontrastreich und die Bedienung mit dem Dreh-Drückknopf ein haptisches Vergnügen. Rund um den Knopf liegen vier Tasten, sogenannte Softkeys, deren wechselnde Funktionen stets in den vier Ecken des Bildschirms angezeigt werden, und für den Aufruf der Hauptmenüs gibt es fest beschriftete Tasten.

Die Routenführung unterwegs ist klasse, allein die Sprachansagen reichen meist schon aus. Verkehrsmeldungen der Rundfunkanstalten werden automatisch aufgenommen und lassen sich zeitversetzt abhören. Staumeldungen via TMC zeigt die Anlage im Klartext an, und sie sind auf der Landkarte optisch hervorgehoben. Das alles ist Technik vom Feinsten. Es fehlen allerdings zwei praktische Details: ein TMC-Pro-Empfänger für die deutlich besseren Verkehrsmeldungen von T-Traffic und eine Anzeige des aktuell geltenden Tempolimits.

Zu viel Respekt vor dem Schwergewicht

Last, not least gibt es natürlich im Q7 ein i-Tüpfelchen, ebenfalls mit „i“, nämlich das iPod-Interface für alle Musikspieler von Apple von der vierten Generation an. Der kleine Player wird dazu in der Mittelarmlehne verstaut und mit einem Adapterkabel angeschlossen. Sage und schreibe 245 Euro kostet dieser Spaß, also so viel wie der iPod Video der aktuellen fünften Generation. Da kann man natürlich schon ins Grübeln kommen. Aber es lohnt sich, denn das iPod-Menü mit allen Funktionen ist auf dem MMI-Display perfekt umgesetzt. Alle Daten zu den Titeln werden angezeigt, auch die eigenen Wiedergabelisten. Das ist schon ein putziges Detail, dass die perfekte Musikbeschallung in diesem 5,09-Meter-Wagen mit einem Gewicht von 2,5 Tonnen ausgerechnet ein hauchdünnes 40-Gramm-Gerätchen übernimmt.

Allerdings stürzte der iPod Nano beim Einsatz im Q7 gelegentlich ab. Das mag an unserem Gerät gelegen haben - oder an zu viel Respekt vor so viel wunderbarer Technik in diesem bayerischen automobilen Schwergewicht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.01.2007, Nr. 3 / Seite V10
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