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Twingo II und der 308 Peugeot und Renault schärfen ihre besten Argumente

15.06.2007 ·  Mit dem Peugeot 308 und dem Renault Twingo II debütieren in diesem Jahr für die französischen Hersteller zwei eminent wichtige Fahrzeuge. Beide sind zum Erfolg verpflichtet.

Von Boris Schmidt und Wolfgang Peters
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Die wichtigsten neuen Autos aus Frankreich für dieses Jahr sind im Anrollen: Renault, noch immer die führende Marke der Gallier, hat unter gleichem Namen, aber mit neuen Kleidern den Nachfolger des vor rund fünfzehn Jahren (!) erstmals präsentierten Twingo vorgestellt. Gleichzeitig hat Peugeot, im Privatkundengeschäft fast gleichauf, vor den Mitgliedern der Car-of-the-Year-Jury die Tücher von der im Herbst anrollenden neuen Generation des 308-Modells weggezogen. Beiden Autos kommt für das Wohlbefinden der Marken hohe Bedeutung zu: Der Twingo II soll Renault aus einer gewissen Lethargie reißen und den anderen Minis (Citroën C1, Peugeot 107, Toyota Aygo) davonfahren. Dem neuen 308 ist die Rolle des scharf kalkulierten, aber großzügig dimensionierten Kompaktmobils auf den Leib geschneidert.

Der Peugeot 308 wird wie sein Vorgänger in mehreren Karosserievarianten gebaut: Zum Marktstart gibt es die Versionen mit zwei und vier Türen, später folgen 308 SW (Station Wagon) und 308 CC, dessen Linien sich sowohl im geschlossenen als auch im offenen Aggregatszustand zu einem deutlich eleganteren Auftritt versammeln. Das liegt auch am Design der mit steilem Heck antretenden Limousinen: Das gesamte Formkonzept des 307 wurde erhalten, aber mit entschlosseneren Strichen neu interpretiert. Bug (mit weit vorgeschobener Oberlippe und einer riesigen, sehr schräg liegenden Frontscheibe) und Heck (ein robuster Popsch mit Tätschel-Verführung) tragen neue Proportionen, und der Verlauf von Kanten und das Heraustreten von Wölbungen verleihen dem Typ 308 die Aura eines Muskelmanns, der französische Finanzwissenschaften studiert hat.

Das soll ein Twingo sein?

Am weitesten entfernt sich der mit breiterer Spur und etwas größerem Radstand antretende neue Peugeot im Innenraum von seinem Vorgänger: Hier werden schon bei den Vorserienmodellen im Design, mit der Materialwahl und in der Verarbeitung Maßstäbe nicht nur für die Marke, sondern auch für das gesamte Marktsegment gesetzt. Instrumente und Armaturenträger sind eine Augenweide, wie die Nähte einer Ausführung mit Lederbespannung gesetzt sind, wie sich der gesamte Innenraum beinahe sorgsam um die Besatzung herum schmiegt, das sind durchaus delikate Vorgänge. Unter dem schönen Blech gibt es bekannte Motoren mit einigen neuen Ablegern, das Fahrwerk wurde auf höhere Agilität, mehr Sicherheit und sanfteres Verhalten eingeschworen, und neben den Zutaten der passiven Sicherheit gibt es nun Bi-Xenon-Licht und einen von Citroën bereits bekannten Spurhalteassistenten. Bei den Preisen für den 308 wird sich Peugeot am 307 orientieren, der Einstiegstarif könnte für den deutschen Markt unter 15.000 Euro liegen. Mehr über den Peugeot 308 gibt es im August nach den ersten Probefahrten.

Dagegen konnte die Redaktion den neuen Twingo, der am 7. September in Deutschland startet und in Frankreich, Italien und Slowenien (dort wird er gebaut) schon am Wochenende Premiere hat, bereits näher unter die Lupe nehmen. Wobei das Kennenlernen des Neulings gleich mit einer Enttäuschung verbunden ist: Das soll ein Twingo sein? Das verspielt feminine Design, das den Vorgänger auszeichnete, ist Vergangenheit. Der Kleinwagen ist das erste Modell mit dem neuen Renault-Markengesicht ohne Kühlergrill und im Übrigen routiniert, aber wenig aufregend gestylt. Statt auf Design setzt Renault nun auf innere Werte: Der Neue ist um 17 Zentimeter auf 3,60 Meter Außenlänge gewachsen, erstmals gibt es einen Dieselmotor (und rechtsgelenkte Versionen), in Deutschland gehören unter anderem ABS sowie elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, zwei Frontairbags, eine elektrische Servolenkung und ein höhenverstellbares Lenkrad zur Serienausstattung.

Eng mit dem „alten“ Clio verwandt

Neben dem 1,5-Liter-Turbodiesel (47 kW/65 PS) stehen drei Ottotriebwerke zur Wahl, Basismotorisierung ist die bekannte und bewährte 1,2-Liter-Maschine aus dem Vorgängermodell, die 43 kW (58 PS) leistet. Damit ist der Twingo II maximal 150 km/h schnell. 20 km/h flotter ist der kleine Renault mit der Vierventil-Version des Triebwerks (56 kW/76 PS), gar 185 km/h maximal schafft der Twingo GT, dessen 1,2-Liter-Motor zusätzlich von einem Turbo beatmet wird. Renault legt großen Wert auf die Tatsache, dass alle vier Motoren weniger als 140 g/km CO2 ausstoßen, der Diesel sei mit 112 g/km CO2 so vorbildlich sauber, dass man auf einen Partikelfilter verzichtet habe, weil dieser den Wagen unverhältnismäßig teuer machen würde. Leider fehlt dem neuen Twingo vorerst auch ein ESP (verfügbar ab Mitte 2008), und Seitenairbags gibt es erst in den besseren Ausstattungsvarianten.

Zurück zu den Motoren: Der Diesel ist mit einem Normverbrauch von 4,3 Liter sehr sparsam, die Benziner liegen zwischen 5,6 und 5,9 Liter. Für den 76-PS-Motor wird gegen Aufpreis ein automatisiertes Schaltgetriebe geboten. Technisch ist der Twingo eng mit dem „alten“ Clio verwandt, dennoch biete er eine ausgezeichnete passive Sicherheit, wobei Crashtests nach Euro-NCAP noch ausstehen.

Basis-Twingo ab gut 9.000 Euro

An den jetzt abgelösten Erstling erinnern der in der Mitte plazierte, digitale Tacho, die verschiebbaren Einzelsitze im Fond (nicht in der Basisversion, dort gibt es eine zweisitzige Bank) sowie die hakeligen Türgriffe. Werden die Einzelsitze ganz nach hinten geschoben, kommt man im Fond prima unter, das Gepäckraumvolumen schrumpft jedoch auf kärgliche 165 Liter. Mit der Bank sind es 230, als Zweisitzer steigt das Volumen auf rund 900 Liter.

Der Basispreis für den Twingo beträgt 9.250 Euro, als „Expression“ kostet er mindestens 10.000 Euro (10.700 mit dem 76-PS-Motor). Der Diesel ist von 11.900 Euro (als Expression) an zu haben. Den 100-PS-Motor gibt es nur als GT, der zudem noch besser ausgestattet ist („Dynamique“) und sich optisch von den übrigen Modellen unterscheidet. Er kostet 12.400 Euro. Topmodell ist der 1.2 16 V „Initiale“ für 14.750 Euro, dann ist neben Ledersitzen auch eine Klimaanlage serienmäßig.

Quelle: F.A.Z., 12.06.2007, Nr. 133 / Seite T3
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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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