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Toyota Die Trumpfkarten in 4×4

29.12.2009 ·  Keine Angst vor schwerem Gelände und dem Zeitgeist: Toyota hat sein Allrad-Portfolio ausgebaut und bietet sportliche Offroader für Ausfahrten jenseits der befestigten Wege. Doch von dieser exklusiven Klientel können Massenhersteller nicht leben.

Von Stefan Diehl
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Es gibt sie wirklich: Waldarbeiter, Bauingenieure, Forstbeauftragte oder Sprengmeister, Menschen also, die im Berufsalltag ohne ein geländegängiges Fahrzeug nicht zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Doch von dieser exklusiven Klientel können Massenhersteller nicht leben. Für alle anderen potentiellen Kunden, die von oben Aufgezählten gern auch als Innenstadtförster verspottet werden, liegen die Vorteile von sogenannten Offroadern weniger im Einsatz abseits befestigter Wege. Ihr bevorzugtes Gelände ist der Asphalt der City. Die hohe Sitzposition, der damit einhergehende leichtere Einstieg sowie eine gute Übersicht im Gewusel der Stadt und das meist üppige Raumangebot machen die Allradler auch für normale Familienväter begehrt.

Zudem werden 4×4-Fahrzeuge auch als kraftvolles Zugfahrzeug, nicht nur jetzt im Winter, geschätzt. So war es zumindest in der Vergangenheit. Mittlerweile ist die Tendenz jedoch rückläufig: Wurden früher in Deutschland rund 270.000 schwere Geländewagen im Jahr verkauft, sind es derzeit nur noch die Hälfte. Eine Anpassung an den Zeitgeist, die echte Kerle bedauern werden. Für die Hersteller bedeutet das schnellere Modellwechsel und verstärkte Marketingaktionen.

Nach der Präsentation des überarbeiteten Toyota-Spitzenmodells Land Cruiser V8 im vergangenen Jahr folgt nun die neueste Variante des japanischen Herstellers: der kleinere Land Cruiser, der ausschließlich von einem Vierzylinder-Diesel angetrieben wird. Die Karosserie des stattlichen Bergsteigers (als Zweitürer 4,49 Meter lang, mit vier Türen 4,76 Meter) im Format einer rollenden Jagdhütte, ruht auf einem stabilen Leiterrahmen, der für automobile Kraxler unabdingbar ist, weil nur so wahre Geländetauglichkeit gewährleistet wird. An der Vorderachse sind die Räder einzeln aufgehängt, hinten übernimmt eine Starrachse mit Schraubenfedern die Radführung. Im Topmodell, der TEC-Edition, ist auch eine Luftfederung mit Niveauregulierung erhältlich. Immer serienmäßig: der permanente Allradantrieb, der je nach Traktionsverhältnissen die Kraft variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt (im Normalbetrieb: vorn 30, hinten 70 Prozent), und eine zuschaltbare Geländeuntersetzung. Zudem stets an Bord: eine Zentralsperre, die den Durchtrieb zwischen Vorder- und Hinterachse auf starr stellt. Wer das Geländepaket oder die teuerste Variante ordert, kann zusätzlich das hintere Differential sperren.

Angetrieben werden alle Land Cruiser von einem 3,0-Liter-Direkteinspritzer-Motor, der eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h bietet und derzeit nur die Abgasnorm Euro 4 erfüllt. Erst im kommenden Herbst soll er auch die nächste Stufe, Euro 5, erklimmen. Der laufruhige Vierzylinder-Diesel dreht kraftvoll, er leistet 127 kW (173 PS). Sein höchstes Drehmoment von 410 Newtonmeter liefert er im Bereich zwischen 1600 und 2800 Umdrehungen. Dabei knausert die Common-Rail-Einspritzung mit dem Kraftstoff. In Verbindung mit dem serienmäßigen Sechsgangschaltgetriebe (nur Basis und Linie Life) werden kombiniert 8,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer angegeben. Ein optionales Automatgetriebe reduziert den kombinierten Durchschnittsverbrauch um bis zu einen halben Liter. Beim Basismodell und der Ausstattungslinie Life kostet die Fünfstufen-Automatik 2200 Euro extra.

Den Einstieg bildet der Land Cruiser

Vier Ausstattungslinien (Basis, Life, Executive, TEC) und zwei Karosserievarianten (zweitürig nur in der Basis) sind möglich. Den Einstieg bildet der Land Cruiser mit drei Luken für 36950 Euro. Für 2850 Euro mehr gibt es die Einstiegsvariante mit vier Türen. Die Modelle Executive (58.350 Euro) und TEC (65.500 Euro) sind immer viertürig und mit Automatik ausgestattet.

Der Wert dieser Nutztiere liegt neben dem Prestige und den Sicherheitsreserven auch im stattlichen Raum- und Platzangebot. Bis zu sieben Personen passen in den langen Land Cruiser. Dabei sitzen zwei Passagiere auf elektrisch klappbaren Einzelsitzen im Kofferraum (Executive 2250 Euro, TEC Serie). Je nach Anzahl der Türen und Sitzplätze bietet ein Land Cruiser bei umgelegtem Gestühl zwischen 1434 und 1833 Liter Stauraum

Ein spartanischer wie praktischer Kastenwagen

Das 4×4-Programm von Toyota umfasst jedoch noch fünf weitere Modelle. Ladetechnisch am obersten Ende fährt seit zwei Jahren der Hiace auch mit Allradantrieb (28.203 Euro). Ein spartanischer wie praktischer Kastenwagen mit drei Sitzplätzen, der in seiner kargen Anmutung an den seligen Bus-Kantling aus dem Wolfsburg der 1980er erinnert. Die seitliche Schiebetür und die große Heckklappe scheinen nur einen Verwendungszweck zu kennen: einladen. Der 4,80 Meter lange Hiace hat ein Ladevolumen von 4500 Liter und darf über ein Tonne Gewicht zuladen. Sein Vierzylinder-Diesel erfüllt Euro 4 und leistet 86 kW (117 PS).

Für den samstäglichen Besuch im örtlichen Baumarkt empfiehlt sich ein Hilux. Der Pickup mit zuschaltbarem Allradantrieb, Geländeuntersetzung und Hinterachs-Differentialsperre ist mit seiner Personenkabine und der offenen Ladefläche ein Auto für die gröberen Transportfälle. Als zweitüriger Extra Cab, ein 2+2-Sitzer (25585 Euro), und mit vier Türen und ebenso vielen Sitzen ausgestatteter Double Cab (27251 Euro) wird er von einem 2,5-Liter-Diesel mit 88 kW (120 PS) angetrieben. Für den Double Cab kann in der Ausstattungslinie Sol auch ein 3,0-Liter-Diesel (126 kW/171 PS) für 32.487 Euro gewählt werden.

Vom teuren Urban Cruiser zum alltagstauglichen Familien-Allradler

Deutlich komfortabler über städtische Stöcke und Steine geht es im erstmals in diesem Jahr präsentierten Urban Cruiser. Den knapp unter vier Meter kurzen, kompakten Viertürer nennt Toyota City-SUV. In der Variante mit sogenanntem aktiven Allradantrieb werden meist die Vorderräder angetrieben, die hinteren schalten sich aus Gründen der Verbrauchsreduzierung nur bei Bedarf hinzu. Als Antrieb dient ein 1,4-Liter-Dieselmotor (66 kW/90 PS), der sich mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter auf 100 Kilometer zeitgemäß genügsam gibt. Mindestens 305 Liter Stauvolumen im Heck (bei umgeklappter Sitzbank sogar 749 Liter), reichlich Ablagen und fünf durchaus bequeme Sitze davor machen den knapp 23.000 Euro teuren Urban Cruiser zum alltagstauglichen Familien-Allradler.

In diesem Jahr frisch überarbeitet ist das nächstgrößere Modell, der 4,40 Meter lange RAV4. Ausschließlich als Viertürer kann er mit 2,0-Liter-Benzinmotor (116 kW/158 PS), einem kultivierten 2,2-Liter-Diesel, der wahlweise 110 kW (150 PS) oder 130 kW (170 PS) leistet, ausgerüstet werden. Die Benzinvariante steht optional mit einem stufenlosen CVT-Getriebe, der Diesel mit einer Sechsstufen-Automatik in der Preisliste, die beim Diesel-RAV4 mit 27.300 Euro beginnt.

Der Edel-Kraxler fährt mittlerweile in die achte Generation

Preislich in ganz anderen Regionen liegt naturgemäß das Spitzenmodell der Toyota-Palette, der Land Cruiser V8. Der Edel-Kraxler fährt mittlerweile in die achte Generation und ausschließlich mit einem 4,5-Liter-Dieselmotor. Seine Eckdaten: kraftvolle 210 kW (286 PS), die für ebenso viel km/h Höchstgeschwindigkeit reichen, und ein Bergmassiv von 650 Newtonmeter Drehmoment, das zwischen 1600 und 2800 Umdrehungen bereitsteht. Dabei gibt sich der 4,95 Meter lange und bis zu 2,8 Tonnen schwere Land Cruiser keineswegs unsittlich an der Tankstelle. Gerade 10,2 Liter Diesel werden alle 100 Kilometer dem 93-Liter-Tank entnommen.

Allerdings ist so ein mit unzähligen elektronischen Helferlein ausgestatteter Land Cruiser V8 schon vom Einstiegspreis her mit 72.600 Euro nicht wirklich für den einfachen Waldarbeiter gedacht, eher für die Waldbesitzer.

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