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Top 200 der Motoryachten Mit 60 Metern kommt man nicht weit

02.09.2010 ·  Sie besitzen eine 12-Meter-Yacht und meinen, das sei groß? Vergessen Sie's! Die Zeitschrift „Boote Exclusiv“ veröffentlicht alle zwei Jahre eine Top 200 der Motoryachten. Und bringt mit der Rangliste Ordnung in eine verwirrende, oft geheimnisvolle Welt.

Von Walter Wille
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Der Zeitschrift „Boote Exclusiv“ gebührt Lob dafür, dass sie alle zwei Jahre in die verwirrende, oft geheimnisvolle Welt der Megayachten Ordnung bringt durch die Veröffentlichung einer Rangliste. Im neuen Heft ist es wieder soweit mit der „Top 200“-Tabelle der Motoryachten.

Das Kriterium, nach dem die mobilen Paläste sortiert werden, ist das einzig wahre: die Länge. Daher hilft es der 2006 für Scheich Muhammad Bin Rashid Al Maktoum fertiggestellten „Dubai“ (162 Meter) nicht, dass ihre Treibstofftanks 1,2 Millionen Liter Diesel fassen, dass sie einen Speisesaal für 90 Gäste, Kino, Disco und Squash-Court bietet - sie ist nur noch eine Art Schalke, die Nummer zwei. Denn im Frühjahr 2010 hat Roman Abramowitsch, der bekannte Sammler von Yachten und Fußballspielern, seinem diesbezüglichen Vorrat die „Eclipse“ hinzugefügt. Das Oligarchenschiff, in vierjähriger Bauzeit bei Blohm + Voss in Hamburg entstanden, ist zufällig einen Meter länger als die „Dubai“.

Die 100 Allerlängsten unter den 200 Längsten adelt „Boote Exclusiv“ durch ein Kurzporträt mit Foto. Über „Eclipse“ erfährt man: Es handelt sich um einen Siebendecker mit 6000 Quadratmeter Interieurfläche und 80 Mann Besatzung. Angesichts dieser Zahlen kann der Leser ins Grübeln kommen, warum Abramowitsch so sparsam lebt. Denn bis zu 150 Bedienstete sind auf der „Al Said“ im Einsatz, die obendrein die Besonderheit eines Konzertsaals für 50 Musiker auffährt. Die Bremer Lürssen-Werft hat „Al Said“ vor zwei Jahren dem Sultan von Oman übergeben, 155 Meter Länge reichen im Prinzip durchaus, nach der Einstufung per Längengrad allerdings nur für Rang drei.

Wird die Rechnung per Kreditkarte oder Geldkoffer bezahlt?

Natürlich kann die Zeitschrift nicht sämtliche Fragen rund um solche Schiffe beantworten. Wie lange mag das Tanken dauern, wenn man einen 1,2-Millionen-Liter-Behälter zu füllen hat? Wird die Rechnung per Kreditkarte oder Geldkoffer bezahlt? Wer spielt denn heute noch Squash? Und wie ist zurzeit die Stimmung auf der „Prince Abdul Aziz“, jener Königsyacht, die 1984 für den 2005 gestorbenen Fahd von Saudi-Arabien vom Stapel lief und mittlerweile von Thronfolger Abdullah Bin Abdul Asis Al Saud genutzt wird? Mit ihren 147 Metern stand die „Prince Abdul Aziz“ 22 Jahre an der Spitze, nun ist der Fünfdecker schon auf Rang vier abgerutscht. Vielleicht juckt das Abdullah gar nicht. So lange nur ein Schiff vom Thron gestoßen wird, geht's ja noch.

Jedenfalls hat die Redaktion in Hamburg angesichts reger Bautätigkeit mit Ein- und Auswechseln gut zu tun gehabt und berichtet: „Insgesamt mussten 32 neue Yachten in das ,Boote Exclusiv-Top-200-Ranking' integriert werden.“ Der Markt der Megayachten habe sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. „Wer es in diesem Jahr in die Top 200 schaffen wollte, musste mindestens eine Länge von 60 Metern haben. Die Durchschnittslänge der 200 Größten beträgt 2010 beeindruckende 79,10 Meter. Im Jahr 2008 lag die Einstiegsgröße noch bei 58 und das Durchschnittsmaß bei 75 Metern.“ Im Übrigen sei Deutschland, wo allein sechs der zehn Längsten hergestellt worden seien, der „Hot Spot“ für den Megayachtbau.

„Rechnen schon bald mit der Order der ersten 200-Meter-Yacht“

Aus Deutschland stammt zum Beispiel auch die nagelneue „Jamaica Bay“, die mit ihren 60 Metern genau an der unteren Grenze zum Klub der 200 kratzt. Die Rendsburger Nobiskrug-Werft hat sie vor wenigen Tagen ihrem Eigner übergeben, ihre erste Reise führt sie von der Eider über den Atlantik an die amerikanische Ostküste und weiter Richtung Süden in die Karibik. Rundliches Kanuheck, traditionelles, von dunklem Mahagoni, Holzfußböden und blauer Auslegware geprägtes Interieur wirken wie ein Hinweis darauf, dass es dem Besitzer mehr auf klassische Ausstrahlung ankommt als auf veröffentlichte Ranglistenplätze. Aber wer weiß.

Wenn es so weitergeht, werden auch 60 Meter nicht mehr reichen. „Branchenkenner“, verlautet aus der „Boote Exclusiv“-Redaktion, „rechnen schon bald mit der Order der ersten 200-Meter-Yacht.“ Spätestens in vier Jahren werde wohl Abramowitschs „Eclipse“ übertrumpft. Demnach wäre sie also in der übernächsten Folge der Top 200 von der Spitze verdrängt. Sicherheitshalber sollte sich der Russe schon dieses Heft kaufen. Acht Euro dürfte er übrig haben.

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Geboren am 10. Dezember 1959, Redaktion „Technik und Motor“

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