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Tempolimit 50 Jahre Tempo 50

Anders als ein mögliches Tempolimit auf der Autobahn ist „Tempo 50“ in Ortschaften weitgehend unumstritten. Das war aber nicht immer so. Der Aufschwung duldete lange kein Limit. Erst vor 50 Jahren wurde es einführt.

© ddp Vergrößern Heute unumstritten: 50 km/h in „geschlossenen Ortschaften”

Deutschland ist neben Indien eines der wenigen Länder der Welt, das kein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen kennt. Die Einführung eines solchen wird in regelmäßigen Abständen gefordert. Es wird stets heiß diskutiert, doch bisher ist es immer noch bei der freien Fahrt für freie Bürger geblieben. Dass aber auf Landstraßen maximal 100 km/h gefahren werden darf und in der Stadt höchstens 50, gilt als selbstverständlich. Niemand zweifelt am Sinn dieser Beschränkungen. Dabei war dies keineswegs immer so.

Der Blick in historische Archive bringt Erstaunliches zutage: In der jungen Bundesrepublik gab es vom 23. Januar 1953 bis zum 31. August 1957 gar keine Geschwindigkeitsbeschränkung für Personenwagen und Motorräder. Nicht in der Stadt, nicht auf dem Land, nirgends. Selbst Lastwagen durften auf Autobahnen so schnell fahren, wie sie konnten. Lediglich die Straßenverkehrsordnung mit ihrer Formulierung, dass der Fahrzeugführer die Fahrgeschwindigkeit so einzurichten habe, dass er jederzeit in der Lage ist, seinen Verpflichtungen im Verkehr Genüge zu leisten, und dass er das Fahrzeug nötigenfalls rechtzeitig anhalten kann, schützte vor Wildwuchs auf deutschen Straßen.

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Gesetz der Nationalsozialisten

Dem grenzenlosen Tempo ein Ende gesetzt wurde schließlich am 3. Juli 1957, also vor 50 Jahren, als der Bundestag einem Vorschlag des Vermittlungsausschusses zustimmte, zum 1. September 1957 zumindest in der Stadt ein Limit von 50 km/h einzuführen. Landstraßen und Autobahnen blieben vorerst unangetastet. (Das 100er-Limit kam erst 1972, die Richtgeschwindigkeit 130 km/h für Autobahnen gibt es seit 1974.)

Stau in Frankfurt 1958 © F.A.Z.-Archiv Vergrößern Tatsächlich gab es erstmal Stau: Frankfurter Börsenstraße 1958

Die theoretisch völlige Freiheit auf (West-)Deutschlands Straßen ist heute fast vergessen. Möglich wurde sie durch eine Entscheidung des Bundestages im Dezember 1952, ein entsprechendes Gesetz der Nationalsozialisten außer Kraft zu setzen. Diese hatten im Oktober 1939, nachdem sie 1934 zunächst bestehende Reglementierungen (60 km/h in der Stadt) ebenfalls komplett aufgehoben hatten, strenge Limits verfügt und diese mit der Verkehrssicherheit begründet. In Wahrheit ging es aber um die Schonung der Ressourcen zu Kriegszwecken. Es galten fortan 40 km/h in der Stadt, und außerhalb 80 km/h, beziehungsweise für Lastwagen und Busse 60 km/h.

Aufschwung und Verkehrstote

Diese Vorschriften wurden in der Besatzungszeit unterschiedlich gehandhabt; mit Gründung der Bundesrepublik traten sie 1949 wieder in Kraft (auch die DDR hielt lange Jahre daran fest, dort gab es immer strenge Limits). Dass das Gesetz 1952 schließlich gekippt wurde, war zwar auch den braunen Urhebern geschuldet, viel mehr aber herrschte Anfang der 50er Jahre eine Aufbruchstimmung, in der Verbote nur hinderlich schienen. Und 1953 gab es in kaum einem Land Europas Geschwindigkeitsbeschränkungen, einige Länder wie Großbritannien, Österreich oder die Schweiz hatten aber schon den Stadtverkehr auf 50 km/h gezügelt.

Mit der Aufhebung einher ging eine aufblühende Wirtschaft, die Zahl der Kraftfahrzeuge wuchs und wuchs, und mit ihr leider auch die Zahl der Verkehrstoten. Mehr als 12.000 waren es 1955. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr 2006 waren es nur 5094. Und das ist die Zahl für Gesamt-Deutschland bei mehr als zehnmal so vielen Autos wie vor rund 50 Jahren.

Hitzige Diskussion

Schnell keimte eine allgemeine politische Diskussion um die Verkehrssicherheit auf, die mit großer Schärfe geführt wurde. Das Wiedereinführen von Geschwindigkeitsbegrenzungen wurde vehement gefordert. Die Befürworter argumentierten mit den seit 1953 steigenden Unfallzahlen, die Gegner machten dafür jedoch ausschließlich die gewachsene Zahl der Fahrzeuge verantwortlich.

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