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Veröffentlicht: 14.07.2017, 13:30 Uhr

Fahrbericht Suzuki Swift Frechheit siegt

Der Suzuki Swift ist ein etwas nachlässiger Charmeur. Der Alltag in diesem Auto war eine stete Freude. Fahrbericht zum 1.0 Boosterjet.

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© Hersteller Der Swift sieht nach Zweitürer aus, hat aber stets vier Pforten

Es gibt Begegnungen, die passen vom ersten Moment an. Und die Zuneigung erkaltet auch nach Jahren nicht. Mit dem Swift ist es so. Immer ein wenig frecher als andere, ein Charmeur der einfachen Botschaften mit dem Hang zu verzeihlichen Nachlässigkeiten. Generation sechs nimmt nun die Brise auf, die den kleinen Suzuki seit 1983 durch das Polo-Fiesta-Corsa-Segment weht. Er steht auf neuer Plattform, ist leichter als sein Vorgänger und wirkt geduckter. Die hinteren Türgriffe spielen Versteck in der C-Säule, das ist ein beliebter Designgag, der die Sicht nach schräg hinten gen null senkt.

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Die Kunst, auf 3,84 Meter Kürze Freude an Raum und Zeit unterzubringen, beherrscht er wiederum aufs beste. Obwohl die Japaner die Maße sogar beschnitten haben, wuchs der Radstand. Das wirkt. Durch sich weit öffnende Pforten des stets viertürigen Swift gelingt der Zustieg in einen Innenraum, der vorn wie hinten viel Platz bietet. Der Beifahrersitz ist allerdings arg hoch montiert.

Die Polster sind etwas weich, aber ausreichend groß, und sie bieten brauchbaren Seitenhalt. Der ist nötig, denn flottes Vorankommen bereitet einigen Spaß. Wuselnd in der Stadt und flink über Land ist er in seinem Element. Das Fahrwerk versteckt die Straße nicht, vermeidet aber ungebührliche Härte, leider ist der Verstellbereich des Lenkrads nicht weit genug.

47502498 Die Kunst, auf 3,84 Meter Kürze Freude an Raum und Zeit unterzubringen, beherrscht er aufs beste. © Hersteller Bilderstrecke 

Im Testwagen war die Automatik mit sechs Stufen am Werk. Sie benötigt bisweilen eine Gedenksekunde, grundsätzlich aber gelingt ihr der Spagat zwischen Eile und Weile ganz gut. Weil selbst in Kleinwagen Schaltgetriebe unter Druck sind, hat Suzuki hier neben dem 5-Gang-Handschalter einen Trumpf. Freilich erfordert der Automat die Zwangsehe mit dem Boosterjet genannten 1,0-Liter-Dreizylinder, der 111 PS entwickelt und ein typischer Vertreter seiner Zunft ist. 160 Nm Drehmoment von 1700 bis 4000 U/min stehen im Datenblatt, tatsächlich möchte er bei Laune gehalten werden.

Im Stand mangelt es ihm an der Ruhe des Ringers vor dem Ashitori, und tritt er an, mutieren die Vorderräder zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Allradantrieb, typisch Suzuki, gibt es, er wird mit dem müderen 1,2-Liter-Vierzylinder geliefert. Wird Leistung abgerufen, klingt er kernig, rennt munter bis 190 km/h und bekommt Durst. Laut Anzeige flossen 5,6 Liter Super in die Brennräume, das Testprotokoll weist 6,1 Liter Durchschnitt aus.

© Hersteller Suzuki Swift: Frech gewinnt

Womit der Kunde leben darf und muss, ist ein fröhlich und modern zubereiteter Innenraum mit praktischen Ablagen, in dem harter Kunststoff dominiert. Der 265 Liter fassende Kofferraum will über eine die Bandscheibe gefährdende Kante beladen werden, seine Matte ist an Labberigkeit kaum zu überbieten. Und die umlegbare Rückbank hinterlässt eine markante Stufe.

Was uns wirklich gestört hat, sind der übernervöse Notbremsautomat, das lahme Navigationsgerät und die untaugliche Freisprecheinrichtung, die alle Gespräche verschluckte. Derlei müsste doch hinzukriegen sein, denn ansonsten war der Alltag im Swift eine stete Freude. Sodann wären für den voll ausstaffierten Testwagen 20 500 Euro zu überweisen. Wem das zu frech ist, der wählt die dezentere Mitte für etwa 16.000 Euro.

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