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Veröffentlicht: 22.08.2013, 06:00 Uhr

Suzuki Intruder Easy Lidel

Es soll eigentlich eine Harley sein, aber, na ja, eine Japanische ist halt günstiger? Es ist nicht das Gleiche, aber auch schön: die Suzuki-Cruiser Intruder C1500T im Fahrtbericht.

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© Hersteller Suzuki Intruder C1500T, ein Cruiser mit Koffern

Es soll eigentlich eine Harley sein, aber, na ja, eine Japanische ist halt günstiger? Nein, so funktioniert das nicht. So wird man auf Dauer wahrscheinlich nicht glücklich. Wenn es eine Harley sein soll, dann muss es eine Harley sein. Das Lebens- und Besitzgefühl, das ganze Drumherum aus Tradition, Treffen und Easy-Rider-Folklore, nicht zu reden vom Image und Werterhalt einer original Amerikanischen, sind ganz speziell und nicht auf ein anderes Fabrikat übertragbar. Sorry.

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Noch mal von vorn: Es soll ein Cruiser sein, lang und lässig, von beeindruckender Statur, die Marke ist nicht das Wichtigste? Jetzt kommen wir der Sache näher. Auch andere Hersteller haben schöne Sachen im Programm. Zu denen, die sich noch immer weigern, das Marktsegment der klassisch gemachten Kreuzer auf zwei Rädern ohne Gegenwehr den Amis zu überlassen, zählt Suzuki.

Die Intruder C1500T, schwarz wie der Rächer, verstärkt seit Saisonbeginn die Reihen der Japaner. Der einzige Hinweis auf die Möglichkeit der Gnade ist der dicke Chromtopf des Frontscheinwerfers, in dem sich immer das Himmelsgewölbe spiegelt. Dunkel ist, abgesehen von den Kanten der Kühlrippen und den Zylinderkopfdeckeln, auch der V-Twin mit knapp 1,5 Liter Hubraum, dessen Zylinder im Winkel von 54 (nicht 45) Grad zueinander stehen. 79 PS (58 kW) bei 4800 Umdrehungen je Minute und ein Drehmoment von bis zu 131 Newtonmeter (bei 2600/min) sind die ansehnliche Ausbeute seiner Arbeit, er liefert per Fünfganggetriebe und Kardanwelle. Das Triebwerk hat - Teufelszeug für Hüter der Tradition - einen fortschrittlichen Wasserkühler.

„Die ist aber schön leise“

Der Motor erwacht auf Knopfdruck auffallend spontan, dienstbeflissen und mit einer Flüsterstimme, die angesichts des verwegenen Gesamtauftritts arg schüchtern anmutet. Als könne er kein R aussprechen und geniere sich deswegen. „Die ist aber schön leise“, äußert eine Mitfahrerin und spricht damit ein Lob aus, das in gewissen Kreisen einem vernichtenden Urteil gleichkommt. Gerade im Leerlauf klingt die Intruder zahm, lässt auch eine Seelenmassage mittels Good Vibrations vermissen. Unterwegs wird die vorzugsweise gleitende Art die Fortbewegung von einen angenehmen, gemütlichen Wummern untermalt. Was fehlt, ist der satte Schlag, den man von einem 363-Kilo-Brocken erwartet.

Extrem niedrige Drehzahlen mag das Trude-Triebwerk nicht, dann schüttelt es sich und lässt ein hartes, metallisches Rumpeln aus dem Antrieb vernehmen. Cruisertypisch schaltfaules Flanieren funktioniert daher leider nicht, unterhalb von 50 km/h muss man schon in den zweiten Gang zurück. Dafür schwingt der Zweizylinder bei erhöhter Drehzahl die Keule, schiebt erstaunlich temperamentvoll an. Das Durchzugsvermögen der Maschine ist erfreulich, die Höchstgeschwindigkeit von rund 160 km/h mehr als ausreichend, der Verbrauch pendelte in unserem Fall zwischen 5,5 und 6,6 Liter auf 100 Kilometer.

Im Vergleich zu manchem Milwaukee-Eisen fühlt sich die Intruder auf kurvenreichen Strecken agil an, das Fahrwerk kommt mit der Masse hervorragend zurecht, die erschütternd stumpfe Bremsanlage dagegen mit je einer Scheibe vorn und hinten hat Mühe. Ein Antiblockiersystem, selbst im Cruiser-Segment nichts Exotisches mehr, hat Suzuki nicht zu bieten. Ansonsten bleiben die Japaner hinsichtlich Ausstattung und Anmutung wenig schuldig: Geweih von Lenker, Macker-Sitz in geringer Höhe (72 Zentimeter), wuchtige Auspuffanlage, 200er Schlappen am Heck, ein Tank, der nach weit mehr als 18 Liter Fassungsvermögen aussieht, Trittbretter, Schaltwippe, Instrumentenkonsole stilecht auf dem Tank (großer Tacho, kein Drehzahlmesser) - das macht was her.

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Allerdings darf man sich nicht daran stören, dass es sich bei etlichem, was nach Metall aussieht, um Plastik handelt, Kotflügel, Lampengehäuse und Seitendeckel beispielsweise. Touringqualitäten hat die C1500T dank ihrer breiten, hohen Windschutzscheibe, der Seitenkoffer und der bequemen Sitzposition mit vorbildlicher Sicht in den Rückspiegeln. Der dünne Bezug der Kunststoffkoffer ist anfällig gegen Beschädigung, wie wir beim Touchieren eines Tores festgestellt haben. Den Windschild nimmt man für den Schönwetter-Kurzstreckenverkehr am besten ab (vier Schrauben), dann sieht die Intruder lässiger aus, und die Besatzung kann den Fahrtwind genießen.

So oder so wird man angesprochen von jüngeren Kerlen, die sich nach dem Preis erkundigen und befinden: „Ist ein Hammerteil.“ 13590 Euro plus Nebenkosten verlangt Suzuki. Für den nahezu identischen Betrag bekommt man mit der Dyna Street Bob eine ausgewachsene Harley (1585 Kubik, 75 PS, 124 Nm), die - im Gegensatz zur Suzuki - mit ABS zu haben ist. Legt man jedoch Wert auf das Vorhandensein von Seitenkoffern und Scheibe, kostet das bei Harley-Davidson schon mindestens 17000 Euro (Dyna Switchback). Und für eine im Konzept ähnliche Road King werden 23000 Euro fällig. Oh ja, es gibt ein Cruiser-Dasein außerhalb des Harley-Universums.

Quelle: F.A.Z.

 

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