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Streit über Elektroauto Erbitterter Kampf zwischen Tesla und der New York Times

 ·  Ob man Elektroautos mag oder nicht, entscheidet sich oft nach einem Testbericht. Die noble Limousine von Tesla kam jetzt in der „New York Times“ gar nicht gut davon. Darum liegen die Nerven blank. Tesla schlägt zurück und hat verblüffende Argumente.

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© Hersteller Der neue Tesla S ist der Hoffnungsträger des amerikanischen Unternehmens

Die Meinungen über Elektroautos sind gespalten. Die einen halten sie für das Fortbewegungsmittel der Zukunft, die anderen für eine bedauerliche Fehlentwicklung. In diesen Tagen erreicht das Aufeinanderprallen der Sichtweisen einen neuen Höhepunkt: Tesla, der amerikanische Hersteller von Elektroautos, und die angesehene „New York Times“ liefern sich in öffentlichen Foren einen grotesken Streit über einen Testbericht in der Zeitung, in dem das teure Fahrzeug keine gute Figur macht. Tesla-Chef Elon Musk meldete sich daraufhin persönlich zu Wort und warf dem Blatt voreingenommene Berichterstattung vor. Das pikante Detail: Tesla kann offenbar diverse Falschaussagen beweisen. Der Testwagen wurde während der Fahrt nämlich ständig geortet.

Der Streit kommt zu einer Zeit, in der es zumindest in Deutschland um das Elektroauto wieder etwas stiller geworden ist. Das Versprechen der Kanzlerin, bis zum Jahr 2020 seien eine Million elektrisch betriebene Fahrzeuge auf der Straße, erweist sich als kaum haltbar. Aus heutiger Sicht kann diese Zahl bis dahin nicht erreicht werden. 2012 wurden hierzulande nicht einmal 3000 Elektroautos neu zugelassen. Die Schwierigkeiten sind bekannt: Die Stromer sind zu teuer, haben eine zu geringe Reichweite, und wenn der Akku leer ist, muss das Auto für viele Stunden an die Ladestation.

Gerne eine halbe Stunde warten

In Amerika ist man aber weiter. Dort fühlt sich Tesla als Elektroautopionier und macht mit der futuristichen Limousine Tesla S Furore, die angeblich eine Reichweite von 300 Meilen (rund 480 Kilometer) hat. In Amerika liegen schon 13.000 Vorbestellungen vor, und da die Kapazität der Fabrik auf 20.000 Einheiten jährlich beschränkt ist, dürfte es in Europa schwer werden, mit dem Tesla S in die Zukunft zu fahren, schon weil Lieferengpässe abzusehen sind.

Aber vielleicht verpasst man ja auch nichts. Glaubt man der „New York Times“, ist der S-Tesla doch nicht für große Reichweiten tauglich. Der Kollege berichtet auf einer Fahrt von Washington nach Boston (rund 650 Kilometer) von etlichen Problemen, trotz der großen Reichweiten und der zahlreichen „Super-Charger-Stationen“ (480 Volt) an der Strecke, die auf Betreiben von Tesla errichtet worden sind - und an denen man bis auf weiteres kostenlos „tanken“ kann. Das hat natürlich Charme, da wartet man doch gern die halbe Stunde, bis 150 Meilen Reichweite (240 Kilometer) wieder in den Akkus sind. Doch die Reise stand unter keinem guten Stern. Das begann schon mit den Temperaturen. Die waren tief im Minus, und das geht immer auf die Reichweite. Dafür kann Tesla nichts, das ist einfach Physik.

Es ist eines der Nebenprobleme mit den E-Autos. Im Winter taugen sie weniger als im Sommer. Davon steht im Artikel freilich nichts. Letztlich hangelt sich der Testfahrer von Station zu Station und lässt den Wagen zu guter Letzt abschleppen, mit „leerer Batterie“. Der Artikel, gedruckt und außerdem im Netz veröffentlicht, ist entsprechend negativ. Doch Tesla will sich das nicht bieten lassen, der Chef persönlich twittert und reagiert dann auf der Tesla-Homepage mit eine Art Gegendarstellung, die viele Fragen aufwirft. Weil man schlechte Erfahrungen mit Journalisten habe, so schreibt Elon Musk ganz offen (www.teslamotors.com/blog/most-peculiar-test-drive), werde jeder Testwagen getrackt, also überwacht, und das wirft dann ein schlechtes Licht auf die „NYT“ (ob man sich das Tracking gefallen lassen sollte, muss freilich auch diskutiert werden). Musk breitet genüsslich aus, dass der Fahrer eben nicht langsam gefahren ist (weniger als 55 mph) wie behauptet, sondern weite Strecken „schnell“ unterwegs war. Er hatte bis zu 81 mph auf dem Tacho.

Ohne Not vollgeladen

Auch wurde die Heizung entgegen der Behauptung zu keiner Zeit heruntergedreht (auch das Heizen kostet Reichweite, beim Benziner gibt es die Wärme vom Motor „kostenlos“), und automatische Warnhinweise, man solle die Ladestation in der Nähe anfahren, wurden missachtet. Außerdem sei der Journalist sinnlos in einem Hof hin und her gefahren, um den Wagen zum Stehen zu bringen. Was ihm aber nicht gelang. Denn auch wenn der Reichweiten-Indikator „0“ anzeigt, hat der Tesla immer noch Reserven. Das soll verhindern, dass man zu spät an die Ladestation fährt. Letztlich habe der Testfahrer ohne Not bei keiner seiner Tankstopps voll geladen. Zunächst waren es 90 Prozent, dann 72 Prozent, schließlich sogar nur noch 28 Prozent. Dafür habe es keinen Anlass gegeben, und schon das verfälsche die Aussagen. Kleines Detail am Rande: Für die 72 Prozent habe es 58 Minuten gedauert, schreibt die „NYT“ doch Big Brother Musk weiß es besser: Es seien nur 47 Minuten gewesen. Und auch, dass Umwege gefahren wurden, was sich für das Erreichen eines bestimmten Ziels natürlich negativ auswirkt.

Musk zeigt sich tief enttäuscht von der Berichterstattung in einer Zeitung, die einen so guten Ruf habe. Das Blatt war in einer ersten Stellungnahme bei seiner Darstellung geblieben und beteuert, alles, was geschrieben stand, sei richtig.

Die Aufregung um die Reichweite belegt, dass dies das Hauptproblem der E-Autos ist. Tesla will es sich nicht gefallen lassen, sein Super-Auto (480 Kilometer sind der Durchbruch - wenn die Batterien diese Leistung über Jahre bringen) madig machen zu lassen. Zu viel hängt davon ab; auch Visionär und Milliardär Musk, der mit Pay Pal reich geworden ist, hat kein Geld zu verschenken.

Musk gehört zu den Gründervätern von Tesla (seit 2003), damals schon mit dem elektrischen Roadster (im Kleid der Lotus Elise), von dem bis zum Produktionsstopp Ende 2012 rund 2500 Einheiten gebaut worden waren. Wir vergessen unsere erste Testfahrt 2008 in Berlin nie: Der kleine Zweisitzer ging ab wie eine Rakete, und auch alle Benzin-Blätter wie zum Beispiel „auto motor und sport“ sahen die Zukunft schon am Horizont.

Von Grund auf als Elektroauto geplant

Aber der Roadster konnte nie mehr sein als ein teures Nischenauto: Mehr als 100.000 Euro waren in Deutschland zu bezahlen. Außer dem Beifahrer passte so gut wie nichts in den Wagen, weil der Rest mit Laptop-Battterien vollgestopft war. Aber immerhin beachtliche 300 Kilometer Reichweite waren und sind möglich, und entgegen den Erwartungen einiger Experten machen die Batterien auch nicht so schnell schlapp. Es gibt Roadster-Besitzer, die haben schon 100.000 oder 200.000 Kilometer gestromert.

Doch Tesla will mehr sein als ein Nischenautohersteller, das neue Model S ist eine fünfsitzige Limousine. Sie ist im Gegensatz zum Roadster von Grund auf als Elektroauto geplant, und weil so ein Elektromotor viel weniger Platz braucht als ein Verbrenner mit seinen Nebenaggregaten wie Auspuff und Kühler, hat die 4,98Meter lange und 1,44 Meter hohe, viertürige Limousine (aus Aluminium) ein wahrlich verschwenderisches Platzangebot. Es gibt vorne einen kleinen (150 Liter) und hinten einen gigantischen Kofferraum (745 Liter oder zwei Notsitze für Kinder), die Batterien (700 Kilo schwer) sitzen platzsparend im Fahrzeugboden. In Europa soll der Verkauf im Frühjahr beginnen. Auch die in Freemont, Kalifornien, gebaute Limousine wird mindestens 100.000 Euro kosten, inklusive acht Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung auf die Batterien. Der Elektromotor an der Hinterachse leistet 310 kW, das sind mehr als 400 PS. Die Akkus haben eine Kapazität von 85 kWh; das ergibt jene versprochene Reichweite von bis zu 300 Meilen oder 480 Kilometern - freilich nur, sofern man sich auf 90 km/h maximal beschränkt.

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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