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Veröffentlicht: 17.02.2013, 10:57 Uhr

Streit über Elektroauto Erbitterter Kampf zwischen Tesla und der New York Times

Ob man Elektroautos mag oder nicht, entscheidet sich oft nach einem Testbericht. Die noble Limousine von Tesla kam jetzt in der „New York Times“ gar nicht gut davon. Darum liegen die Nerven blank. Tesla schlägt zurück und hat verblüffende Argumente.

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© Hersteller Der neue Tesla S ist der Hoffnungsträger des amerikanischen Unternehmens

Die Meinungen über Elektroautos sind gespalten. Die einen halten sie für das Fortbewegungsmittel der Zukunft, die anderen für eine bedauerliche Fehlentwicklung. In diesen Tagen erreicht das Aufeinanderprallen der Sichtweisen einen neuen Höhepunkt: Tesla, der amerikanische Hersteller von Elektroautos, und die angesehene „New York Times“ liefern sich in öffentlichen Foren einen grotesken Streit über einen Testbericht in der Zeitung, in dem das teure Fahrzeug keine gute Figur macht. Tesla-Chef Elon Musk meldete sich daraufhin persönlich zu Wort und warf dem Blatt voreingenommene Berichterstattung vor. Das pikante Detail: Tesla kann offenbar diverse Falschaussagen beweisen. Der Testwagen wurde während der Fahrt nämlich ständig geortet.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Der Streit kommt zu einer Zeit, in der es zumindest in Deutschland um das Elektroauto wieder etwas stiller geworden ist. Das Versprechen der Kanzlerin, bis zum Jahr 2020 seien eine Million elektrisch betriebene Fahrzeuge auf der Straße, erweist sich als kaum haltbar. Aus heutiger Sicht kann diese Zahl bis dahin nicht erreicht werden. 2012 wurden hierzulande nicht einmal 3000 Elektroautos neu zugelassen. Die Schwierigkeiten sind bekannt: Die Stromer sind zu teuer, haben eine zu geringe Reichweite, und wenn der Akku leer ist, muss das Auto für viele Stunden an die Ladestation.

Gerne eine halbe Stunde warten

In Amerika ist man aber weiter. Dort fühlt sich Tesla als Elektroautopionier und macht mit der futuristichen Limousine Tesla S Furore, die angeblich eine Reichweite von 300 Meilen (rund 480 Kilometer) hat. In Amerika liegen schon 13.000 Vorbestellungen vor, und da die Kapazität der Fabrik auf 20.000 Einheiten jährlich beschränkt ist, dürfte es in Europa schwer werden, mit dem Tesla S in die Zukunft zu fahren, schon weil Lieferengpässe abzusehen sind.

Aber vielleicht verpasst man ja auch nichts. Glaubt man der „New York Times“, ist der S-Tesla doch nicht für große Reichweiten tauglich. Der Kollege berichtet auf einer Fahrt von Washington nach Boston (rund 650 Kilometer) von etlichen Problemen, trotz der großen Reichweiten und der zahlreichen „Super-Charger-Stationen“ (480 Volt) an der Strecke, die auf Betreiben von Tesla errichtet worden sind - und an denen man bis auf weiteres kostenlos „tanken“ kann. Das hat natürlich Charme, da wartet man doch gern die halbe Stunde, bis 150 Meilen Reichweite (240 Kilometer) wieder in den Akkus sind. Doch die Reise stand unter keinem guten Stern. Das begann schon mit den Temperaturen. Die waren tief im Minus, und das geht immer auf die Reichweite. Dafür kann Tesla nichts, das ist einfach Physik.

Mehr zum Thema

Es ist eines der Nebenprobleme mit den E-Autos. Im Winter taugen sie weniger als im Sommer. Davon steht im Artikel freilich nichts. Letztlich hangelt sich der Testfahrer von Station zu Station und lässt den Wagen zu guter Letzt abschleppen, mit „leerer Batterie“. Der Artikel, gedruckt und außerdem im Netz veröffentlicht, ist entsprechend negativ. Doch Tesla will sich das nicht bieten lassen, der Chef persönlich twittert und reagiert dann auf der Tesla-Homepage mit eine Art Gegendarstellung, die viele Fragen aufwirft. Weil man schlechte Erfahrungen mit Journalisten habe, so schreibt Elon Musk ganz offen (www.teslamotors.com/blog/most-peculiar-test-drive), werde jeder Testwagen getrackt, also überwacht, und das wirft dann ein schlechtes Licht auf die „NYT“ (ob man sich das Tracking gefallen lassen sollte, muss freilich auch diskutiert werden). Musk breitet genüsslich aus, dass der Fahrer eben nicht langsam gefahren ist (weniger als 55 mph) wie behauptet, sondern weite Strecken „schnell“ unterwegs war. Er hatte bis zu 81 mph auf dem Tacho.

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