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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Sonderlackierungen Da bist du matt

 ·  Die Autohersteller bieten immer exotischere Sonderlackierungen an. In der gehobenen Klasse gelten Variationen von Schwarz als besonders schick. Mit speziellen Effekten, versteht sich. Und mit saftigen Aufpreisen.

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© Hersteller Schnelle schwarze Kraft: BMW M5 in „Frozen Black“

Die Zentrale der wiederbelebten Avantgardisten liegt etwas außerhalb von Paris. Hier mischen Olivier Daillance und seine Équipe Farben und Formen für Citroëns ausgeflippte DS-Reihe. Sie lackieren Karbon und Keramik, probieren Schuhe von Prada, versprühen Parfum von Chanel oder rollen Kaffeekapseln von Nestlé über den Tisch. Und immer wieder landen sie bei Schwarz. Im DS-Universum nimmt die Farbe Schwarz eine wichtige Rolle ein, in verschiedenen, tiefen, dunklen Tönungen, mit Reflexionen versehen oder matt. Wie sich die Franzosen einen neuen großen Citroën vorstellen, haben sie kürzlich mit dem Konzeptfahrzeug DS9 gezeigt.

Dessen Farbe heißt „Whisper“, ein Schwarz, das mit violetten Nuancen (Reflexionen) versehen ist. Es besteht aus sechs Schichten und wird von Hand poliert. Eine Sonderserie des kleineren, wilden DS 3 Racing ist in mattem Tarmac aufgelegt, ein Schwarz mit Struktureffekt, das so noch kein anderer Hersteller auf den Markt gebracht hat. Und am mittleren DS 5 experimentieren sie mit einem dunkelgrauen Mattlack, in den glitzernde Pigmente eingearbeitet sind - ein spektakulärer Effekt, aber auch eine ziemliche Herausforderung für die Fertigung. Nicht alles, was sich die Designer ausdenken, können die Lackier-Roboter in der Produktion auftragen. Jedenfalls nicht zu für den französischen Konzern vertretbaren Kosten.

Es kann ja nicht jedem so gehen wie den in der Luxusklasse etablierten Herstellern oder den modisch seelenverwandten Italienern mit ihrer in Dingen der automobilen Traumerfüllung schier unbegrenzt zahlungswilligen Kundschaft. Die spektakulärste Farbe für den spektakulärsten Lamborghini ist ein Mattschwarz. Kleidet „Nero Nemesis“ den Aventador, sieht er aus wie ein Tarnkappenjet im Tiefflug. Für die Sonderlackierung verlangt Lamborghini einen Aufpreis von 10.000 Euro zuzüglich landesüblicher Mehrwertsteuer.

Auch mit BMW erobern matte Lacke die Straßen. Jüngstes Beispiel ist die Individuallackierung Frozen Bronze metallic für das 6er Gran Coupé, das dessen Eleganz unterstreichen soll. Oder Frozen Grey, das den kräftigen M5 für 3600 Euro Zuschlag noch mehr in Szene setzt. Silber, das jahrzehntelang eine „schnelle“ Farbe und der Inbegriff von Zukunft und Bewegung war, ist in der Gunst der Kundschaft indes weit zurückgefallen.

Wie kommt man auf die richtigen Ideen? „Wenn ich Autos mache, lasse ich mich von allem inspirieren, nur nicht von Autos“, sagt der für Farbe und Material verantwortliche Citroën-Designer Daillance. Er verstehe sich als Dekorateur, als jemand, der eine Hülle einrichte, ähnlich wie einen Neubau aus nacktem Beton. Dabei geht es ihm bei weitem nicht um die Lackierung allein: Felgen, Chrom, Farbwirkung der Fenster und der Scheinwerfer, Stoßfänger, Markenemblem - all das wirkt zusammen. Er selbst war, bevor er vor sieben Jahren zu Citroën kam, bei verschiedenen Arbeitgebern der Möbel- und Modebranche tätig, im Kosmetikkonzern Estée Lauder und bei Louis Vuitton, wo er Taschen und Koffer entworfen hat.

„Wir gehen in Paris und Mailand einkaufen und erwerben alle Möglichen Dinge“, sagt Daillance und deutet auf ein Regal, in dem sich in der Tat alles mögliche findet: Lampen, Kerzen, Cremetuben, Teiggummi, Löffel, Luftschlangen, Schuhe, Flaschen, Nähgarn, Küchengeräte, Kaffeekapseln, um nur einen kleinen Ausschnitt zu geben. Natürlich wirft er auch einen Blick in künftige Fahrzeuginnenräume, wo Wurzelholz nicht mehr als edel gilt, wenn es hochglänzend verarbeitet wird. Stattdessen sei nun mattes Holz en vogue. Und für Knöpfe oder Schalter ist nicht nur Metall gefragt, sondern zunehmend auch Keramik.

Wie sehr die Macht der Farben ein Auto beeinflusst, zeigt die Entwicklung von BMW. Drei Jahre vor dem Produktionsstart beginnt dort der Farbprozess für ein neues Modell. Allein zwölf Monate dauert die konkrete Farbentwicklung, 24 Monate die Umsetzung in den Werken. Inspirationen sammeln die Colour-and-Trim-Designer in allen kreativen Lebensbereichen: Kunst, Architektur, Möbel- und Produktdesign, sie beobachten Modetrends, bringen Eindrücke von ihren Reisen mit. Die Ideen werden mit den Fachleuten der Lackhersteller, etwa BASF oder Dupont, besprochen. Dabei wird schnell klar: Schwarz ist nicht Schwarz. Effektpigmente wie Xirallic verleihen einen Schimmer mit Braun-, Rot- oder Blau-Nuancen. Die Lackpaneele werden verfeinert, bevor der Farbton auf größere Flächen und auf ein Modell in Originalgröße aufgetragen wird, um die Wirkung zu testen.

Matt lackierte Fahrzeuge waren jahrelang ein beliebter Blickfang auf Automobilmessen, kommen aber erst jetzt richtig in den Markt, denn technisch ist die Herstellung nicht trivial. Der Effekt wird durch einen Klarlack erzielt, der als Mattierungsmittel Silikate enthält. Wichtig sei dabei das Wechselspiel des matten Klarlacks mit dem Basislack, heißt es von BMW.

Wie mit Schmirgelpapier bearbeitet

Technisch sei der Mattlack mit jeder Farbe kombinierbar. In Verbindung mit dem Design habe sich jedoch gezeigt, dass der Effekt nicht mit jeder Farbe optimal harmoniere. Durch den matten Klarlack entstehen Oberflächen, die bisweilen aussehen wie mit Schmirgelpapier bearbeitet, sich aber glatt anfühlen. Im Alltag müssen die Farben zudem so beständig gegen Chemikalien und abriebfest sein wie jede andere auch. Der Mattlack darf im Laufe der Zeit nicht aufglänzen und muss Fahrten durch die Waschanlage aushalten - nur den Versuch des Polierens sollte man unterlassen, das nimmt die ermattetete Oberfläche übel.

Und welche Autofarbe wird der nächste Hit? Citroën-Designer Daillance blickt auf seine Schuhe, edles Werk aus mattem, changierendem Blau. „Chanel hat ein Parfüm herausgebracht, das „Bleu“ heißt und in einem kraftvollen, fast schwarz wirkenden dunkelblau gehalten ist. Das schauen wir uns derzeit ganz genau an.“

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für „Technik und Motor“.

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