Home
http://www.faz.net/-gya-tk7n
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Smart So anders wie nötig und so neu wie möglich

20.11.2006 ·  Mit der neuen Generation des Smart Fortwo sollen auch neue Kunden fahren. Dafür hat man ihr etliche Verbesserungen mitgegeben, wie zum Beispiel einen Diesel mit Partikelfilter. Beim puristischen Konzept ist es aber geblieben.

Von Wolfgang Peters
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Das kleine Wunder fährt in sein zweites Leben: Die neue Generation des Smart Fortwo entfernt sich von der ersten Ausgabe des revolutionären Kleinwagens nur soviel wie nötig und sowenig wie möglich. Sie wird von April 2007 an offeriert und hat die schwierige Aufgabe zu übernehmen, die Freunde der Marke bis auf weiteres als Alleinunterhalter bei der Stange zu halten.

Immerhin stehen dafür zwei Karosserieversionen und mehrere Motorvarianten bereit: Neben der geschlossenen Version Smart Fortwo gibt es das Cabrio, und um den Antrieb kümmert sich ein neu entwickelter Dreizylinder-Ottomotor in drei Leistungsstufen sowie der 0,8-Liter-Diesel. Wie bisher gliedert sich die Ausstattungshierarchie in Pure, Pulse und Passion, im Herbst 2007 wird eine in der Leistung gesteigerte Brabus-Ausführung kommen.

Ausgezeichnet von „Öko-Trend“

Gleichzeitig soll der neue Smart neue Kunden finden. Dafür hat man ihm jetzt etliche Verbesserungen mitgegeben. Beim puristischen Konzept der ultimativen Zweisamkeit ist es geblieben. Ebenso bei der raffiniert konstruierten Sicherheitszelle und bei einigen technischen Besonderheiten, die allerdings einige Streicheleinheiten erhielten, damit mehr Komfort und mehr richtig verstandene Leistung geboten werden können.

Dazu gehört, daß Smart mit dem Blick auf Umweltverträglichkeit in die Offensive geht. Die Dieselversion Fortwo cdi verbraucht nach Norm 3,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer und hat damit nach Smart-Angaben den niedrigsten Verbrauch ihrer Klasse. Auch ohne Partikelfilter erfüllt die cdi-Variante (natürlich) die geltende Norm, und es gibt zusätzlich auf bestimmten Märkten (Deutschland, Italien, Schweiz) einen Partikelfilter, der nach einem offenen System arbeitet. Er hält mehr als 40 Prozent der festen Schadstoffe zurück, und in einem Jahr soll ein geschlossenes System offeriert werden, das diesen Wert abermals übertrifft. Zudem verweist Ulrich Walker, Chef von Smart, auf das sogenannte Auto-Umwelt-Zertifikat, das für den Kleinwagen vom Institut für Umweltforschung „Öko-Trend“ vergeben wurde.

Harmonischerer Verlauf der Linien

Die Preise der zweiten Smart-Generation werden auf dem Niveau der ersten, vor neun (!) Jahren gestarteten Baureihe liegen. Das bedeutet einen Einstiegspreis von knapp unter oder leicht über 10.000 Euro, der Diesel wird um 11.000 Euro kosten, das Cabrio etwa 13.000 Euro. Damit wird der Smart auch in seiner zweiten Auflage nicht zu einem Schnäppchen, aber ein leichter Hauch von finanziellem Abstand zu konventionellen Auto-Offerten sollte nicht schaden.

Das Design für die komplett neu gestaltete Karosserie übernimmt viele formale Prinzipien und interpretiert sie neu. Dazu gehört zum Beispiel die farbliche Akzentuierung der Sicherheitsstruktur. Im Bug sind die Scheinwerfer neu gestaltet worden, das Heck wirkt dank einer ruhigeren Gestaltung und einer etwas anders positionierten Heckscheibe breiter. Auch wurde die zu starke Betonung der knubbeligen Radhäuser zugunsten eines Verlaufs aufgegeben, der die Kotflügel nicht irgendwo außen ansiedelt, sondern sie einbindet in den gesamten Auftritt des Wagenkörpers. Die neuen Abmessungen des kompakten Wunders sind der vielleicht wichtigste Schritt für den Abschied von der skurrilen Entscheidung, hin zum ernsthaften Stadtwagen. Die sehr sanft gesteigerte Länge (um 195 Millimeter auf knapp 2,70 Meter) führt weg vom gedrungenen, gestaucht wirkenden Karosserievolumen. 55 Millimeter mehr Radstand können da zwar keine Wunder vollbringen, aber doch zu einem harmonischeren Verlauf der Linien führen.

„Großzügiges Raumgefühl“

An der Silhouette des 1,54 Meter hohen Wagens hat sich nichts geändert, und das ist schon eine gute Voraussetzung für das neue Leben des Smart, der künftig nicht nur in den Vereinigten Staaten verkauft werden (von 2008 an), sondern auch noch Erträge einfahren soll. Bei Smart gibt man sich überzeugt davon, daß das gelingen könnte, woran man kaum zweifeln möchte, zumal es noch immer so aussieht, als hätten die Väter des Smart-Konzepts ohnehin nicht ans Geldverdienen, sondern eher an das Verbessern der mobilen Welt gedacht.

Das neue Innenleben des kleinen Wagens soll bestimmt sein von einem „großzügigen Raumgefühl“. Dafür hat nicht nur der längere Radstand zu sorgen, das Instrumentenbord ist ebenfalls darauf getrimmt worden, und der Kofferraum weist jetzt ein Volumen von 220 Liter (plus 70) auf, bei dachhoher Beladung sind es sogar 340 Liter. Einige Details wie Belüftungsdüsen und Rundinstrumente wurden unverändert übernommen, ebenso das Zündschloß vor dem Schalthebel. Das gehört zur Identität des Smart.

Vom Unikum zum Unikat

Die Technik gibt sich alle Mühe, bisherige Schwächen in Stärken zu verwandeln. So sind die neuen Motoren (in Kooperation mit Mitsubishi entwickelt) zwar nicht gerade Kraftprotze, aber sie werden mit Leistungen von 45/52/62 kW (61/71/84 PS) aus jeweils 999 Kubikzentimeter Hubraum wohl gelassener mit dem ohne Fahrer 780 Kilogramm (Cabrio 820) schweren Smart umgehen können. Neu entwickelt wurde auch das automatisierte Fünfgang-Schaltgetriebe, ob und wie es womöglich schneller und ruckärmer schaltet als sein Vorgänger, werden wir Anfang Februar 2007 bei ersten Probefahrten prüfen. Mindestens 135 km/h werden dem Smart als Höchstgeschwindigkeit gutgeschrieben. Der Diesel hält 33 kW (45 PS) bereit und ist nach wie vor eines der sparsamsten Serienautos. Ihn als Umweltsünder wegen des erst später lieferbaren geschlossenen Partikelfilters zu diffamieren, geht angesichts rauchender Schlote auf Wohnhäusern und am Heck von Lastwagen östlicher Provenienz weit am Ziel vorbei. Polemik ist keine gute Voraussetzung für ruhige Entwicklungsarbeit.

Die neue Ausführung übernimmt natürlich alle elektronischen Sicherheitseinrichtungen. Und auf breiteren Rädern darf der neue Smart auch daherkommen. Das Zwergenauto hat sich gewandelt vom Unikum zum Unikat.

Quelle: F.A.Z., 14.11.2006, Nr. 265 / Seite T3
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Frauenparkplatz

Von Boris Schmidt

Der britische Parkhausbetreiber NCP filmte rund 2500 FahrerInnen dabei, wie sie ihr Auto in eine Lücke manövrierten. Ergebnis: Frauen finden schneller einen Parkplatz. Mehr