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Smart mit Batterie E wie elektrisch oder wie Ernst

11.01.2010 ·  So sauber, dass man ihn mit ins Bett nehmen kann: Die ersten Smarts mit Batteriebetrieb kommen zum Einsatz, RWE sorgt für die nötige Infrastruktur. Wirklich kaufen kann den Elektro-Smart im Augenblick jedoch niemand.

Von Michael Kirchberger
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Herr Bauer ist begeistert. Er ist einer der ersten privaten Kunden in Berlin, die einen von 100 Daimler-Elektrofahrzeugen haben. Er fuhr bislang schon den Zweisitzer, und jetzt geht er fortan mit einem elektrischen Smart auf die meist urbane Reise. „Der Wagen ist so sauber, der muss bei uns vielleicht gar nicht in die Garage, den nehmen wir mit ins Bett“, sagt er sichtlich erregt. Seine Frau lächelt etwas gequält. Ende Dezember haben Daimler und der Energieversorger RWE mit viel Tamtam unter dem Beisein von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) einen Großversuch in der Hauptstadt gestartet, der wichtige Erkenntnis auf dem Weg in die automobile Zukunft bringen soll.

Immerhin 700 Euro im Monat sind für das Fahrzeugleasing fällig, im Preis inbegriffen ist die Ladestation, die der Kooperationspartner von Daimler bei diesem Smart-Großversuch - der Energieversorger RWE - in der Garage installiert. Die Energie für die nächsten 18 Monate ist im Preis inbegriffen - wenn sie in der heimischen Garage gezapft wird. Damit kann man sich in einem Radius von rund 60 Kilometer um den jeweiligen Wohnsitz bewegen. Daimler verspricht eine Reichweite von 135 Kilometer. Die E-Maschine des Smart leistet 30 kW (42 PS), für flottes Fortkommen in der Stadt ist also gesorgt. Seit November wird der E-Smart im Werk in Hambach (Elsass) in Kleinserie produziert, zunächst sind 1000 Einheiten vorgesehen. Für das Berliner Pilotprojekt stellt RWE zudem eine „Tankstellen“-Infrastruktur bereit: Die Zahl der öffentlichen Ladestationen soll Ende des Jahres 500 betragen. Es wird ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien eingespeist.

Die Batterie nimmt keine Nutzfläche weg

Die Lithium-Ionen-Batterie des Smart kann 16,5 Kilowattstunden speichern. Sie sitzt im Sandwichboden des Smart Fortwo, dort, wo sonst der Dreizylinder-Verbrennungsmotor seinen Platz hat. Diese Anordnung kommentiert Daimler-Chef Dieter Zetsche als äußerst alltagstauglich. Es gibt keinerlei Verlust hinsichtlich der Nutzfläche.

Die Batterie ermöglicht zwar eine angemessene Reichweite, braucht aber ihre Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen. Dreieinhalb Stunden dauert es, bis der Akku an seiner Ladestation wieder auf einen Füllstand von 80 Prozent kommt. An einer Haushaltssteckdose mit 230 Volt Spannung dauert das Laden doppelt so lange. Immerhin entscheidet sich die Ladestation von RWE stets für den günstigsten Stromtarif, wenn der Smart länger am Kabel hängt. Wer die Ladestation solo bestellt, muss zurzeit dafür 2000 Euro zuzüglich Montage zahlen.

Wirklich kaufen kann den Elektro-Smart im Augenblick jedoch niemand. Die Kosten für die Hochleistungsbatterie stehen nicht im Verhältnis zum Preis des Elektrowagens. Um den Kunden die Scheu zu nehmen und gewissermaßen das Restwertrisiko zu übernehmen, bietet Daimler zunächst ausschließlich das Leasingmodell an. Erst im Lauf der kommenden Jahre soll die Elektroflotte tatsächlich für Kunden zum Kauf bereitstehen, bis dahin wirkt das Großprojekt in Berlin wie ein weiterer Feldversuch. Spätestens 2012 soll man den elektrischen Smart im Laden erwerben können. Es ist die Rede davon, 10.000 E-Smarts jährlich zu produzieren.

Ab 2012 soll es sportlich werden

Als „erfolgversprechendstes Pilotprojekt der Welt“ sieht Daimler-Chef Zetsche das Engagement in Berlin für weitere Erprobung von Elektromobilität. Und für die Zukunft verspricht er noch mehr: „Wir hatten bereits bei der Erfindung des Automobils die Nase vorn, das wird uns im Wettbewerb der Elektrofahrzeuge ebenfalls gelingen“, sagte er selbstbewusst bei der E-Smart-Premiere in Berlin.

Sogar die sportliche Komponente soll berücksichtigt werden. Noch vor der angekündigten Markteinführung des Audi-Elektrosportlers „e-tron“ (Bericht hierzu in der nächsten Ausgabe der F.A.Z. im Ressort „Technik und Motor“) im Jahr 2012 soll ein elektrisch betriebener Sportwagen der SLS-Baureihe von Mercedes-Benz AMG in das vermutlich äußerst zügige Rennen um die Gunst der Auto-Enthusiasten gehen. Schon in naher Zukunft werde Daimler hierzu schlüssige Konzepte vorstellen.

Wie ernst man bei Daimler das Thema nimmt, zeigt ein weiteres Projekt, das nahezu gleichzeitg bekannt wurde: Zusammen mit dem Industriekonzern Evoniks soll bis Ende 2013 Europas größte Batteriezellenfabrik für Lithium-Ionen-Akkus im sächsischen Kamenz aufgebaut werden. Rund 200 Millionen Euro sollen investiert werden. Ein erstes Ziel ist wohl die serienmäßige Ausstattung des Elektro-Smart mit Batterien aus Kamenz.

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