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Smart Brabus Vom Verzicht auf Platz, nicht auf Luxus

19.04.2011 ·  Der Smart Brabus hat uns überrascht. Er nimmt die Idee des teuren Luxuszwergs à la Aston Martin Cygnet vorweg. Doch die generellen Nachteile des Zwei-Personen-Mobils bleiben.

Von Boris Schmidt
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Zwei Wege führen zu einem Smart, der sich mit dem Beinamen des Bottroper Tuners schmücken darf: In der offiziellen Preisliste findet sich für 16 960 Euro der Smart Brabus mit seinem per Turbo aufgeladenen Dreizylinder-1,0-Liter-Motor und 75 kW (102 PS). Dieser Smart schafft in der Spitze 155 km/h (statt 145 km/h) und ist wesentlich besser als seine Brüder ausgestattet. Für 19.600 Euro kommt er gar als Brabus exclusive ins Haus. Beide werden im Smart-Werk in Hambach im Elsass gebaut.

Wem es auf die Zusatz-PS nicht ankommt, kann sich - „tailor made“ - seinen Smart in Bottrop so ausrüsten lassen, wie er es gerne hätte. 30 verschiedene Ledersorten sind im Angebot, die Außenlackierung ist frei wählbar. Geliefert wird ein höchst individuelles Auto, sozusagen ein Einzelstück. Wir fuhren ein Modell mit einem üppigen Endpreis von 24.900 Euro, wobei das Smart-Basisvehikel (mit 1,0-Liter-Motor, 52 kW/71 PS) und einigen Extras mit 15.920 Euro zu Buche schlug. Somit "veredelte" Brabus den kleinen Zweisitzer für 8980 Euro, und es ist dabei etwas Ansehnliches herausgekommen. Äußerlich fällt die Lackierung in „British Racing Green Metallic“ auf, auch die 15-Zoll-Alu-Felgen sind in diesem Farbton gehalten, natürlich gibt es Spoiler, und dank Brabus-Fahrwerks sitzt der Smart zehn Millimeter tiefer. Nicht von Brabus zu verantworten ist der Anblick des Tagfahrlichts, das man dem Smart seit einem kleinen Facelift im Herbst 2010 mitgibt: Es sieht aus wie vom Baumarkt und nachträglich angebracht.

Ohnehin strahlt die wahre Schönheit von innen. Der smarte Innenraum des Brabus hat uns gut gefallen, so macht Kleinwagenfahren Spaß: alles in (hellem) Leder gehalten, nicht nur die beiden Stühle, sondern auch die Einlagen in den Türen, das Lenkrad, der Schalthebel. Selbst das Armaturenbrett ist mit Leder bespannt (hell/dunkel). Sofort kommt einem der Aston Martin Cygnet auf Basis des Toyota iQ in den Sinn, der bald mit einem ähnlichen Konzept antritt, aber rund 35.000 Euro kosten wird.

In 14,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Jeder muss für sich entscheiden, ob und wie viel Luxus er in einem kleinen Auto haben will. Es ist gut möglich, dass es für Luxuszwerge einen Markt gibt. Schließlich ist Downsizing zur Zeit schick. Aber wir geben zu, ein paar Brabus-PS hätten dem Smart nicht geschadet. Mit dem Motor von der Stange reißt der Kleine keinen vom Hocker. Es vergehen 14,2 Sekunden, bis aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt ist, und dabei dröhnt das Triebwerk stark, sobald ein höheres Drehzahlniveau erreicht ist.

Ein Renner ist der kürzeste aller Daimler-Wagen also nicht, wenigstens ist er sparsam. Im Zuge des erwähnten Facelifts sind die Motoren nochmals überarbeitet worden, was sich offenbar gelohnt hat. Der letzte Smart als Redaktionsgast (allerdings mit dem 1,0-Liter-Turbo, der 60 kW/82 PS leistet) enttäuschte uns im Juni 2007 mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,6 Liter arg. Das etwas schwächere Triebwerk zeigte sich jetzt wesentlich genügsamer. Im Schnitt waren die drei Zylinder mit 6,0 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer zufrieden. Fährt man den Smart gemächlich (und leise) mit maximal 110 km/h (nicht mehr als 3000 Umdrehungen in der Minute) auf der Autobahn, kann man sogar mit 3,2 Liter 100 Kilometer weit kommen. Holt man dagegen auf Langstrecke „alles“ aus dem Motor heraus oder fährt, ohne groß aufs Sparen zu achten, in der Stadt, liegt der Verbrauch zwischen 5,5 und 7,0 Liter auf 100. Neu ist eine Start-Stopp-Automatik, die mitunter gehörig nervt, weil sie bei jedem auch noch so kurzen Halt den Motor abstellt. Da neigt man schnell dazu, den Aus-Knopf des Systems zu drücken.

Bretthart gefedert - unkomfortabel ist er trotzdem

Zwar sind die Schaltrucke des automatisierten Getriebes (fünf Gänge) mit Erscheinen der zweiten Generation des Smart (2007) nicht mehr so störend, sie sind aber immer noch vorhanden, und die „Automatik“ schaltet vor allem bergauf nicht immer so, wie sich das der Fahrer vorstellt. Gut also, dass man das Gangwechseln selbst übernehmen kann. Dass der Smart Brabus bretthart gefedert ist, mag Absicht sein, unkomfortabel ist er trotzdem. Lange Strecken sind kein Vergnügen. Außerdem ist er sehr seitenwindempfindlich.

Jetzt kann man sagen, der Smart ist ein Stadtauto. Stimmt, in Großstädten wie Frankfurt am Main sieht man ihn häufig. Doch auch hier geht einem das bockharte Fahrwerk mitunter gehörig auf die Nerven. Dennoch - die Stadt ist die Heimat des Smart, bei einer Länge von 2,70 Meter (der Ur-Smart war 2,50 Meter lang) findet man nahezu überall einen Parkplatz, dazu kommt der kleine Wendekreis von weniger als neun Meter. Die 20 Zentimeter, die der Smart gewachsen ist, kommen beinahe vollständig dem kleinen Laderaum zugute, der jetzt rechnerisch 340 Liter fasst. Für zwei Personen sollte das reichen.

Wobei wir beim Grundproblem des Smart wären. Sobald mehr als zwei Personen unterwegs sein wollen, muss er passen. So gesehen ist der ähnlich konzipierte Toyota iQ im Vorteil. In dem Drei-Meter-Winzling bringt man zur Not sogar vier Personen unter. Und immer wieder muss sich der Smart seinen hohen Preis vorhalten lassen. Ihm bleibt die Rolle eines Kultmobils, das man sich kauft, weil man es haben will. Als Smart Brabus ist dieser Gedanke auf die Spitze getrieben.

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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