07.11.2011 · Skoda liefert mit dem Citigo gute Argumente. Bei der ersten Probefahrt betonten die Tschechen besonders die Unterschiede zu den aus derselben Fabrik rollenden VW Up und Seat Mii.
Von Holger AppelWenn drei das Gleiche tun, muss es nicht dasselbe sein. Im Falle der eineiigen Drillinge aus dem VW-Konzern ist das allerdings nicht so einfach. Von dem neuen Kleinwagen rollen der VW Up, der Skoda Citigo und der Seat Mii aus einer gemeinsamen Fabrik heran, und alle nutzen die gleiche Technik. Die Tschechen haben nun zu einer ersten Probefahrt geladen und dabei nicht ohne Erfolg versucht, auf ihre Eigenheiten hinzuweisen. Mit Geschick haben sie hier einen Haken für die Handtasche am Handschuhfach angebracht oder dort einen Halteclip an die A-Säule und einen weiteren ans Armaturenbrett geklemmt. An den Sitzen oder im Gepäckraum nehmen Netze kleinere Dinge rutschsicher auf. All das macht aus dem praktischen Kleinen einen noch praktischeren.
Im Gegenzug muss oder darf sich der Käufer eines Citigo mit einer im Vergleich zum frechen Up deutlich braver gezeichneten Karosserie zufriedengeben. Womöglich hilft das, eine jeweils andere Zielgruppe zu erreichen, dann wäre auch der Finanzvorstand zufrieden. Die VW-Geschwister sollen natürlich nicht im eigenen Hause wildern, sondern Kunden von Renault, Citroën oder Peugeot abziehen. Auch einem Toyota Aygo oder Nissan Micra möchte man das Leben schwerer machen und den etwas forschen Südkoreanern von Kia oder Hyundai. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.
Schon auf den ersten Metern stellt sich im 3,56 Meter kurzen Skoda das Gefühl ein, mit einem richtigen Auto unterwegs zu sein. Er hat zwar nur vier Sitze, die aber sind kommod und bieten ausreichend Freiraum. Erstaunlich gut ist der Federungskomfort, selbst schlechte Wege steckt das Fahrwerk weg, das obendrein gutmütig ausgelegt ist. Man muss es in Kurven ziemlich wild treiben, bis der Citigo über die Vorderräder rutscht. Die Verarbeitung ist solide, nichts klappert, die Sortierung der fünf Gänge geht präzise von der Hand.
Gewöhnungsbedürftig ist der Dreizylinder-Benziner, der einen eigenwilligen Klang hat, Drehzahl fordert und in deren höherer Region zu kreischen beginnt. Im Leerlauf schüttelt er sich leise, die ungerade Zylinderzahl hat ihre Tücken. Gleichwohl macht er in der Stadt einen flinken Eindruck und ist auch auf der Autobahn zu ertragen. Es gibt ihn als Einliter mit 44 kW (60 PS) und 55 kW (75 PS).
Ein erster Testverbrauch weist Werte um 6 Liter aus. Im direkten Vergleich fällt der schwächere Motor als solcher auf, aber nur dann. Wir würden die 60-PS-Variante nehmen und das gesparte Geld in vier Türen investieren. Dann fällt auch die umständliche Verschiebung der Vordersitze weg, die beim Zurückstellen nicht in ihre Ausgangsposition rasten und mit einem unten angebrachten Hebel bückend betätigt werden müssen. Andere Dinge aus der Abteilung Sparprogramm: In der Fahrertür gibt es keinen elektrischen Fensterheber für die Beifahrerseite, der Gepäckraum ist unverkleidet, eine geteilt umlegbare Rückbank erfordert ebenso Aufpreis wie ein doppelter Ladeboden, das Lenkrad lässt sich nur in der Höhe verstellen. Schick ist der aufgesetzte Bildschirm für Navigation und Fahrzeuginformation.
Im Juni 2012 kommt der Citigo nach Deutschland. Bis dahin kämpfen die Strategen noch mit der Preisgestaltung, 9000 Euro inklusive ESP wären ein schöner Einstieg. In Tschechien bietet Skoda den Citigo schon dieses Jahr an, dort beginnt die neue Kleinwagenwelt bei umgerechnet 7200 Euro.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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