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Sicherheitstraining für junge Fahrer Früh übt sich, wer ein Meister werden will

 ·  Junge Autofahrer leben gefährlich. Das sagt die Statistik. Der ADAC hat ein Sicherheitstraining für alle zwischen 17 und 25 Jahren entwickelt. Besonders das richtige Bremsen wird dort geübt.

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© Stefan Thiele Immer im Kreis herum: Auch mit 100 und mehr PS sind auf der nassen Kreisbahn nicht mehr als 38 km/h drin, sonst verlässt der Wagen die Spur

Ostersonntag, acht Uhr morgens. Junge Menschen aus der Altersgruppe zwischen 17 und 25 liegen zu diesem Zeitpunkt noch in Betten oder feiern immer noch. Doch nicht alle. Knapp 20 Teens und Twens sind früh aufgestanden und ins ADAC-Sicherheitszentrum nach Gründau-Lieblos bei Hanau gefahren. Heute werden keine Ostereier gesucht, sondern es wird intensiv Auto gefahren, das Training „Junge Fahrer“ des ADAC steht auf dem Programm.

Ganz freiwillig sind die wenigstens gekommen, sanfter Druck der Eltern oder ein Gewinn bei der Regionalzeitung „Gießener Allgemeine“ haben nachgeholfen. Es wird in zwei Gruppen trainiert: Vier der Teilnehmer sind noch keine 18 Jahre alt, da muss eine in der Fahrerlaubnis registrierte Begleitperson beim Training dabei sein. Die vier begleitenden Väter staunen nicht schlecht, wie schnell ihre Söhne und Töchter unter Anleitung des Trainers lernen, besser zu fahren.

Für viele Teilnehmer ist das eigene Auto ein unerfüllbarer Traum

Ganz zu Beginn lässt Trainer Günther Wohlerdt die „Jungs“ und „Mädchen“ (das Verhältnis ist fast pari) schlicht um Pylonen herumfahren. Schnell wird klar, dass fast alle nicht richtig im Auto sitzen und die Hände nicht korrekt am Lenkrad haben. Voraussetzung für sicheres Fahren ist eine Sitzposition mit leicht angewinkelten Armen und beidhändiger Führung des Lenkrades, ausgehend von der sogenannten Viertel-vor-drei-Stellung.

Wohlerdt, ein Fuchs von Instruktor und selbst Vater zweier Twens, trifft mit seinen markigen Sprüchen den richtigen Ton bei der Jugend. Die Kursteilnehmer beherrschen nach mehreren Versuchen das schnelle und beherzte Einlenken im Zusammenspiel mit einer vorausschauenden Blickführung schnell. So lässt es sich leicht vor einem Hindernis aus Wasserfontänen ausweichen.

Das alles scheint den jungen Menschen am Lenker ihrer Autos auch sehr viel Spaß zu machen. Fast alle sind mit ihren eigenen Fahrzeugen gekommen. Meist sind das ältere Kleinwagen vom Typ VW Polo oder Ford Fiesta. Der gut gewartete VW Lupo einer siebzehnjährigen Fahranfängerin hat schon mehr als 300.000 Kilometer auf dem Tacho. TÜV und ein Satz frischer Reifen waren dem Vater aber wichtig, und so spult auch dieser automobile Methusalem das Trainingsprogramm zuverlässig herunter. Für viele junge Menschen ist das eigene Auto aber oftmals ein unerfüllbarer Traum. Obwohl ausdrücklich empfohlen wird, das Training mit dem eigenen Fahrzeug zu absolvieren, hält der ADAC hier in Gründau für Teilnehmer ohne Auto nach Absprache auch Fahrzeuge der Marke Citroën zu Trainingszwecken vor - ohne Mehrpreis.

Ohne ABS oder ESP bricht das Heck des Wagens blitzartig aus

Aber zurück zu den jungen Fahranfängern. Nach dem Ausweichen lernen sie das richtige Bremsen. ADAC-Mann Wohlerdt erläutert, dass die meisten Autofahrer, auch die älteren, dazu neigen, erst sanft und dann zunehmend stärker zu bremsen. Damit werde im Ernstfall entscheidender Bremsweg verschwendet. Die Teilnehmer staunen nicht schlecht, wie sich der Anhalteweg durch die Technik des „Bremsschlags“ entscheidend verkürzen lässt. Dabei wird das Bremspedal ruckartig und mit vollem Krafteinsatz bis zum völligen Stillstand des Fahrzeugs getreten. Dank ABS - das haben heute nahezu alle Autos - kommt man dabei auch nicht ins Schleudern.

Erprobt wird diese Art der Vollbremsung auf griffigem Untergrund, später aber auch auf einer präparierten Oberfläche, welche die Verhältnisse auf einer festgefahrenen Schneedecke simuliert. Zuletzt wird geübt, auch dann mit vollem Einsatz zu bremsen, wenn die linke und rechte Seite des Autos auf verschieden griffigen Untergründen rollen.

Die Anfänger lernen, dass die heute meist standardmäßig verbauten elektronischen Assistenzsysteme dazu beitragen, auch in derartigen Extremsituationen das Schleuderrisiko entscheidend zu vermindern. Ein junger Mann, der mit einem älteren VW Golf zum Training angetreten ist, demonstriert dies sehr eindrucksvoll. Ohne ABS oder ESP bricht das Heck des Wagens bei der Bremsung blitzartig aus. Passiert ist aber nichts, der Trainer hat die Höchstgeschwindigkeit bei diesem Versuch bewusst sehr niedrig angesetzt.

Zwischen den Übungen bleibt Zeit für die Theorie

Obwohl sie es eigentlich aus der Fahrschule noch wissen müssten: Großes Staunen herrscht, als Wohlerdt zeigt, was es bedeuten kann, 50 statt 30 km/h in der Stadt zu fahren: Ein Kind, das zwischen zwei Autos auf die Straße gesprungen ist, wird bei 50 überfahren, bevor das Auto überhaupt richtig verzögert wird. Das ist erschreckende, aber einfache Physik: 14 Meter legt man bei 50 km/h allein in der Reaktionsphase (eine Sekunde) zurück, bei 30 km/h steht man nach spätestens 17 Metern, bei 50 erst nach 30.

Geübt wird das Slalomfahren mit verschiedenen Geschwindigkeiten bei gleichbleibendem Pylonenabstand. Dabei kommt es wieder auf die richtige Sitzposition und eine korrekte Lenkradhaltung an. Wie reagiert das Fahrzeug auf zu hektische Lenkbewegungen und wann beginnt es auszubrechen? Obwohl auch hier moderne Assistenzsysteme hilfreich zur Seite stehen, ist diese Übung für die Fahranfänger mit älteren Fahrzeugen sehr wertvoll, um sich gefahrlos an Grenzbelastungen heranzutasten und den Unterschied zwischen einem übersteuernden und einem untersteuernden Fahrzeug buchstäblich zu erfahren.

Zwischen den Übungen bleibt immer wieder Zeit für die Theorie. Überrascht sind viele Teilnehmer von dem Rat des Trainers, bei einer versehentlich zu schnell angefahrenen Autobahnausfahrt mit einem ESP-geregelten Auto auch in der Kurve die Geschwindigkeit per Bremsschlag zu verringern, und der Gleichsetzung des Handy-Telefonierens mit dem eingeschränkten Fahrvermögen bei einem Blutalkoholgehalt von 1,5 Promille. Diese Allegorie ist bei näherer Betrachtung kaum glaubwürdig. Ihre Wirkung auf die Fahranfänger verfehlt die drastische Überspitzung der Tatsachen aber nicht. Das Bremsen in der engen Kurve wird immer wieder geübt, und selbst die mitfahrenden Väter staunen, dass man mit 70 km/h auf die (Pylonen-)Kurve zufahren kann, erst im letzten Moment auf die Bremse geht, und dennoch um die Kurve kommt.

Ausnahmslos allen Teilnehmern hat es mehr als gut gefallen

Den Höhepunkt des Trainings bildet das Kurvenfahren in der beregneten Kreisbahn. Dies stellt für die jungen Fahrer ein ganz besonders intensives Erlebnis dar, denn hier werden die wirkenden Kräfte erfühlbar. So zerrt die Fliehkraft den Fahrer gehörig nach außen und selbst bei ausgefeilter Fahrtechnik sind nur Kurvengeschwindigkeiten unter 38 km/h realisierbar. Beispielhaft zeigt sich der oft unterschätzte Einfluss der Reifen auf das Fahrverhalten. Ein Fiesta mit schlechter Hinterradbereifung bricht mit dem Heck aus - für einen Fronttriebler völlig untypisch. Wohlerdt: „Die guten Reifen gehören immer auf die Hinterachse, auch bei Frontantrieb!“

Bei einem der ADAC-Citroën zeigt sich sehr deutlich die mangelhafte Seitenführung der Vorderräder. Der Wagen drängt untersteuernd sehr früh über die Vorderräder nach außen. Dies ist auf die schon etwas länger mit derartigen Versuchen malträtierte Bereifung mit ihren abgefahrenen Flanken zurückzuführen.

Die acht Stunden sind wie im Fluge vergangen, ausnahmslos allen Teilnehmern hat es mehr als gut gefallen, und den Nutzen bewerten die jungen Teilnehmer als sehr hoch. Vor allem das richtige Bremsen sei jetzt intus.

Das Training „Junge Fahrer“ des ADAC kostet für Clubmitglieder 119 Euro, Nichtmitglieder zahlen 129 Euro. Der ADAC verfügt über 40 Anlagen in Deutschland. Auf weniger modernen Fahrsicherheitszentren beträgt die Kursgebühr 89 (105) Euro. Teilnehmen können maximal 12 Personen pro Gruppe. Mehr Informationen unter www.training-jungefahrer.de.

Quelle: F.A.S.
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