Home
http://www.faz.net/-gya-6v3k9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Segelboot Elan 210 Für Puristen und Grenzgänger

15.11.2011 ·  Für großen Segelspaß braucht man kein großes Boot. Elan besinnt sich mit der 210 auf seine Wurzeln. Der Versuch eines Tests bei Windstärke sieben.

Von Claus Reissig
Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)
© Claus Reissig Die harte Tour: Elan 210 bei starkem Wind, das Schiffchen schlägt sich tapfer

Gut 25 Knoten Wind, in Böen mehr als 30, das sind keine idealen Segelbedingungen. Schon gar nicht für ein Boot von nur knapp sieben Meter Länge. Das Schlagen der Foliensegel klingt nach Pauke, weit legt sich die Elan 210 auf die Seite, da würde man sich manchmal etwas mehr Abstand zur algengrünen Peene wünschen. Wer seine seglerische Grenze sucht, kann an einem solchen Tag fündig werden. Die kleine slowenische Yacht indes erträgt die schlechte Behandlung mit stoischer Ruhe.

Segel schlagen, Sonnenschuss, dazwischen abfallen, die Schoten wieder dicht und abermals ein Sonnenschuss: Die Böe legt das Boot auf die Seite, es läuft aus dem Ruder, dreht in den Wind. Messwerte kommen so nicht zustande. Sicherlich ist die Elan 210 schnell, das lässt sich sagen, aber Dinge wie Wendewinkel sind so nicht zu ermitteln. Nach einiger Zeit am Ruder tritt Gewöhnung ein, es wird eine Betrachtung des Schiffchens möglich. Die Ruderanlage zum Beispiel ist doppelt ausgeführt, damit bei Krängung immer ein Blatt im Wasser ist. Bei diesen Bedingungen erweist sich das als unschätzbarer Vorteil. Auch wenn es an dem aufpreispflichtigen Pinnenausleger etwas gefühllos zugeht, bleibt das 900-Kilogramm-Boot kontrollierbar.

Manchmal würde man sich eine Reling im Rücken wünschen, nur zur Beruhigung. Aber die hängt schlapp außenbords, damit sich die Crew mit den Füßen in den Ausreitgurten weit hinauslegen kann. Beides nachgerüstete Extras übrigens, die jungen Mitsegler wollen Regatten gewinnen, suchen eher eine Jolle als ein Dickschiff. Der Übergang ist bei dieser Bootsgröße fließend. Standardmäßig jedenfalls ist die Reling straff, und es gibt auch einen Bugkorb. CE-Kategorie C steht auf dem Typenschild, das Boot soll also für küstennahe Gewässer, große Buchten und Flussmündungen geeignet sein, das passt ja. Maximal sechs Beaufort sieht die Zertifizierung vor, das passt fast. Nur selten ist die Probefahrt eines Boots genau an dessen Grenzen möglich, da ist das Wetter an diesem Tag also ein Glücksfall.

Gar nicht so ungemütlich im - nennen wir ihn mal so - Salon

Rund ein Meter Welle auf dem Krösliner See in unmittelbarer Nähe der Mündung zur Ostsee. Seine Weite täuscht über seine nicht vorhandene Tiefe hinweg. Segeln kann man nur im Fahrwasser, daneben ist es flach, sehr flach sogar bei starkem Südwest. Während der Fotoaufnahmen wurde erst das Testboot und dann auch noch das Schlauchboot für den Fotografen auf Grund gesetzt. Alles kein Problem mit einem kleinen, leichten Ding wie diesem. Unwillkürlich stellt man sich die Frage, wie viel Schiff man eigentlich braucht, um Spaß zu haben. Schaut man in die Gesichter der jungen Crew, scheinen 6,60 Meter vollauf zu genügen. Eine englische Faustregel besagt, dass man je Lebensjahr einen Fuß Schiffslänge benötigt. Der Autor müsste sich also mit einer 14-Meter-Yacht hinausbegeben und dafür zunächst einmal genug kräftige Mitsegler zusammentrommeln.

Mit diesem 22-Füßer dagegen kann man etwas machen, was mit größeren Kalibern so einfach nicht geht, nämlich ungeachtet des Wetters mit kleiner Mannschaft segeln gehen. Abstriche sind natürlich unter Deck in Kauf zu nehmen. Eine Nasszelle gibt es nicht, über eine optionale Fußpumpe lassen sich einige Liter Wasser zum Erhitzen in einen Topf auf dem ebenfalls optionalen Gasherd pumpen. Licht? Ebenfalls optional, ebenso die aufsteckbaren Rückenlehnen, die auch ins Cockpit passen. Trotz ihrer geringen Höhe taugen sie durchaus zum Anlehnen, unter Deck kann man zudem die Jacken dahinterklemmen. Dazu gibt es einen klappbaren Tisch mit Teleskopfuß, auch für drinnen wie draußen, das ist schon fast ein wenig Luxus. Ansonsten ist es gar nicht so ungemütlich im - nennen wir ihn mal so - Salon. Es gibt vier akzeptable Schlafplätze, sitzen kann man ebenfalls zu viert, der Tisch ist dann groß genug für eine Skatrunde mit den entsprechenden Getränken. Beim Essen sollte man besser nur zu zweit sein.

Unter Deck dominiert weißer Kunststoff, unterbrochen von ein wenig Holzfurnier der Möbel. Statt Schranktüren gibt es Kevlar-Segeltuch mit Klettverschluss. Dass in diesem Fall Gemütlichkeit nicht aufkommen möchte, liegt unter anderem daran, dass auf dem werftneuen Schiff noch die Plastiküberzüge über den Polstern sind. Das hat ihnen an diesem windigen Tag einige nasse Flecke erspart, vor allem aus dem Sack des Gennakers, den wir beim Auslaufen allzu optimistisch in den Niedergang gehängt hatten, um ihn zu benutzen. Gesetzt wurde er dann nicht, da war der Respekt vor den Umständen doch zu groß. Auch Gennaker und der dazugehörende ausfahrbare Bugspriet sind aufpreispflichtig.

Reichlich 28.000 Euro kostet das kleinste Modell des slowenischen Herstellers Elan in der karg ausgestatteten Basisversion ab Werft. Extras für rund 10.000 Euro sind zusätzlich einzukalkulieren, bis man letztlich lossegeln kann. Dazu kommen noch ein Motor und eventuell ein Anhänger. Was nicht in der Preisliste zu finden ist, sind Gardinen oder Rollos für die recht großen Fenster. Vielleicht braucht man die auch nicht, wenn man 22 ist, bei einer 48-Fuß-Yacht wären sie jedenfalls dabei.

Daten und Preise

Länge 6,60 m, Länge Wasserlinie 6,13 m, Breite 2,50 m, Tiefgang 1,55/0,50 m, Leergewicht 0,9 t, Ballast 0,36 t (Ballastanteil 39 Prozent), Segelfläche am Wind 28,3 m2; Gennaker 52 m2; Wassertank 55 l, Außenborder (optional): 4,4 kW (6 PS)

Konstruktion: Rumpf glasfaserverstärkter Kunststoff, hergestellt mit Isophtalsäureharz im Vakuum-Infusionsverfahren, unter Wasser Massivlaminat; Deck Sandwich; Innenstruktur geklebt und laminiert. Angehängte Doppelruder mit Pinne, Gusseisen-Hubkiel; CE Kategorie C (küstennahe Gewässer)

Grundpreis ab 28.549 Euro; Serienausstattung u. a. Aluminiummast und -baum, zwei Winschen, Hubkiel, Batterie (65 Ah), wegnehmbarer Salontisch, Feuerlöscher. Aufpreise u. a. für Rollfocksystem 555 Euro, Großsegel und Fock 3549, Gennaker 1559, ausfahrbarer Bugspriet 450, Pinnenverlängerung 147, Windex 66, Innenbeleuchtung 194, Rückenlehnen 236, Gasherd (einflammig) 244, Frischwassersystem (Tank, Pumpe) 397, Kompass, Speed- und Windanzeige 1833 Euro.

Konstruktion: Humphreys Yacht Design, Werft: Elan, Begunje 1, SLO-4275 Begunje na Gorenjskem

Importeur: Marina Kröslin GmbH; Am Hafen; 17440 Kröslin

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr