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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Rolls-Royce Phantom Und nachts strahlt die Emily

 ·  Nach fast zehn Jahren erneuert Rolls-Royce sein Luxusautomobil Phantom. Dabei geht die BMW-Tochter sehr behutsam vor. Sparsamer soll es sein. Und noch exklusiver.

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© dapd Zieht die Blicke auf sich: Der Rolls-Royce Phantom

Wenn aus der südenglischen Kleinstadt Goodwood Neuigkeiten zu hören sind, dann ist wenig Spektakuläres zu erwarten. Jahr für Jahr feiert dort der motorsportbegeisterte Charles Earl of March seine historischen Autorennen auf gräflicher Strecke, begeistert enthusiastische Besucher und Teilnehmer, lässt Motorengeheul und Siegesfanfaren erklingen, stets mit großer Konstanz und nimmer schwindendem Interesse.

In direkter Nachbarschaft, versteckt in einer eigens angelegten künstlichen Mulde, werden unter begrünten Hallendächern Autos gebaut, die kaum weniger gleichmütig in nunmehr 110 Jahren nichts von Faszination und vor allem Standesbewusstsein verloren haben. Rolls-Royce fertigt hier die vielleicht exklusivsten Autos der Welt. Selbst wenn im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 3556 Fahrzeugen verkauft werden konnte, bleiben die Wagen mit der extravaganten Kühlerfigur, die offiziell „Spirit of Ecstasy“, meist aber liebevoll schlicht „Emily“ genannt wird, ein rares Gut. Emily wird jetzt nachts beleuchtet (Option).

Diktat des rechten Winkels

2003 hatte die unter BMW-Ägide erfolgreich agierende Marke die Spitzenbaureihe Phantom vorgestellt. Jetzt erfolgt eine umfassende Überarbeitung des Modells. Sparsamer soll es sein. Und noch exklusiver. Zumindest optisch bleibt Rolls-Royce im Bild, schärft die kantigen Formen des Phantom Series II und versucht sich an der Quadratur des Rechtecks. Der neue Kühlergrill türmt tempelgleich mit soliden Stahlstreben am Bug nach oben, trägt eine matt und edel schimmernde Abschlussspange wie einen schnörkellosen Fries. Die Scheinwerfer rahmen das Ensemble emotionslos ein, folgen dem Diktat des rechten Winkels, die dünnen Bänder des Tagfahrlichts zeichnen einen kaltweißen Lidstrich in die starren Reptilienaugen, LED-Technik ist selbstverständlich.

Bei den beiden Karosserie-Derivaten der viertürigen Limousine spannt sich die Dachlinie straffer: Das Coupé bietet dennoch im Fond großzügigen Raum für die Gäste auf der Rückbank, kaum weniger Platz genießen sie unter dem dicken Stoffverdeck des „Drophead“ genannten Cabrio. Das schwere, mehrlagige Textil sitzt stramm über den Passagieren.

Der rund 2,7 Tonnen schwere Wagen, angetrieben von einem 6,7-Liter-V12, stürmt stets mächtig nach vorne, gleich ob Limousine, Coupé oder Cabrio. 720 Newtonmeter maximales Drehmoment liefert die Maschine bei 3500 Umdrehungen in der Minute. 338 kW (460 PS) sind anwesend, um den Rolly in schnellstens 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. 250 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich. Bescheidene 14,8 Liter Superbenzin verlangt der V12 nach der Messnorm. Das ist keine Kleinigkeit, gemessen am Kaufpreis eines Phantom Series II jedoch ein Klacks. Im Vergleich zum Vorgänger konnte der Verbrauch um rund zehn Prozent gesenkt werden. Vor allem der Einsatz des neuen Automatikgetriebes, das mit acht statt sechs Gängen arbeitet, ist der Grund dafür.

Wie auf einem Luftkissen

Wer zu jenen Menschen gehört, die ihren Phantom selbst chauffieren, muss Leistungsbereitschaft zeigen. Gering sind die Rückstellkräfte der Lenkung, mit Einsatz wollen die Räder nach der Kurve wieder geradeaus gerichtet werden. Wobei das Volant von einem Format ist, das durchaus auch an jenen Gestängen zu finden ist, mit denen sich schwere Schleusentore öffnen lassen. Dazu die gewaltigen Maße der unübersichtlichen 5,84-Meter-Karosserie. Die linke Seite markiert noch der steife Falz auf der Kotflügeloberkante, die rechte Seite verliert sich im Nichts. Oder gefährlicher: in bedrohlicher Nähe zu Leitplanken, Hauserkern oder Verkehrszeichen. Augenmaß und Abstandhalten sind wünschenswerte Potentiale des Phantom-Lenkers.

Dabei wechselt die Automatik die Übersetzungen mit jener Leichtigkeit, wie sie einer im sachten Hauch des lauen Abendwindes zu Boden sinkenden Daunenfeder innewohnt. Wie auf einem Luftkissen schwebt der Phantom über holprige Straßen. Seine exzellente Federung und sicher auch das extrem hohe Eigengewicht verleihen ihm auf welliger, holpriger Strecke Gleichmut. Vertikalbeschleunigung wird zur bedeutungslosen Größe. Kurven aber gilt es maßvoll zu umrunden. Die Neigung der Karosserie, laxes Einlenkverhalten und Sitze mit geringer Seitenführung regen zum sehr entspannten Fahren an, ein Schelm, wer dem Reifengummi ein Pfeifen entlockt.

Was zu kritisieren ist? Vor allem der viel zu schrille Klang des Horns. Das grelle Kreischen würde man einem exaltierten Lamborghini zuschreiben, nicht der britischen Monarchen-Sänfte. Und 460 Liter Kofferraumvolumen gehören eher ins Reich der Mittelklasse. Aber Lords und Ladies schicken ihr Gepäck sowieso lieber mit getrenntem Transport voraus. Vielleicht im Range Rover. Das wird bei einem Kaufpreis des Phantom Series II von 486.710 Euro wohl noch drin sein.

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