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Rolls-Royce Phantom Coupé Billig kann man sich in dieser Zeit nicht leisten

21.07.2009 ·  Wohin führt das noch: Rolls-Royce wird immer jünger und verliert nichts von seiner Faszination. Das Phantom Coupé kostet, na ja, so etwas mehr als eine halbe Million Euro. Ach so, nun ja, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 13 Liter.

Von Wolfgang Peters
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Das Auto steht schwarz wie eine Gewitterwand vor den beiden Männern. Das sind zwei ältere Kerle, und sie sprechen mit erhobener Stimme, aber nicht weil sie zum Pathos des Alters neigten. Jeder von ihnen hört schlecht. Es ist fast eine Berufskrankheit.

Deshalb fahren sie alle jene Autos, die brüllen und röhren und kreischen, lieber solo. Dann ist keiner neben ihnen, den sie im Gespräch dauernd mit Nachfragen quälen müssten. Dennoch fahren die beiden Männer heute mit einer britischen Gewitterwand von München nach Italien. Das schwarze Auto im Format eines unangenehmen Cumulonimbus verspricht bestmögliche Lautlosigkeit. Das Auto ist ein Rolls-Royce Phantom Coupé, und es bietet jene Form des Reisens, die längst verloren schien.

Ruft mit der Ungeduld des Alters nach dem Glatzkopf

Der (ältere) Silberschopf kuschelt sich schon in den freien Sessel der vorderen Sitzgruppe und ruft mit der Ungeduld des Alters nach dem (jüngeren) Glatzkopf. Dieser ist noch damit beschäftigt, den Phantom abzuschreiten. Fast sechs Meter in der Länge und zwei Meter in der Breite bringt das Coupé auf die Straße, und es wirkt so schwer, wie es ist: rund 2,6 Tonnen ruhen auf vier mächtigen Rädern. Wie die Säulen der Erde, denkt der Glatzkopf und entdeckt: Der Rolls-Royce hat einen Produktionsfehler.

Der Volant ist auf der falschen Seite eingebaut worden. Er sitzt rechts im Wagen, und der als Erbsenzähler gefürchtete Glatzkopf meldet seine Bedenken an, wegen der Übersichtlichkeit und der Länge des Buges und überhaupt. Frank Tiemann, der eloquent-elegante Pressemann von Rolls-Royce für Deutschland, angedockt in der Nähe der BMW-Mutter, er meinte, damit zu fahren, das sei ganz einfach. Man setze den Rolls so auf die Straße, dass die Kühlerfigur, vom Fahrer aus gesehen, direkt auf dem weißen Mittelstreifen liege. Dann wäre das Coupé perfekt plaziert. Aber Silberschopf und Glatzkopf wollen damit an den Comer See. Und dort gibt es auf den Straßen keine weißen Mittelstreifen.

An Selbstbewusstsein herrscht kein Mangel

Noch ruht der schwarze Wagen. Irgendwie in sich, an Selbstbewusstsein herrscht kein Mangel, Standesdünkel gibt es nicht bei einem Auto. Sein Lack glänzt ein wenig matt, kräftiger Chrom glüht, und als die Sonne wegbleibt, da offenbart das große Coupé seine Proportionen. Ein Körper ohne Bodybuilding, ein Bug wie eine vergangene Epoche, ein Passagierabteil wie eine Loge auf dem Opernball und ein Heck mit dem Appeal des alten Reichtums. Der Kühler stiftet die RR-Identität, ist allerdings auch ein Monument der automobilen Beharrung, und die Scheinwerfer dagegen wirken wie Basedowsche Augen unter schweren Lidern. Etwas Dekadenz muss sein, ein Rolls-Royce duftet immer nach Champagner aus High-Heels, nach durchfeierten Nächten, mitunter nach schrillem Lachen und nach Haut, die nicht mehr so jung ist, wie sie sein sollte.

Das Phantom Coupé allerdings wirkt konzentriert auf sein Geheimnis der Jugendlichkeit, und das Dach mit lukenähnlich niedrigem Heckfenster sorgt für ein Flair von Fitness, so, als wären die Panzerknacker aus dem Comic in ein ehrbares Geschäft eingestiegen, zum Beispiel als Heuschrecken. Die Türen sind wie 3-D-Kino, sie sind hinten angeschlagen, ihr Griff ist das Denkmal eines Schmiedes, und ihre Einstiegsöffnung weckt bei Betrachtern den Wunsch, es möge sich Naomi Campbell im Rock von Twiggy in den RR begeben. Aber es sind nur zwei alte Männer eingestiegen. Beide mit knackenden Kniene und erleichtert über den freien Zugang.

Zurückhaltung ist oberster Grundsatz

Im Innenraum herrscht die Kühle des Geldes. Zurückhaltung ist oberster Grundsatz. Alles lebt am Rand der Langeweile. Es fehlt das Schild: Kein Schweiß aufs Holz. Runde Instrumente, fein gezeichnet, kein Tourenzähler, dafür eine Anzeige, die darüber informiert, wie viel Motorpower in der aktuellen Situation noch bereit wäre, und ein Volant mit unerwartet dickem, griffigem Kranz. Dunkles Leder, finstere Teppiche mit einem Flor, der den Knöcheln schmeichelt, im Dach sitzen stecknadelkopfgroße Lichtpunkte, 1600 sollen es sein, auf Knopfdruck erhellt sich das Firmament. Und RR-Mann Tiemann möchte es vorführen. Aber die älteren Männer werden ungeduldig, es liegt eine schöne Strecke vor ihnen, und sie möchten am Comer See in großer Ruhe zu Abend essen.

Deshalb muss es jetzt losgehen, das Gepäck mit Picknickköfferchen (Hummer, Austern, Champagner, Silberbesteck, belgisches Linnen) ist verstaut, der Raum im Heck ist ausreichend, aber auch nicht mehr. Größere Stücke folgen vielleicht im Range Rover des Personals. Der große V12 startet, er seufzt einmal auf und atmet mit der Regelmäßigkeit eines großen Tieres, das seine Zahmheit genießt. Die erste Stufe der Sechsgangautomatik ruckt empörend aufdringlich ein, dann startet das Coupé vor dem Münchner Hotel. Es fährt nicht einfach los, und es beschleunigt nicht wirklich. Es legt ab, und es gewinnt mit einer gewissen Teilnahmslosigkeit an Fahrt, und wenn man die Besatzung fragte, sie hätte behauptet, eine Bugwelle vor sich zu haben.

Unverschwitzt und zur rechten Zeit am Comer See

Der schön dimensionierte V12 holt aus 6749 Kubik ein wenig verschlafen wirkende 338 kW. Also stehen 460 PS bei 5350 Umdrehungen in der Minute sowie ein üppiges Drehmoment von 720 Nm bei 3500/min zur Verfügung. Doch auf Vollgas reagiert das etwa 2,6 Tonnen wiegende Coupé mit einer indigniert wirkenden Nachdenklichkeit. Motor an Einspritzung: Kann das sein, dass dieser ältere Glatzkopf auf Vollgas besteht? Dann hebt sich der Bug ein wenig aus der Federung, der Motor ist immer noch nicht zu hören. Na gut: Bei 250 km/h ist aber Schluss!

Die älteren Männer liefen unverschwitzt und zur rechten Zeit am Comer See ein. Das Rolls-Royce Phantom Coupé kam über 510 Kilometer auf einen Durchschnittsverbrauch von 13,17 Liter. Es fuhr durch zwei Gewitterwände.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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