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Rolls-Royce Ghost Edler Geist und Emily

20.10.2009 ·  Rolls-Royce nennt seinen neuen Ghost einen „Kompaktwagen“. Er ist 5,4 Meter lang und kostet etwa 300.000 Euro. Und man denkt über einen Elektroantrieb nach. Es sei das richtige Auto zur richtigen Zeit, sagt Tom Purves, Chef von Rolls-Royce Motor Cars.

Von Michael Kirchberger
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Es sei das richtige Auto zur richtigen Zeit, sagt Tom Purves, Chef von Rolls-Royce Motor Cars im englischen Chichester. Zumindest für diese Automobilklasse. Und da sprechen wir von Einstandspreisen, die bisher um die 390.000 Euro lagen. Rolls-Royce konnte sich schon immer erlauben, ein wenig mehr zu verlangen. Schließlich ist man sicher, dafür mehr als andere zu bieten. Mit der Luxus-Limousine Phantom und der Coupé- und Cabrio-Version Drophead war man bislang dort zu Hause, wo die Kundschaft auch mit der Anschaffung von Privat-Jets oder Hubschraubern liebäugelt.

Der neue Ghost, auf dem vergangenen Genfer Automobilsalon als Studie EX200 und nun auf der IAA als neues Serienmodell vorgestellt, ist in den Augen seiner Väter ein Kompaktwagen. Alltagstauglich sei er ausgestattet. 5,4 Meter ist er lang, 44 Zentimeter kürzer als der Phantom, für den Kunden je nach Ausstattung fünf bis sechs Monate Lieferzeit einzurechnen haben. Der Ghost wird kaum schneller zur Auslieferung nach Bestellung kommen. Mehr als 200 Fahrzeuge seien bereits geordert worden. Damit ist die Kapazität des Werkes in Chichester für 2009 nahezu erschöpft. Denn 300 Arbeitsstunden werden für einen durchschnittlich ausgestatteten Ghost veranschlagt. Für den Phantom muss zwar ein Drittel mehr gearbeitet werden, aber der kleinere Bruder, so versichert man, würde auf gar keinen Fall mit weniger Liebe zum Detail in Handarbeit gefertigt. Etwa 300.000 Euro soll der hinterradgetriebe Viertürer kosten.

Ein Stahltragwerk für den Ghost

Den wesentlichen Unterschied zum Phantom stellt die Karosserie dar. Während das Spitzenmodell auf einem in Deutschland bei BMW geschweißten Aluminiumrahmen aufbaut, nutzt man für den Ghost ein Stahltragwerk. 2435 Kilogramm Leergewicht hat der gar nicht frugale kleinere Rolls, gut 100 Kilogramm weniger als ein Phantom. Eine weitere Differenz sollen die Fahrer- oder Besitzergewohnheiten darstellen. Ein Ghost-Kunde wird meist selbst fahren, sagt Tom Purvis. Hierfür ist der auf 420 kW (570 PS) erstarkte 6,6-Liter-V12 der passende Partner. Höhere Agilität bei nahezu gleichem Platzangebot im Innenraum und einem Kofferraumvolumen von 490 Liter sollen dem Wagen Alltagstauglichkeit verleihen. Die Lehnen der Rückbank sind allerdings nicht umklappbar.

In Europa und in den Vereinigten Staaten setzt sich der Besitzer eines Phantom bisweilen selbst ans Lenkrad, in Asien und in anderen Erdteilen nimmt er lieber im Fond Platz. Diese Erkenntnis hat in der Vergangenheit bereits zur Entwicklung des Cabrios und des Coupés geführt. Die luxuriösen Zweitürer sind zwar keine wirklichen Sportwagen, bieten aber dank üppiger Leistung eine vergnügliche Art der Mobilität. Wer sich in Mailand oder in Los Angeles dagegen eine Phantom-Limousine leistet, setzt gern einen gemieteten Fahrer hinters Volant, wenn er sich samt Begleitung zur Oper, ins Restaurant oder zum Ball fahren lässt.

Das Volumen des Wagens würde zusätzlich dem Elektroantrieb entgegenkommen

Ein Rolls-Royce würde sich auch sehr gut als Elektrofahrzeug machen, sagt Purves. Denn die üblicherweise zurückgelegten Strecken sind vergleichsweise kurz, sie ließen sich trotz des hohen Fahrzeuggewichts von einer leistungsfähigen Batterie mühelos abdecken. Das Volumen des Wagens würde zusätzlich dem Elektroantrieb entgegenkommen. Schnellfahren gehört nicht zu den Lieblingsdisziplinen der Rolls-Kundschaft, wohl aber der zügige Ampelstart. Und der fällt bei einer kräftigen E-Maschine dank des bereits aus dem Stand bereitstehenden maximalen Drehmoments mehr als leicht.

Auch einen Hybridantrieb könne man sich vorstellen. Hierfür steht ja im Bedarfsfall die Serientechnik des Mutterhauses BMW zur Verfügung. Die Kunden seien heute weit umweltbewusster als in der Vergangenheit. Nur einen Diesel, den wird es auf absehbare Zeit nicht hinter der vom Spirit of Extasy oder schlicht Emily genannten Kühlerfigur gekrönten Motorhaube geben. Luxus und Selbstzündung, das passt nach Ansicht des Roll-Royce-Chefs noch immer nicht zusammen.

Die Zutaten für alle Rolls-Royce sind einfach und doch edel. Das Leder stammt aus Deutschland. Im sächsischen Ort Freiberg wird es behandelt, die Wahl beschränkt sich ausschließlich auf Bullen, die zur Rindfleischproduktion beitragen sollen. "Die wachsen schnell und gesund auf, ihre Haut wird nicht durch langen Weideaufenthalt von Zäunen und Gattern beschädigt", lautet die Begründung. Neun Bullen geben ihre Häute für einen Phantom. Das Aluminium kommt aus Skandinavien, Klarheit und Kühle der Region mögen den Ausschlag geben. Rund 20 Prozent der Rolls-Royce-Bestandteile stammen aus dem Programm des Mutterunternehmens BMW, die Taste für das elektrische Schließen der Heckklappe etwa gehört dazu. Aufs Geld schauen mittlerweile selbst die Reichen dieser Erde. 40 Prozent Einbußen musste die Marke in diesem Jahr bereits hinnehmen. Die Flaute beim Luxus wird sich noch bis ins nächste Jahr ziehen, erwartet Tom Purvis. Der Ghost soll den Absatz dann wieder beleben, jetzt im Oktober beginnt die Produktion, die ersten Kunden werden ihren Kompakt-Rolls im Dezember bei einem der 83 Händler der Marke übernehmen.

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