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Renaults Elektromobil Twizy Weder Motorrad noch Auto

 ·  Renault traut sich was. Mit dem (irr)witzigen Gefährt Twizy wollen die Franzosen die Stadt erobern und sich an die Spitze der mobilen Bewegung mit Elektrofahrzeugen setzen. Es soll eine Alternative zu Motorrollern oder Kleinstwagen sein.

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Was ist das? Es hat vier Räder, aber keine Türen. Es kommt im Dezember auf den Markt, aber ohne Heizung. Zwei Personen können darin sitzen, aber nur hintereinander. Es sieht ein wenig aus wie ein Motorrad, erfordert aber keinen Helm und fährt wie ein Auto. Es ist: ein Twizy. Der französische Autohersteller Renault will sich an die Spitze der mobilen Bewegung mit Elektrofahrzeugen setzen, dafür stehen vier Modelle vom Kleinlieferwagen bis zur Stufenhecklimousine am Start. Die witzigste oder irrwitzigste Variante ist das ebenso karg wie wendig daherkommende Stadtmobil mit dem putzigen Namen. Es soll eine Alternative zu Motorrollern oder gebrauchten Kleinstwagen sein und jugendliche Fahranfänger ebenso begeistern wie den aufstrebenden Angestellten um 35 Jahre, der auf dem Weg ins Büro kein Benzin mehr verbrennen will oder darf. Um den Twizy zu verstehen, muss man sich Innenstädte vorstellen, die nur noch emissionsfreien Fahrzeugen offenstehen. Sonst hockt man gedanklich vor der roten Ampel festgezurrt mit zwei Gurten auf dem null Seitenhalt bietenden Fahrergestühl und blickt durch die nicht vorhandenen Seitenscheiben in das Auspuffrohr des von nebenan herüberrußenden Lastwagens.

Immerhin könnte man sich rasch vom Acker machen, denn das 2,32 Meter kurze und 1,19 Meter schmale Elektromobil beschleunigt ansatzlos und fix, flutscht durch die Lücken des Großstadtdschungels, geht flott um die Ecken und lässt sich trotz fehlender Servolenkung leichterhand einparken – gern auch quer zur Fahrbahn. Das motorradähnliche Feeling wird freilich dadurch konterkariert, dass sich der Twizy nicht zur Seite neigt. Und für die in Paris unter Zweiradfahrern ebenso übliche wie gefährliche Schlängelei durch sich stauende Autos taugt er auch nur in Maßen. Dafür verwöhnt der ungewöhnliche Zwitter mit einer die gröbsten Umwelteinflüsse abhaltenden Frontscheibe samt Wischer, einer die Aussicht fördernden Verglasung bis weit in das Dach hinein, Fahrerairbag und einer einigermaßen schützenden Karosserie. Zudem beeindruckt der Wendekreis von nur 6,8 Meter, der eindeutig kleiner ist als der eines Smart oder Renault Twingo.

Für das begrenzte Modell reicht der Führerschein Klasse S

Die Leichtigkeit des Lenkens verdankt das Auto seinen schmalen Reifen (vorn 125/80 R 13, hinten 145/80) und der Tatsache, dass mit dem im Heck untergebrachten Antrieb ein Großteil des Gewichts an der Hinterachse angesiedelt ist. Dort werkeln wahlweise ein 4 kW (5,5 PS) starker Motor im Twizy 45 oder ein 15 kW (20 PS) starker Motor im Twizy 75. Für beide gilt: Eine Taste legt den einzigen Vorwärtsgang ein, eine andere den Rückwärtsgang.

Die schwächere Version darf ein Franzose ohne Führerschein bewegen, was die Marktchancen erhöhen sollte. In Deutschland, wo der Twizy mit Verzögerung im März 2012 eingeführt wird, erfordert das auf 45 km/h begrenzte Modell den Führerschein der Klasse S, für dessen Erwerb einige hundert Euro einkalkuliert werden müssen. Dafür darf man ihn schon mit 16 Jahren machen. Für die Anschaffung des Einsteigermodells sind 6990 Euro fällig, halbhohe Türen im Surfbrettformat (Seitenfenster gibt es nie) kosten extra. Auf ABS wurde verzichtet, es wäre zu teuer, und Renault meint, die vier Scheibenbremsen würden auch so mit dem Fahrzeuggewicht von 350 bis 450 Kilogramm gut fertig. Den Preis für die stärkere, knapp 80 km/h schnelle und autobahntaugliche Variante wollen die Franzosen erst im Sommer bekanntgeben.

45 Euro Monatsmiete für die Batterie

Hinzu kommen jeden Monat 45 Euro Miete für die Batterie bei einer jährlichen Fahrleistung von 7500 Kilometer. Günstiger als in einem herkömmlichen Kleinwagen ist die Elektromobilität also hier nicht zu haben, auch wenn das dreieinhalb Stunden dauernde „Volltanken“ der 6 kWh leistenden Batterie nur rund 1,30 Euro kostet und der Twizy damit unter guten Bedingungen – in der Stadt mit reichlich Energierückgewinnung – 100 Kilometer weit fahren soll. Unter Last auf Überlandfahrten wird freilich höchstens die halbe Distanz drin sein.

Das Erlebnis lässt sich mit einem Passagier teilen, sofern er oder sie bereit ist, sich breitbeinig hinter den Fahrersitz zu klemmen. Dort warten eine erträglich große Höhle und ein Dreipunktgurt. Für kleinere Mitbringsel sind Staufächer im Auto verteilt. Soll mehr Gepäck an Bord, muss die Sozia zu Hause bleiben, dann entert ein maßgeschneiderter Rucksack den Rücksitz. Die fröhlichste Nachricht zum Schluss: Nur der hier vorgestellte Prototyp ist grau wie der Arbeitsalltag. Die Serienversion lässt sich durch wilde Aufkleber so gestalten, wie sich Renault das Leben mit dem Twizy vorstellt: bunt.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für „Technik und Motor“.

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