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Renault Zoé Dieses Elektroauto passt nicht an die Steckdose

Der Zoé ist das überzeugendste E-Fahrzeug der Welt. Doch es hat einen entscheidenden Nachteil: Renaults Zoé braucht eine spezielle Ladesäule. Eine erste Probefahrt.

© Hersteller Vergrößern Auf der Basis des Clio, eigenständig entwickelt als Elektroauto

Dieser Artikel hätte mit Worten nahezu uneingeschränkten Lobes beginnen sollen. Der Renault Zoé, das jüngste Elektroauto des französischen Herstellers, fährt gut, bietet bemerkenswerte Reichweite, hat viel Platz und sieht frisch aus. Es ist diesseits der schier unbezahlbaren Raritäten von Fisker, Tesla oder Mercedes-Benz SLS das derzeit reifste Elektroauto.

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Doch dann fiel die Frage nach der Lademöglichkeit. Antwort: Mit ein und demselben Kabel lässt sich die Batterie auf vier Arten aufladen. Für die volle Ladung sind je nach Ladesäule zwischen zwei und neun Stunden erforderlich. Mit einer Schnellladeeinrichtung lassen sich an 400 Volt Drehstrom 80 Prozent der Kapazität in nur 30 Minuten nachfüllen, hernach reicht der Strom nach ersten Eindrücken abhängig vom Wetter für 100 bis 150Kilometer. Wer besonders sparsam fährt, erreicht sogar mehr, die Normangabe beträgt 210 Kilometer. Das sind erstklassige Werte für ein auf die Stadt ausgelegtes Elektroauto.

23765545 © Hersteller Vergrößern Vor die Wand gefahren: Lade-Wallbox

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, die bittere ist: An Haushaltssteckdosen lässt sich der Zoé nicht anschließen. Er benötigt eine spezielle Ladestation, die Renault Wallbox nennt. Sie muss in der Garage des Eigners installiert werden. Der Zoé kann an ihr tanken oder an öffentlichen Ladesäulen, hier passt sein Mennekes-Stecker. Doch wer im Büro, bei der Oma oder am Restaurant nur eine normale Steckdose vorfindet, ist verloren. Zugegeben, an einer Haushaltssteckdose fließt der Strom langsam. Als Faustformel kann eine Stunde gleich zehn Kilometer Reichweite gelten. Das ist zumindest eine Notfallversicherung, im Elektroauto zählt manchmal jeder Kilometer.

Warum sich Renault für diese technische Lösung entschieden hat, erschließt sich nicht recht. Denn der Konzern hat schon Elektroautos in Betrieb, die (auch) an der Haushaltsdose aufgeladen werden können. Kangoo, Fluence und der in Deutschland schon 2000 mal an Endkunden verkaufte Twizy können es, und der zum Konzern gehörende Nissan Leaf kann es auch. Nur der neueste Spross aus der Familie der Elektromobile kann es nicht. Renault-Vorstand Reinhard Zirpel meint, Sicherheit stehe an vorderster Stelle, man wolle elektrische Leitungen in den Häusern nicht überlasten, wofür die Wallbox die Garantie sei. Zudem wolle man nur ein Kabel im Auto mitführen, für die Haushaltssteckdose wäre ein zweites nötig. Der Kreis der potentiellen Kundschaft engt sich damit freilich weiter ein.

23765546 © Hersteller Vergrößern Frisch gemacht, aber alles aus Kunststoff

Im Kaufpreis des Zoé ist eine Wallbox samt Basisinstallation (sind Vorarbeiten des Elektrikers notwendig, müssen diese extra bezahlt werden) enthalten, doch wer etwa im Büro eine zweite installieren möchte, muss weitere 1100 Euro einkalkulieren. Damit gerät, abgesehen von den Umständen, die Wirtschaftlichkeitsrechnung noch mehr ins Wanken. Schon so fällt sie trotz des relativ günstigen Anschaffungspreises von 21700 bis 23500 Euro zuzüglich Batteriemiete von monatlich mindestens 79 Euro zugunsten eines Diesel aus, im Vergleich etwa zu einem billigeren Clio mit Benzinmotor wird der Abstand noch größer. In Frankreich sieht das anders aus: Da gewährt der Staat 7000 Euro Subvention je Auto, die Region Elsass gönnt sich gar den Luxus, den Zuschuss bis Ende März auf 12000 Euro aufzustocken. Elektromobilität, mithin lokal emissionsfreies Fahren, muss man also wollen.

Wer sie will, wird mit dem Zoé bestens bedient. Das vier Meter lange und 1500Kilogramm schwere Auto fährt in der Stadt und über Land bestens, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 13,5Sekunden ist gut und findet wegen des Einganggetriebes ohne Zugkraftunterbrechung statt. Bis zur abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h geht es flott voran. 88 PS (65kW) werden als maximale Leistung angegeben, als Energiespeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit 22 kWh. Sie ist im Boden untergebracht, wo sie nicht weiter auffällt, nur ist unter den Vordersitzen kein Platz mehr für die Füße. Die gut funktionierende Klimatisierung stellt eine energiesparende Wärmepumpe sicher, VW wird im elektrischen Golf ein ähnliches System einsetzen.

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Das Fahrwerk ist komfortabel ausgelegt. Auch die Sitze wollen verwöhnen, sie haben jedoch wenig Kontur. Im Innenraum herrscht Hartplastik vor, die Kosten. Es ist immerhin hübsch angerichtet, nur spiegelt sich die Armaturenlandschaft störend in Front- und Seitenscheiben. Alle vier Fenster werden elektrisch befehligt, die hinteren fahren vollständig herunter. In Reihe zwei ist Platz für drei Personen bis 1,80 Meter Körpergröße, und die Rückbanklehne lässt sich umlegen, allerdings nur am Stück. Das Gepäckabteil nimmt 338 Liter auf, das genügt für drei kompakte Reisekoffer und jene schmutzfeste Tasche, in der das Wind und Wetter ausgesetzte Ladekabel auf seinen Einsatz wartet. Die Buchse zur Stromzufuhr kauert unter dem Rhombus in der Front.

Alles in allem ist das also ein überzeugender Auftritt, der derzeit überzeugendste auf dem Markt. Die elektrischen VW Golf, Ford Focus, BMW i und wer sonst noch alles vom nächsten Jahr an hinzukommen wird, werden sich am Preis-Leistungs-Verhältnis des im Juni startenden Zoé messen lassen müssen. Wenn da nur die Hürde mit der Steckdose nicht wäre.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 26.03.2013, 08:00 Uhr

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