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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Renault Die Demokratisierung der Schönheit

 ·  Ein Coupé gilt gemeinhin als exklusive Art der automobilen Beförderung. Dass exklusiv nicht unbedingt identisch mit teuer sein muss, dafür sorgt etwa Renault. Beim französischen Hersteller sind bezahlbare Coupés fester Bestandteil des Portfolios.

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Floride hieß der große Wurf. Er fiel 1957 auf eine rasch verzückte Welt, und er führte bei Renault die Demokratisierung des feinen Coupé-Luxus erneut voran. Denn bereits 1934 hatte es dort neben luxuriösen Coupés das Celtaquatre Coupé gegeben, dessen 1,5-Liter-Vierzylinder rund 27 PS mobilisierte, was gut war für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. 1936 folgte das Primaquatre Coupé, zwei Jahre später das Juvaquatre Coupé. Alle drei Typen zählten in den dreißiger Jahren zu den bezahlbaren Träumen auf vier Rädern, die zudem alltagstauglich waren.

Aber wenn schon Alltagsnutzen, dann immerhin stilvoll - das mag das Motto der Coupéfahrer sein. Sie schätzen den eleganten Auftritt sowie das Zugeschneidertsein des Innenraums auf die beiden Vornsitzenden und empfinden lediglich zwei Türen - klassischer Ausdruck eines Coupés - nicht als Last, sondern als Lust. Beschränkung wird offenbar geübt, um sich Freiräume für ein Leben mit Feinsinn und bewusstem Genuss zu erhalten. Nur der Kofferraum darf gern Gepäck auch für die große Reise schlucken, das Ausstattungsniveau kann hoch sein.

Es entfaltete sich eine kompakte Erfolgsgeschichte

Für den Renault Floride kam der Ruf aus Amerika: Nach einem äußerst erfolgreichen Marktdebüt mit dem kleinen Hecktriebler Dauphine - der französische Hersteller legte sich eigens eine Schiffsflotte zu, um in den fünfziger Jahren die große Zahl der gewünschten Fahrzeuge über den großen Teich zu schicken - riefen die dortigen Händler nach einem weiteren Modell. Und sie machten gleich einen konkreten Vorschlag: Ein kompaktes Auto als Coupé wie auch als Cabriolet auf Basis des Dauphine, das ließe sich leicht verkaufen. Sie hatten recht, wobei der Erfolg nicht allein in Amerika eintrat. Gleich nach dem Debüt auf dem Pariser Autosalon im Oktober 1958 gingen, trotz des avisierten Baubeginns erst im Juni 1959, schon 8000 europäische Bestellungen ein, für 1960 folgten noch einmal gut 36.000 Stück des Fahrzeugs, das italienisches Design mit französischem Savoir vivre verband.

Die Amerikaner legten ihrerseits bereits während der Motor Show in New York im Januar 1959 noch einmal rund 13.000 Bestellungen drauf, dort wurde der Typ schließlich unter dem Namen Caravelle vermarktet. Es entfaltete sich eine kompakte Erfolgsgeschichte, die sich mit insgesamt 117.113 Exemplaren bis Juli 1968 zog - nicht schlecht für ein Auto, das stets Eleganz mit Frugalität paarte: Das schicke Coupé hatte in seiner letzten Evolutionsstufe einen 1,1-Liter-Motor mit 52 PS, die immerhin für eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h gut waren.

Die echten Kinder der siebziger Jahre

Renault zeigt sich vom Erfolg angetan. Und hält seitdem am Luxus fürs Volk fest: 1971 folgten die keilförmigen Heckklappen-Coupés 15 und 17. Mit ihren großen Fensterflächen, dem Chromzierrat und zahlreichen Details waren sie echte Kinder der siebziger Jahre: Davon zeugten beispielsweise Rundinstrumente, die in bechergroßen Blendhutzen hausten. Und statt Stoßfänger rahmte ein Stoßleistenband gleich die komplette Scheinwerfer- und Kühlergrillpartie ein, was sicherlich nicht nur im kontaktfreudigen Pariser Stadtverkehr seine Vorteile hatte.

Im Februar 1980 stand dann der Nachfolger namens Fuego auf dem Automobilsalon Genf, sehr eigenständig mit einer gerippten, die Flanken auflockernden Seitenleiste. Der französische Keil präsentierte sich abgerundet und mit einem für damalige Verhältnisse gehörig guten Luftwiderstandsbeiwert von 0,34, was von intensiver Windkanalarbeit berichtete. Als Krone der Modellreihe galt der Fuego Turbo, inklusive rasantem Schriftzug auf der Seite - mit 132 PS (97 kW) aus 1,6 Liter Hubraum waren um die 200 km/h zu erreichen. Es gab aber auch, wenngleich nicht in Deutschland, mit 88 Turbodiesel-PS (65 kW) einen Selbstzünder-Fuego - aus heutiger Sicht zukunftsweisend, damals eher unkultiviert.

Weichgeschliffen und wenig markant

Ein gutes Stück mehr aus der Großserie war dann der 1995 folgende Mégane Coupé Coach. Im Vergleich zu den Vorgängern war sein Design, in der Silhouette an eine bequeme Schlägermütze erinnernd, weichgeschliffen und wenig markant, was vermutlich seinen Teil dazu beitrug, dass Renault bei den kompakten Coupés in dieser Epoche mehr in der Unauffälligkeit lebte.

Mit dem Mégane Coupé-Cabriolet, 2003 lanciert, änderte sich das wieder. Der Hersteller zeigte Mut zur Kante und sprang mit diesem Typ zugleich auf den Zug der Wandelwagen mit Blechdach: Auf Knopfdruck faltete der Mégane sein - voll versenkbares - Dach und machte aus dem Coupé ein Cabriolet. Es ist nach wie vor im Lieferprogramm.

Chapeau vor Renaults Mut

Pünktlich zur aktuellen Saison steht nun die jüngste Ausführung zur Verfügung, wiederum als Teil der Mégane-Familie und von 19.350 Euro an. Die Karosseriedesigner zeichneten ein Coupé mit festem Dach und sportlichem Zuschnitt. Unter dem Blechkleid arbeitet wie bei allen Vorgängern Großserientechnik mit all ihren Segnungen - durchaus Teil der Faszination für die kompakten Coupés von Renault, ziehen sie daraus doch einen guten Teil ihrer Problemlosigkeit und Alltagstauglichkeit. Dafür steht sicherlich auch das Laguna Coupé, das freilich eine Klasse über dem Mégane angesiedelt ist, dafür aber mit Finessen wie etwa einer Allradlenkung punktet.

Aus dem Zirkus der automobilen Eitelkeiten können wir nur sagen: Chapeau vor Renaults Mut, das Coupé in der kleinen Klasse nun schon mehr als ein halbes Jahrhundert kontinuierlich zu pflegen. Es ist sicherlich ein Nischenprodukt. Doch da der Markt mittlerweile fast nur noch aus Nischen besteht, sind wir sicher: Für das kompakte Coupé wird eine dabei sein.

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