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Reisemobile Flott unterwegs, aber komfortabel nur im Stand

 ·  Das Hymercamp GT 614 ist ein Reisemobil mit familienfreundlicher Einrichtung und hochwertiger Ausstattung. Eine Fahrradgarage im Heck ist auch im Urlaub immer dabei.

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Die alte Dame, die zum ersten Mal mit uns in einem Reisemobil fuhr, brachte es auf den Punkt: "Das klappert ja furchtbar, da müssen die aber noch viel dran machen." Wir mußten ihr zustimmen, obwohl wir in einem Exemplar der höheren Kategorie unterwegs waren, dem Hymercamp GT 614, lackiert in modernem Metallicblau.

Damit ist der dicke Minuspunkt vergeben, den vor allem die aufgesetzten Kassetten für Jalousien, Dachlüfter und ähnliche Einbauten zu verantworten hatten, selbst der vielfach verstellbare Tisch fing bei bestimmten Geschwindigkeiten an, hörbar zu vibrieren. Das war auf glatten Straßen schon sehr lästig und wuchs sich auf schlechteren Belägen, die hierzulande mittlerweile weit verbreitet sind, zu einer Kakophonie aus, die dem renommierten Hersteller nicht zur Ehre gereicht. Denn man kann mit dem Hymercamp durchaus flott unterwegs sein, seit der Großversuch läuft, darf man ja "probeweise" mit Mobilen von 3,5 bis 7,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse 100 km/h fahren.

Fiat Ducato als Basis

Unser Hymer war auf 3900 Kilogramm zugelassen und durfte 660 Kilo zuladen. Das Ganze rollte auf dem Fiat Ducato 18 mit Alko-Chassis und wurde gegen 1000 Euro Aufpreis auf den Grundpreis von 55.650 Euro statt vom Basismotor (2,3 Liter) vom 2,8-Liter-TDI angetrieben. Nutzt man das erlaubte Tempo aus, verringert sich die mögliche Reichweite beträchtlich, denn dann schnellt der Verbrauch auf bis zu 14 Liter Diesel je 100 Kilometer hoch.

Komfortabel für vier Personen

Im Stand dagegen herrschte eitel Lob ob der schicken Einrichtung in Birnbaum-Design mit hübschen Alu-Accessoires und hellen Oberflächen, der guten Ausstattung, der vielen Ideen, die das Leben im Mobil komfortabel machen. Der GT 614 ist für vier Personen ideal, Bettumbauten sind nicht nötig. Im beheizbaren Alkoven, dessen halbrunde Form das äußere Merkmal der GT-Baureihe ist, gibt es ein 1,60 Meter breites Bett auf einem Lattenrost, es kann komplett an die Decke geklappt werden, so daß der entstehende Luftraum über den Fahrersitzen das ohnehin schon gute Raumgefühl noch verstärkt. Das erleichtert auch das Platznehmen auf den drehbaren, bequemen Sitzen des Fahrerhauses, die zusammen mit dem in zwei Richtungen verschiebbaren Tisch und einer L-Bank die Sitzgruppe bilden. Mit dem variablen Tisch, der L-Bank geschuldet, muß man sorgfältig umgehen, mit vollen Gläsern bestückt sollte man ihn nur vorsichtig bewegen. Uns ist eine ordentliche Dinette lieber. Zentral über Sitzgruppe und Eingang sitzt ein großes Hebe-Kippdach für Licht und Luft.

Ausreichende Küche

An der 1,25 Meter breiten Küche gibt es nichts auszusetzen, außer daß die Dachkästen mit mattgrünen Glaseinsätzen nicht weit genug öffnen, so daß deren Klappen genau auf Augenhöhe eines 1,80-Meter-Menschen stehen. Das sollte schnell zu ändern sein. Und der Wasserhahn, ein schönes Designer-Stück, sitzt für unseren Geschmack ein wenig zu weit weg. Alles andere kann bleiben: die sechs unterschiedlich großen Auszüge, zentral zu verriegeln und mit integrierten Mülleimern, reichlich Arbeitsfläche, Dreiflammenkocher und Spüle, der Kühlturm daneben mit 150 Liter Volumen und Tiefkühlschrank, das Fernsehfach darüber. Ebenso überzeugend ist das gegenüberliegende Bad mit Dusche, die von einer transparenten, zweiteiligen Rundtür geschlossen wird. Geöffnet weitet sie den Raum vor Toilette und Rundwaschbecken zu einer respektablen Kabine von 1,40 mal 0,80 Meter. Man schließt sie mit einer Schiebetür, die nie im Weg steht. Es gibt genügend Stauraum in diversen Einbauschränken, aber keine Abstellfläche direkt am Becken, der tiefe Spiegel bekommt viele Wasserspritzer ab. Der Luftaustausch erfolgt über einen für ein Bad ungewöhnlich großen (50 x 80 Zentimeter) Panoramalüfter.

Ein Bett auch für Leseratten

Auf das große Heckbett gelangt man über als Staufächer ausgelegte Stufen, mit 1,46 Meter Breite ist es ausreichend für zwei, sehr bequem, und es hat als Reverenz an Bett-Leser eine Art verstellbare gepolsterte Rückenlehne, so daß man hier schmökern kann, ohne etwa die Jalousie am Fenster zu zerdrücken. Spots, wie die an der Sitzgruppe drehbar und in Schienen beweglich, sorgen für Licht, Dachkästen und Ablagen sind reichlich vorhanden, hübsch sind die hellen Ledertaschen an der Rückwand. Die Liegerichtung ist freilich vorgegeben. Wenn man einmal nicht genau in der Waagrechten steht, läge man mit dem Kopf abwärts. Wenig Freude macht der kleine Dachlüfter: Da er keinerlei Überstand hat, regnet es schon bei leichtem Nieseln herein.

Fit für Wintercamping

Der Hymercamp ist für Wintercamping bestens gerüstet. In seinem doppelten Boden sitzen die Wassertanks geschützt (Abwasser beheizbar), er ist gleichzeitig zusätzliche Isolierung der Bodenplatte. Über zwei mit einem trickreichen Öffner greifbare Bodenklappen kommt man gut an die Tanks heran. Wir haben es genossen, daß Hymer wieder die gute alte Tauchpumpe für die Wasserversorgung eingesetzt hat. Die hört man im Gegensatz zur oft dröhnenden Druckwasserpumpe nämlich so gut wie gar nicht. Es gibt genügend Warmluftauslässe im Wagen, um die Heizleistung zu verteilen, man sollte aber für die Kältebrücke Fahrerhaus die Faltverdunkelung mit Isolierwirkung ordern statt der serienmäßigen Kombination aus Rollo und Vorhängen.

Stützen für ungestörten Schlaf

Im Stand macht sich der lange Überhang im Heck bemerkbar. Jede Bewegung im Alkovenbett teilt sich den Heckschläfern mit und umgekehrt. Da lohnt es sich, die Stützen (Aufpreis 275 Euro) herunterzukurbeln, das dämpft die Wackelei. Ein guter Platz für Fahrräder ist die Heckgarage, außerdem noch für all das, was man nicht in den seitlichen Außenstauklappen und dem von ihnen zugänglichen Doppelboden unterbringt. Hinter ihren beiden Türen wartet ein Volumen von drei Kubikmetern, dem Mitnahmeimpuls sollte man dann schon mal das Gewicht gegenrechnen. Praktisch sind die Netze an der Rückwand für Kleinkram, auch die Bedienung des Abwassertanks und die Gasflaschen sitzen hier, das Reserverad liegt im doppelten Boden und ist ebenfalls von der Garage aus erreichbar.

Sinnvolle Extras

Mit dem Basispreis für ein Mobil ist es meist nicht getan. Unser Camp GT 614 hatte das GT-Paket an Bord, das für zusätzliche 1195 Euro einen größeren Kühlschrank (150 statt 97 Liter), eine Fliegengittertür (deren Gitter sich schon beim ersten Anfassen löste), eine elektrisch betriebene Eingangsstufe, die klappernde Faltverdunkelung fürs Fahrerhaus und eine Radiovorbereitung enthält. Weitere nützliche Zutaten stecken im Paket Elegance Plus für 3557 Euro, darunter der Metalliclack, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Tempomat und Klimaanlage. Aber das eine oder andere ist auch separat zu ordern. Dann kann man glücklich werden mit dem Hymercamp GT 614. Aber erst, wenn das Geklapper abgestellt ist.

Quelle: F.A.Z., 13.09.2005, Nr. 213 / Seite T4
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Jahrgang 1950, Redakteurin im Ressort „Technik und Motor“.

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