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Range Rover Maharadscha light

 ·  Bei Land Rover herrscht eitel Sonnenschein. Tata, der indische Besitzer, tut den Engländern mehr als gut. Die Zahlen stimmen, und der neue Range Rover ist plötzlich eine Art Leichtgewicht. Bald fährt er auch elektrisch.

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© Nick Dimbleby/Land Rover So luxuriös wie nie zuvor: der Range Rover im Jahr 2012

Kaum jemand hat es für möglich gehalten, dass Land Rover in indischen Händen so aufblüht. Die Briten gehören zusammen mit ihrer Schwestergesellschaft Jaguar seit 2008 zum verzweigten Tata-Konzern, und viele hatten erwartet, dass die im Premium-Geschäft unerfahrenen Inder die Karre gegen die Wand fahren. Offenbar sind die indische Seele und die englische sich doch näher als gedacht. Zuvor hatten sich BMW und Ford als Eigner versucht, doch die Deutschen waren in Solihull nie sonderlich gern gesehen, und die Amerikaner nervten mit elend langen Entscheidungsprozessen, bei denen schnell die Motivation abhandenkam.

Die Inder dagegen, die haben zwar das Sagen, aber sie sagen wenig. Man lässt die Briten machen, und es läuft blendend. Es gab einmal eine kurze Krise, bei der sogar ernsthaft von Werksschließungen gesprochen worden war, aber jetzt ist Land Rover wieder obenauf.

Viel Geld in den zuvor klammen Kassen

Der kleine Range Rover Evoque, der im vergangenen Jahr das Luxus-Segment gekonnt nach unten erweiterte, sprengt alle optimistische Planung, schon mehr als 100.000 Einheiten sind seit Herbst 2011 gebaut und verkauft worden, das hat es in der Geschichte der Marke noch nie gegeben. Die Welt der Schönen und Reichen ist verrückt nach dem stylischen Evoque, der nahezu 1:1 der 2008 vorgestellten Studie Land Rover LRX entspricht.

Der kleine Range Rove - beschlossen freilich noch in der Zeit mit Ford - spült viel Geld in die zuvor klammen Kassen, die Produktion im Werk Halewood wurde sogar von Zwei- auf Drei-Schicht-Betrieb umgestellt, um der Bestellungen Herr zu werden.

Und im Januar 2013 (Marktstart in Deutschland) lässt Land Rover den nächsten Knüller vom Stapel: Der neue Range Rover (die vierte Generation) ist fertig. Mit ihm wird die Mannschaft um den Deutschen Ralf Speth (ehemals BMW, zuvor Linde) abermals ein Ausrufezeichen setzen.

Rückblick: Als 1970 der bahnbrechende erste Range Rover quasi aus dem Nichts entstand, war das mehr oder weniger ein Wunder. Die gesamte britische Autoindustrie befand sich in einer Art Schockstarre: Alle traditionsreichen britischen Marken und Hersteller waren zwei Jahre zuvor zu dem Großunternehmen British Leyland (gern geschmäht als Britisch Elend) zwangsfusioniert worden. Das war der Anfang vom Ende.

Erstmals klappt alles elektrisch

Der schlanke Geländewagen, der mit permanentem Allradantrieb, Scheibenbremsen rundum und vor allem seinem 3,5-Liter-V8-Motor für Furore sorgte, war der einzige Lichtblick in jener Zeit. Zu Beginn waren Gebrauchtwagen teurer als Neuwagen, schlichtweg weil Leyland mit dem Liefern nicht nachkam. Der Range ist seitdem legendär und aus heutiger Sicht der Urahn aller SUV, jener sportlichen Nutzfahrzeuge (Sports Utility Vehicle), die auf dem Acker eine ebenso gute Figur wie vor der Oper machen.

Wobei ein Range Rover nie vorgibt, mehr zu sein. Er ist im Gegensatz zu vielen anderen SUV auch in der vierten Generation, die diese Woche in London erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, ein waschechter Geländewagen, mit Untersetzung und Terrain Response System, das, gleich auf welchem Untergrund man unterwegs ist, stets das Beste tut.

Andererseits ist der Range Rover 2012 so luxuriös wie nie zuvor, hat mehr Platz und ist trotz geringfügigem Längenwachstum um bis zu 420 Kilogramm leichter als das alte Modell, das von Ende 2001 bis vor wenigen Wochen produziert wurde. Das Geheimnis hinter dem Gewichtsverlust ist die neue, selbsttragende Karosserie aus Aluminium. Diese ist 39 Prozent leichter als bisher. Außerdem sind die Türen, die Motorhaube und viele andere Bauteile aus dem Leichtmetall, der obere Teil der Heckklappe ist aus Kunststoff. Wichtig: Es bleibt bei der horizontalen Teilung, damit die feine Gesellschaft den unteren Teil der Klappe als Picknick-Tisch oder auch zum Pferderennen in Ascot als Sitzgelegenheit nutzen kann. Doch erstmals klappt alles elektrisch. Eine Luftfederung, die den Wagen zum einfacheren Einsteigen „tiefer“ macht, ist Standard.

Insgesamt hat der neue Range um 350 Kilogramm abgespeckt, die plakativen 420 sind etwas geschummelt, denn die restlichen 70 Kilo steuert der 3,0-Liter-V6-Diesel bei, der natürlich leichter ist als die großen 4,4- und 5,0-Liter-Achtzylinder-Motoren, die zuletzt ausschließlich verbaut wurden.

Wie in einem Palast

Das Thema Downsizing ist auch im Range Rover angekommen, zudem schweigt der neue kleine Diesel vor der roten Ampel. So lässt sich ein Normverbrauch von 7,5 Liter realisieren, was in der Realität auf 9 bis 10 Liter hinausläuft. Für ein so großes und immer noch schweres Auto ist das nicht schlecht.

Noch knauseriger wird das Hybrid-Modell sein, das im Sommer 2013 zu dem in Europa verfügbaren Motoren-Trio dazustößt: Der V6-Diesel ist mit einem E-Motor kombiniert, rein elektrisches Fahren gelingt zumindest für kurze Strecken. Stolz sind die Ingenieure darauf, dass die gesamte E-Technik so gut wie keinen Nutzraum kostet.

Ohnehin ist der Innenraum das, worauf es im Range Rover wirklich ankommt. Wie in einem Palast sollen sich die Reisenden fühlen, alles ist aufs Feinste angerichtet, die Möglichkeiten der Individualisierung stehen jenen von Bentley oder Rolls-Royce kaum nach. Wie bislang sind die Armaturen virtuell. Neu sind elektrisch schließende Türen, elektrisch ausfahrende Einstiegshilfen oder auch ein riesiges Glasdach, das sich zudem bis zur Dachhälfte öffnen lässt.

Wer will, bestellt für den Fond zwei exklusive Einzelsitze. Das beste Audio-System hat nicht weniger als 29 Lautsprecher und macht den Range Rover zum Konzertsaal. Das freut den englischen Lord wie auch den indischen Maharadscha.

Der neue Range Rover
  • Länge 4,99 Meter
  • Radstand 2,99 Meter
  • Höhe 1,84 Meter
  • Gewicht ab 2160 Kilogramm
  • Permanenter Allradantrieb mit Untersetzungsgetriebe, Luftfederung, Acht-Gang-Automatik (ZF)
  • Selbstragende Karosserie aus Aluminium, Einzelradaufhängung
  • Motoren:
  1. 3,0-TDV6 mit 258 PS für 89.100 Euro als HSE
  2. 4,4-TDV8 mit 339 PS für 107.100 Euro als Vogue
  3. 5,0-V8 S/C mit 510 PS für 113.600 Euro als Vogue
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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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