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Porsche Panamera Des Knaben schneller Traum

18.06.2009 ·  Ob der Panamera das „falsche Auto zur falschen Zeit“ ist? Jeder hat seinen Traum vom Auto. Der Bub, den wir Tassilo nennen, träumt den Porsche Panamera. Beide treffen sich für eine Fahrt zwischen Hingabe und Coolness.

Von Wolfgang Peters
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Die kleine Ausfahrt ist so terminiert, dass der Porsche Panamera ein paar Tage vor der offiziellen Präsentation im Bayerischen für uns im Schatten des neuen Porsche-Museums in Stuttgart bereit ist. Wir haben ein bisschen telefoniert, die Porsche-Gesprächspartner waren hilfsbereit, es ging schließlich noch um das Erscheinen des Berichtes in dieser Ausgabe der Sonntagszeitung, und auch einen Buben haben wir gefunden, der sich offen zu diesem Auto bekennen mochte.

Das wird ihm Bewunderung (vielleicht von Elias und Jannis) und wohl auch Beschimpfung (von Felix, dem Sohn der Frau des Försters) einbringen. Damit zeigt sich, dass die Welt der Buben recht nah an der Welt der Erwachsenen liegt, die noch nicht so recht weiß, wie sie mit diesem Porsche umzugehen hat. Ob der Panamera das „falsche Auto zur falschen Zeit“ ist, das werden die Kunden und die Buben entscheiden. Sie sind die Kunden von morgen, und mancher wird schon heute mit dem Sparen beginnen.

Der Turbopreis sorgt für Klammheit

Das ist ein hohes Ziel: Den Panamera S, wie wir ihn jetzt schon gefahren haben, weist die Preisliste mit 94.575 Euro aus; er ist das derzeitige Einsteigermodell (eine V6-Version kommt ebenso wie die Hybridausführung) und überträgt die von seinem V8 produzierten 294 kW (400 PS) nur auf die Hinterräder. Das muss in unseren Breiten kein Nachteil sein. Zumal der fünf Meter lange und mit den Außenspiegeln eine rekordverdächtige Breite von 2,11 Meter aufweisende Panamera in dieser Technikkonfiguration auf ein Leergewicht von 1770 Kilogramm kommt. Für die Klasse der High-Noon-Limousinen ist das ein Bestwert. Der mit Allradantrieb und in der Leistung identischem V8 aufwartende Panamera 4S bringt neunzig Kilo mehr auf die Waage. Sein Preis: 102.251 Euro, die Version für Kitzbühel in Österreich oder Vail in Amerika.

Den Superlativ schlechthin liefert der Panamera Turbo, ebenfalls mit Allradantrieb und einer Leistung von 368 kW (500 PS) sowie einem Drehmoment von 700 Nm und einer Höchstgeschwindigkeit von 303 km/h: nur eine einzige, viertürige Limousine auf der Welt ist schneller, um wenige km/h, und die kommt noch aus dem gleichen (künftigen) Konzern. Der Turbopreis sorgt für Klammheit bei Angestellten: 135.154 Euro. Aber der Turbo geht wie ein entfesselter Teufel, und charakterschwache Individuen wie wir lebten schon am ersten Tag mit ihm hinter Gitterstäben und mit gefesselten Händen. Deshalb doch lieber die Basisversion. Aber auch hier droht sofort der Kerker.

Dann glimmt die Liebe zum spektakulären Kino auf

Tassilo schluckt erst mal beim ersten Blick auf den schwarz lackierten, in der schwäbischen Sonne wie ein Stück reine Kohle aus einer anderen Zeit ruhenden Panamera sein Erstaunen runter. Dann glimmt die Liebe zum spektakulären Kino auf, Technik zum Begreifen ist das, Hightech zum Anfassen und Einsteigen, eingekleidet ist der Panamera wie Arnie, seit er Gouverneur ist. Dass Tassilo wahrscheinlich der erste Bub außerhalb der Porsche-Familie im Cockpit des Panamera ist, beeindruckt ihn kein bisschen. Coolness ist alles, wenn man kaum elf Jahre alt ist.

Überraschung zeigt sich nur in seinen Augen. So komprimiert, so muskulös und so nah am Bild vom Porsche, wie es die Buben seit Jahrzehnten sehen, so hat er sich den Panamera nicht vorgestellt. Das wird den Erwachsenen nicht anders gehen, das Heck des Panamera mit Klappe und Chrom ist pure Sinnlichkeit, man wird es in manchen Ländern nur verschleiert fahren dürfen, und der Bug zitiert die Porsche-Identität so intelligent, wie das früher nie der Fall war. Im Innenraum dominieren die bekannten Zutaten zur Erzielung des Charakterbildes. Wenn man es sich einfach machte, dann ist der Panamera ganz schlicht Neunhundertelf mal zwo. Porsche nennt das die vierte Dimension.

Wir können uns diesen Panamera auch als Taxi vorstellen

Der V8 grummelt auf den ersten Startbefehl ungeduldig los. Die Fahrerhand fällt wie von selbst auf den Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes (PDK mit sieben Vorwärtsgängen für diese Version als 3510 Euro kostende Alternative zum Sechsgangschaltgetriebe), und die Fahrstufe rastet mit präzisem Klicken ein. Das Anfahren gestaltet sich mit mildem Gas und vorsichtiger Beschleunigung unproblematisch. Wir können uns diesen Panamera auch als Taxi vorstellen. Und eine elektrisch auszufahrende Anhängerkupplung gibt es auch. Tassilo beobachtet stumm und fragt die Bubenfrage: Wie schnell fährt der Panamera? Gut 280 km/h antwortet der Fahrer und bremst sich auf der Ausfallstraße schnell wieder bei 60 km/h ein.

Das Fahrwerk bietet unterschiedliche Härtegrade, Sport konveniert am besten, dann wirkt der V8 auch wacher und wird schon unter Streicheleinheiten munter wie eine Forelle im Gebirgsbach. Dann rauf auf die A 8, alles ist frei, der V8 legt die Hemmungen ab, Tassilo hält sich am Sitz fest, jetzt erfährt er die Leidenschaft der kontrollierten Kraft, im Auto reichen sich die Regelsysteme den Staffelstab, Sicherheit bietet zuerst der Fahrer und auf ihn kommt es beim Bremsen an, da werden Anker ausgeworfen.

Bis in Temporegionen von etwa 220 km/h

Abrollgeräusche sind nicht zu überhören, beim Beschleunigen legt der Motor die akustische Zurückhaltung ab, hämmert wie ein verwirrter Zimmerer auf dem Dachstuhl und murmelt erst bei gleichmäßiger Fahrt wie ein Kanzleibeamter hinter gepolsterten Türen. Bis in Temporegionen von etwa 220 km/h (mehr gönnte sich die Besatzung angesichts des Aufenthalts auf schließlich doch gut frequentierter Autobahn nicht) glänzen Windgeräusche durch Abwesenheit, das Auto emittiert jedoch jederzeit ein dunkles Summen, als hätten Riesenbienen den Antrieb übernommen.

Ob Stadt oder Landstraße oder Autobahn, immer ist dieses Porsche-Gefühl an Bord: Das Auto wirkt souverän, ohne staatstragend zu sein, das ist vielleicht die beste Eigenschaft des Panamera. Der Fahrer vergisst zunächst die Größe dieses größten Porsche, doch er wird beim Einparken daran erinnert: Die Karosserie ist etwa so übersichtlich wie die Parteienlandschaft nach der jüngsten Europa-Wahl, und wenn die Sonne ungünstig steht, dann spiegelt sich die gesamte Oberfläche des Armaturenträgers mit unschöner Präzision in der Windschutzscheibe. Das ist sehr lästig und für jene Kunden, die ihr Leben als Wüstensöhne fristen müssen, sollte da Abhilfe geschaffen werden.

Porsche baut auch Autos

Wenn tatsächlich irgendwann eine Familie an Bord des Porsche Panamera sein sollte, dann verbietet sich manche fahrerische Übung, wie diese: sehr schnell auf die Kurve zufahren, den richtigen Bremspunkt finden (was angesichts der Zügigkeit des gesamten Vorgangs nicht wirklich einfach ist), die passende Getriebestufe manuell wählen, dann einlenken, das Auto auf den gedachten Radius stellen und mit gutem, aber nicht abrupt einsetzendem Gas durch die Kurve gehen, damit sich aus dem wie auf Schienen rollenden Panamera ein sanft und kontrolliert übersteuernder Porsche herausschält. Tassilo auf dem Beifahrersitz goutiert diese Art des Fahrens. Er ist es von seinem Vater gewöhnt. Nun muss ja kein Familienoberhaupt mit Anhang auf den beiden Rücksitzen diese Form der Fahrpräzision wählen.

Der Panamera bietet weitere Porsche-Eigenschaften auf: Schon die ersten Exemplare halten jene Solidität in Design, Materialwahl und Verarbeitung bereit, die sich unbeeindruckt gibt von jeglichen finanziellen Turbulenzen. Porsche macht also nicht nur Aktiengeschäfte, sagt Tassilo mit der alten Klugheit des Börsianersohnes, sondern baut auch Autos. Und er macht sich bereit für das Ende der Fahrt. Man merkt, wie es in ihm umgeht. Er rechnet. Wir haben Tassilo nämlich für die Teilnahme an der Fahrt in das Zentrum der Bubenträume zwanzig Euro versprochen. Jetzt muss ich nur noch hundertfünfundreißigtausendundhundertvierunddreißig Euro zusammenkriegen. Tassilo hat sich für den Turbo entschieden.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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