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Piaggio Maxi-Roller MP3 LT Roller wird Auto

08.10.2008 ·  Der italienische Zweiradkonzern Piaggio bringt seinen dreirädrigen Maxi-Roller MP3 LT in einer Version nach Deutschland, die von jedem gefahren werden darf, der einen Autoführerschein hat. Sein Vorteil: höhere Bremsleistung und geringere Gefahr.

Von Walter Wille
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Wie ein Auto sieht es nicht aus, aber in gewisser Weise muss man es als solches betrachten. Der italienische Zweiradkonzern Piaggio bringt als bisher beispielloses Ding seinen dreirädrigen Maxi-Roller MP3 in einer Version nach Deutschland (und in andere europäische Länder), die von jedem gefahren werden darf, der einen Autoführerschein hat.

Das klingt fast unglaublich, doch es eröffnet interessante Möglichkeiten für Leute, die keine Fahrerlaubnis für Motorräder besitzen, aber dennoch platz- und spritsparend unterwegs sein wollen. Den Zulassungszahlen zufolge gibt es ohnehin gerade einen kleinen Rollerboom im Land, der praktische MP3 LT könnte ihn zusätzlich befeuern.

Höhere Bremsleistung und geringere Gefahr

Piaggios 2006 vorgestelltes Automatik-Fahrzeug hat hinten ein Rad und vorne zwei, die sich bei Kurvenfahrt neigen. Bisher galt das als Einspurfahrzeug. Der Vorteil dieses von „Technik und Motor“ schon mehrmals beschriebenen Scooters gegenüber normalen Artgenossen: höhere Bremsleistung und geringere Gefahr, auf rutschiger Fahrbahn mit der Front wegzuschmieren und zu stürzen. Der Neigemechanismus der Vorderräder lässt sich auf Knopfdruck arretieren, so dass man beim Anhalten nicht einmal die Füße absetzen muss. Beim Anfahren löst sich die Sperre von selbst wieder. Nachteile hat das pfiffige Konzept auch: Gewicht und Preis sind höher als üblich.

Durch den simplen Kniff einer Spurverbreiterung von 420 auf 465 Millimeter wurde aus dem MP3, der nach einem Motorradführerschein verlangt, nun der MP3 LT entwickelt, der als zweispuriges Kraftfahrzeug homologiert ist - und ohne Hubraumbegrenzung mit dem Autoführerschein bewegt werden darf. Zusätzliche Anpassungen an die Gesetzeslage waren weiter abstehende Blinker sowie eine modifizierte Kennzeichenbeleuchtung. Ferner war eine Fußbremse (mit Pedal auf der rechten Seite) einzubauen. Sie wirkt auf Hinterrad und Vorderräder gleichermaßen und verteilt die Bremskraft im Verhältnis 70 zu 30. Für erfahrene Rollerfahrer ist sie kurios bis überflüssig, denn nach wie vor kann wie gewohnt über zwei Handhebel verzögert werden.

Wendig und dynamisch wie ein Zweirad

Piaggio wird den Auto-Scooter mit einem 250-Kubik-Viertakt-Einzylinder (16,5 kW/22,4 PS, 21 Nm, 125 km/h, 6850 Euro) sowie als 400er (24 kW/32,6 PS, 38 Nm, 140 km/h, 7800 Euro) anbieten. Messebesucher der Kölner Intermot (8. bis 12. Oktober) können schon probefahren. Zur Zielgruppe zählt das Unternehmen in Deutschland vor allem Fahrer von 125er- oder 50er-Rollern, die schon lange davon träumen, ohne Motorradführerschein auf größere Hubräume umzusteigen.

Allen Autofahrern, die wenig oder keine Zweiraderfahrung haben, werden „Fahrspaßtrainings“ angeboten, bei denen sie sich an das Fahrzeug gewöhnen können. Was Wendigkeit und Fahrdynamik betrifft, fühlt sich der MP3 LT nämlich eindeutig wie ein Zweirad an. Man kann bei unsachgemäßem Gebrauch damit auch umfallen. „Wir wollen eine verantwortungsvolle Markteinführung,“ sagt Ralph Zimmer, Piaggios Marketingleiter in Deutschland. Eine Hybrid-Variante soll nächstes Jahr folgen.

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