Tritt das Elektroauto einen Siegeszug in den Metropolen der Welt an? Hat die städtische Jugend noch Interesse am eigenen Fahrzeug oder fährt sie besser mit der U-Bahn? Solche und ähnliche Fragen führen über jene hinaus, welches Auto das beste oder schickste ist. Denn für Großstadtbewohner gilt es, mit dem Tag der Anschaffung das Parkplatzproblem zu lösen.
Um ein Beispiel herauszugreifen: Wer Verwandte in Paris besucht, kann eine halbe Stunde oder mehr mit der Suche nach einem legalen Abstellplatz verbringen. Wer vor Ort wohnt, kann sich eigentlich nur für ein Auto entscheiden, wenn ein Parkplatz gemietet oder gekauft wird. Das stellt sich als hohe Hürde heraus, denn Parkplätze in Großstädten sind teure Mangelware. Beginnen wir direkt mit dem für Autofahrer insgesamt teuersten Pflaster: London.
In Paris fährt man Motorroller
In London kostet Anwohnerparken etwa im Stadtbezirk Camden (Nordlondon) zwischen 86,10 und 166,81 Pfund (100 bis 195 Euro) im Jahr, abhängig von Hubraum und CO2-Ausstoß. Der Höchstbetrag wird für ein Auto mit 2,45 Liter Hubraum und 225g/km CO2 fällig. Elektroautos sind viel billiger: 25,21 Pfund im Jahr. Die sind in London und Umgebung gar nicht so selten, weil man dann kostenlos in die Innenstadt fahren darf, für die ansonsten Maut (Congestion Charge) fällig ist. Die kostet 9 bis 12 Pfund (10 bis 14 Euro) am Tag. Reservierte Plätze sind knapp, der Nachbar unseres Korrespondenten parkt selbst seinen Aston Martin auf der Straße.
Ein überdachter Stellplatz in dessen Viertel erfordert 200 bis 400Pfund (230 bis 460Euro) im Monat kosten. Von der Innenstadt reden wir lieber nicht. Die Beratungsgesellschaft Colliers hat für zentral in London und im West End gelegene Parkplätze bis zu 650Pfund monatlich errechnet, damit sei London wie in den vier Jahren zuvor Spitzenreiter auf der Welt. Allerdings kommt Colliers in allen Städten auf etwas höhere Sätze als unsere Korrespondenten vor Ort. Doch das ist ein schwacher Trost. Die Unterbringung des Autos ist in allen Großstädten teuer.
In Paris hat ein Problem, wer keinen festen Parkplatz hat. Vor allem am frühen Abend, wenn die Menschen von der Arbeit nach Hause kommen, ist die Parkplatznot in den Wohnvierteln groß. Auch deswegen steigen viele auf Motorroller um. Wer sich ein Auto anschaffen will oder von seinem Arbeitgeber einen Dienstwagen in Aussicht gestellt bekommt, denkt deshalb zweimal nach. Für einen nicht überdachten Stellplatz sind bis zu 200 Euro im Monat einzukalkulieren. Und dann ist noch nicht gewährleistet, dass selbiger nahe der Wohnung liegt.
Überdachte Plätze sind noch teurer, Einzelgaragen nahezu nicht zu bekommen. Ein Beispiel aus dem Parkhaus in der Avenue Friedland: Der Kaufpreis für einen Stellplatz beträgt rund 30000 Euro. Für einen festgelegten Stellplatz werden monatlich 267 Euro verlangt. Anwohner können einen Sonderpreis (Nachttarif von 18Uhr bis 9 Uhr) von 110Euro im Monat erhalten.
In Rom zahlen Autobesitzer im Parkhaus auf einem Hügel über der Altstadt und oberhalb des Vatikans (800 Meter von zu Hause entfernt) 230 Euro im Monat. Bis vor einiger Zeit stand noch ein zentraler gelegener Parkplatz für 250Euro zur Verfügung. Dort gibt es aber nun eine Baugrube. Gebaut werden soll eine Tiefgarage, mit Stellplätzen für 120 000 Euro und abgeschlossenen Garagen für 140000 Euro. In den teuersten Gegenden, bei der Spanischen Treppe kann ein Stellplatz 1000 Euro kosten, als Monatsmiete. In den Gegenden dazwischen muss man mit dem Auto ankommen und den Parkplatzeigner fragen. Kommt man mit einem Porsche, kostet es 400 Euro, mit einem Fiat500 nur 290 Euro.
In Abu Dhabi ist ein Stellplatz Gesetz
In Zürich ist es nur einige Kilometer außerhalb erträglich, dort kommt man noch relativ günstig weg. Dann muss man für den Stellplatz mit 50 Franken ( 42 Euro) im Monat aufwärts rechnen, für einen Platz in einer Tiefgarage werden 140 Franken (117 Euro) fällig. Im Übrigen muss jedermann gegenüber der Gemeinde einen Stellplatz nachweisen, oder es wird eine Ablöse fällig. In Zürich selbst sieht es natürlich anders aus. Da ist die Parkplatznot an der Tagesordnung. In den neuen Häusern entstehen zusätzliche Tiefgaragenplätze, aber die muss man kaufen. Je Platz sind rund 45000 Euro fällig.
In Frankfurt herrschen im Vergleich zu anderen Metropolen geradezu paradiesische Zustände. Eine Garage in der Innenstadt kostet etwa 130 Euro, teilweise werden aber auch schon 150 Euro aufgerufen. Die werden in der Finanzmetropole freilich nicht immer für Autos ausgegeben. Wir wissen von einem Investmentbanker, der seine beiden Harley-Davidson einstellt und alle paar Tage vorbeikommt, um seine Lieben zu streicheln. Ähnliches kann sicher auch in Arabien geschehen. Vermutlich hat hier ob der vielen Luxuslimousinen die Standardgarage zudem andere Ausmaße.
In Abu Dhabi jedenfalls schreibt das Gesetz vor, dass jeder Vermieter einen Stellplatz je Wohnung bereitzustellen hat, der in der Miete inbegriffen sein sollte. Das geschieht aber nicht immer. Dann werden zusätzlich 300 bis 350 Euro im Monat für einen Stellplatz fällig, der in der Regel in einer Tiefgarage liegt. Ältere Wohneinheiten haben selten Stellplätze. Dann versuchen die Mieter auf der Straße zu parken, was jedoch schwieriger wird, da die Stadtverwaltung in immer mehr Straßen an Werktagen von morgens 8 Uhr bis abends 21 Uhr Parkgebühren erhebt. Dass jemand einen Stellplatz kauft, ist bislang absolut ungewöhnlich.
Buenos Aires gibt uns einen Einblick nach Südamerika: Ein Tiefgaragenplatz im Zentrum von Buenos Aires kostet monatlich etwa 160 Euro Miete. Die Parkgebühr liegt auf privaten Parkplätzen oder in Parkhäusern/Tiefgaragen bei 2,50 Euro je Stunde. Für 9bis 10 Euro kann man das Auto 12 Stunden abstellen. Städtische Parkplätze sind billiger, die sind aber fast immer voll.
Tokio und andere Metropolen Asiens sind von solchen Zahlen weit entfernt. Ein Platz in einer Innenstadt-Wohnanlage von Tokio kostet derzeit etwa 52500 Yen, das sind nach dem derzeitigen Kurs rund 497 Euro. Wer in einem Parkhaus einen Monatsplatz mietet, zahlt im Durchschnitt 42.000 Yen (398Euro). Die zahlreichen Parkplätze im öffentlichen Raum (direkt an den Straßen) müssen je Tag bezahlt werden, sie kosten 3500 Yen (33,15 Euro).
Auch New York ist ein teures Pflaster
In Singapur kostet ein Platz im Parkhaus zwischen 250 und 500 Singapur-Dollar (rund 286 Euro) im Monat. Was sich wenig anhört, ist es nicht: denn - bis auf ganz wenige Ausnahmen - bekommt man diesen Parkplatz nur, wenn man Mieter in dem jeweiligen Gebäude bist. Das aber ist immens teuer, und die Miete für den Parkplatz kommt dann noch mal obendrauf. Alle anderen müssen „hourly“ parken. Der Preis dafür variiert stark je nach Lage des Parkhauses. Er kann 12 Singapur-Dollar je Stunde erreichen.
In China überlässt die Verwaltung auch in Sachen Parkplatz offiziell nichts dem Zufall. Nach Vorgaben des Planungsministeriums NDRC darf in Peking ein Stellplatz im Freien für Kleinwagen nicht mehr als 150 Yuan im Monat (17 Euro) und 1600 Yuan im Jahr (182 Euro) kosten. Für größere Autos sind es 210 und 2300 Yuan (24 und 262Euro). Tatsächlich aber betragen die Gebühren, rügt die NDRC, bis zu 400 Yuan im Monat (46 Euro). Ein Tiefgaragenplatz in Peking kostet 300 bis 400 Yuan im Monat (34 bis 46 Euro). Für das Hauptgeschäftsviertel CBD hat Colliers gar Kosten von 45 Yuan am Tag und 1000 Yuan im Monat errechnet (5 und 114 Euro). Der Erhebung zufolge sind die Hauptgeschäftsviertel in Schanghai die teuersten in Festland-China. Dort erfordert ein Platz 80 Yuan am Tag und 1900 im Monat (9 und 216Euro). Spitzenreiter ist indes Hongkong. Dort muss man 220beziehungsweise 5800 Hongkong-Dollar ausgeben, das sind 21 Euro am Tag oder 543 Euro im Monat.
New York steht dem kaum nach und ist ebenfalls ein besonders teures Pflaster. Um die Wallstreet herum fordern Parkhäuser rund 8 Dollar (6 Euro) je halbe Stunde. Monatlich kostet ein Tiefgaragenplatz in Manhattan zwischen 275 Dollar (Harlem, rund 200 Euro) und 600Dollar (Midtown/Downtown, 450 Euro). Kein Wunder, dass so viele U-Bahn fahren.