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Pariser Autosalon 2006 Französische Sehnsucht nach der Oberklasse

28.09.2006 ·  Der Pariser Autosalon ist die Arena der französischen Marken. Renault, Peugeot und Citroen wollen den Heimvorteil nutzen und zeigen mit Freude am Risiko ihre Zukunftsstudien. Die verspielten Concept-Cars sollen ihnen künftig den Aufstieg in die Champions League bescheren.

Von Michael Kirchberger
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Auto-Ausstellungen haben sich im Lauf der vergangenen Jahre immer stärker zum Marketinginstrument der Hersteller entwickelt. Gilt die Vorstellung der Volumenmodelle als Pflicht, ist die Kür hingegen die Präsentation des Aufsehenerregenden und Visionären. In den teilweise neugestalteten Hallen des Paris Expo an der Porte de Versailles geben sich vom 30. September an (bis zum 15. Oktober) vor allem die französischen Hersteller die Ehre, ihre Sicht der mobilen Dinge zu offenbaren. Die drei großen Marken der Grande Nation - Peugeot, Citroën und Renault - präsentieren gleich mehrere Studien und werden nicht müde, ihre Sehnsucht nach der Oberklasse zu leben.

Luxus und Leidenschaft, aber auch die Gedanken über nachhaltige Mobilität stehen auf dem Pariser Automobilsalon im Mittelpunkt. Neben den nach oben strebenden Studien gibt es Autos zu sehen, die ihren heutigen Serienkollegen optisch weitgehend gleichen, unter ihren Gewändern aber die Abkehr vom fossilen Brennstoff verstecken. Wasserstoff soll die Lösung aus der Abhängigkeit ermöglichen. Die Idee ist nicht neu, wird aber überzeugend vorgetragen. Daß alle drei dabei ihre Markenidentität nicht verlieren, zeugt von einer gewissen Stilsicherheit.

Im „Halbblut“ steckt viel Vollblut

Große Worte findet Citroën für ein Auto, dessen Name eher eine gewisse Wildheit und unstetes Wesen impliziert. C-Métisse - Halbblut - tauften die Designer ihre Vision eines Coupés, das Leidenschaft mit Vernunft paaren soll. Der langgestreckte Wagen duckt sich auf die Straße, seine Fensterfront verspricht einen eher schlechten Ausblick aufs Umfeld und mündet über den riesigen Hinterrädern direkt in die aufgestellten Kotflügel. 4,75 Meter mißt der C-Métisse bei einer Breite von rund zwei Metern und einem äußerst knappen Höhenmaß. Nur 1,24 Meter müssen dem Menschen am Lenkrad genügen.

Die Formensprache folgt dem Stil der Marke. Ähnlich wie beim noch jungen C6 (4,91 Meter Länge) schlagen die C-Säulen einen kühnen Bogen und münden direkt in die Heckpartie. Statt der Rückleuchteneinheiten wie beim C6 folgen beim C-Métisse Chromspangen der Linie. Ganz im Stil der neuen automobilen Konfigurationen hat der Wagen nicht zwei Türen, wie es sich für ein Coupé gehören würde, sondern vier. Die aber öffnen sich auf spektakuläre Weise. Die vorderen schlagen wie Flügel auf, die hinteren beschreiben eine Kreisbahn, während sie nach hinten klappen. Der Kofferraumdeckel schließlich schiebt sich zum Beladen des Gepäckraums mit einer Parallelogramm-Kinematik über das Wagenheck hinauf.

Concept-Car bietet überraschende Funktionen

Die technischen Ideen und die Ausstattung vereinen bekannte Oberklasse-Details mit überraschenden Funktionsangeboten. Das Knopf-Ensemble zum Starten des Motors ist über der Windschutzscheibe im Dachhimmel eingebaut. Sensoren messen die Augenposition des Fahrers und richten die Sitzeinstellung daran aus, fahren den Sessel automatisch in eine optimale Lage. Die Kopfstütze ist federnd am Dach befestigt. Neben dem Fahrer finden zwei Passagiere im Innenraum Platz.

Der Antrieb des C-Métisse basiert auf Hybridtechnik und kombiniert einen 150 kW (208 PS) starken Dreiliter-V6-Motor mit einer Speicherbatterie und Elektromotoren. Die sind jedoch anders als bei der Anfang des Jahres präsentierten Technikstudie C4 Hybrid nicht an den Antriebswellen, sondern direkt in den Hinterrädern eingebaut. Citroën verspricht sich hiervon einen geringeren Kräfteverlust. Zusammen leistet das Duo 30 kW (40 PS) und hilft, die souveräne Beschleunigung in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu realisieren.

Peugeot 908 RC: Luxuslimousine mit 700 PS

Bei der Schwestermarke Peugeot stehen gleich mehrere Studien zur Schau. Die aufsehenerregendste ist gewiß die Luxuslimousine 908 RC. Mit einer ausladenden Spoilerlippe vorn erinnert sie zwar an eine eigentümliche Mischung aus Gabelstapler und Butt. Die aerodynamischen Eigenschaften des Vorbisses sind jedoch angesichts der zu erwartenden Fahrleistungen überaus nutzbringend. Schließlich leistet der quer vor der Hinterachse des viertürigen Wagens eingebaute V12-Diesel stramme 515 kW (700 PS) und stellt ein maximales Drehmoment von mehr als 1.200 Newtonmetern bereit. Das Triebwerk sei natürlich mit einem Partikelfilter ausgestattet, beeilt sich Peugeot zu bemerken.

Einen Ausblick auf den Nachfolger des 206CC gibt der 207 Epure und zeigt dabei, daß eine Brennstoffzelle im Coupé-Cabrio Platz findet. Der 20 kW leistende Stack erlaubt dem Wagen eine Reichweite von 350 Kilometern und 130 km/h Höchstgeschwindigkeit. Neu ist der Peugeot 207 Spider, der in Anlehnung an den 20Cup entstanden ist. Der offene Zweisitzer hat einen Heckmittelmotor und lenkt mit den hinteren Rädern. Ihm bleibt der Platz im Starterfeld auf der Rennstrecke vorbehalten.

Fließende Linien und dynamischer Auftritt

Luxus zum Dritten gibt es bei Renault zu sehen, hier nun als Cabriolet der Zukunft. Wieder fließen die Linien und sollen dem Wagen einen dynamischen Auftritt bescheren. Der Netpa beeindruckt mit seiner flachen Seitenlinie, Erinnerungen an den Jaguar E-Type Convertible werden geweckt. Dessen Haube war zwar noch länger, er hatte aber nur zwei Sitzplätze an Bord. Die vier Einzelsitze des Netpa sind fest am Wagenboden montiert. Für die korrekte Haltung am Lenkrad kann der Fahrer dieses samt Pedalerie und Instrumententräger elektrisch betrieben in den richtigen Abstand bringen. Ein Turboladerpärchen und direkte Benzineinspritzung ermuntern den 3,5-Liter-V6 zu 309 kW (420 PS). Dies soll nach Renault-Angabe für einen Beschleunigungswert von 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h genügen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.09.2006, Nr. 38 / Seite V9
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