Tempo 120 zeigt der digitale Tacho. Leise rollen die Räder über den glatten Asphalt, der Wind säuselt versöhnlich um die Karosserie. Vom Antrieb ist fast nichts zu spüren. Allein ein zartes Summen ist zu hören, kaum eine Vibration stört die entspannte Reise. „Das ist ja wie eine Fahrt mit einem Zwölfzylinder“, bemerkt der Kollege auf dem Beifahrersitz. Aber wir bewegen uns nicht in einem Audi A8 W12 oder einem 600er Mercedes über die Autobahn von Amsterdam nach Den Haag.
Es ist ein Opel Ampera, der uns mit reinem Elektroantrieb mindestens 60 Kilometer weit bringt. Mit erstaunlicher Durchzugskraft und geringen Mobilitätskosten. Etwa 3,20 Euro kostet das Aufladen der 16 kWh starken Bordbatterie an der nächsten Steckdose, gut einen Euro mehr würde die Fahrt in einem vergleichbaren Auto mit Dieselmotor an Treibstoffkosten verursachen. Wenn die Reise weiter führen soll oder sich keine Ladestation in Reichweite befindet, schaltet sich ein Vierzylinder-Benziner zu, der dem Akku über einen Generator wieder auf die Beine hilft oder den 1730 Kilogramm schweren Ampera bei schnellerer Fahrt direkt antreibt. Ein Mobilitätskonzept, das keine Brückentechnik sein soll, sondern die Antwort auf steigende Anforderungen an CO2-Reduzierung und Energiewandel ist, sagt Opel.
Der Ampera sprintet mit einem Drehmoment von 370 Nm, das aus dem Stand heraus anliegt, in neun Sekunden von 0 auf 100 km/h. 161 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich, bei diesem Tempo schwindet die Reichweite allerdings mit erschreckender Eile, die Eco-Anzeige auf dem farbigen Monitor vor dem Fahrer verwandelt sich vom sachte rotierenden, grün beblätterten Ball zu einem orange leuchtenden Zankapfel. Gleiten statt eilen lautet die Aufforderung, die der Opel an seinen Nutzer stellt. Ein zügiger Zwischenspurt ist erlaubt, dann aber heißt es schnell wieder maßhalten und den Stromfuß zügeln.
Für Urlaubsfahrten zu knapp bemessen
Der Ampera wird in eine schlanke Karosserie gekleidet, mit geschwungenen Scheinwerfergehäusen, die Säbelzähnen gleichen. Die Stufe hinter der C-Säule wirkt mächtig aufgesetzt, stört aber den Rückblick vom Platz am Volant aus nicht. Und bringt Kofferraumvolumen. 310 Liter Gepäck lassen sich unter dem hohen Heckdeckel verstauen, wer die beiden Einzelsitze im Fond nach vorne klappt, steigert es auf 1005 Liter. Was weniger gefällt, ist die geringe Zuladung. Ganze 278 Kilogramm sind erlaubt, das ist für eine Urlaubsfahrt zu knapp bemessen.
So stilsicher der Innenraum des Elektro-Opel gestaltet wurde, so behelfsmäßig wirkt die stoffartige Gepäckraumüberspannung. Ein Mittel zur Gewichtsreduzierung sei das, sagt der Opel-Vorsitzende Karl-Friedrich Stracke, der wie viele Antriebsspezialisten aus Rüsselsheim an der Entwicklung des E-Autos beteiligt war. Als Zubehör wird es wohl bald eine festere Abdeckung geben und eine Mittelarmlehne für den Fond gleich dazu.
Jede Haushaltssteckdose ist tauglich
Wichtig aber ist, dass das Grundkonzept stimmt. Mehr als 5000 Autofahrer haben dies schon bis heute so empfunden und sich einen Ampera reservieren lassen. Vor allem aber die hohe Zahl der Neuakquisitionen sei beachtlich. „Die meisten Käufer kommen von anderen Marken und eine ganze Reihe sogar von Porsche“, sagt Alain Visser, Vorstand mit den Aufgabenbereichen Marketing und Vertrieb. Für Opel ist das eine neue Erfahrung. Die Interessenten seien allesamt sehr an Technik interessiert, heißt es, deshalb gibt es neben penibler Einführung in die elektrische und elektronische Bordausstattung des komplexesten aller Opel auch virtuelle Dienstleistungen.
Verschiedene Apps für moderne Mobiltelefone sollen das Leben mit und im Ampera erleichtern. Über sie erhält der Nutzer Auskunft darüber, wo die nächste Ladestation ist, wo es Gratisparkplätze für E-Fahrzeuge gibt oder welcher Händler bei technischen Problemen helfen kann. Denn von den 4500 Opel-Servicestationen in Europa dürfen nur 200 dem Elektrowagen hinter die Kiemen schauen. Spezielle Schulungen und die Mechaniker-Ausbildung zum Starkstromtechniker sind die Voraussetzungen dafür. Das gilt freilich nicht für den Ladevorgang, jede Haushaltssteckdose mit 230 Volt Wechselstrom und 16 Ah Absicherung ist tauglich. Maximal vier Stunden dauert es, bis eine leere Ampera-Batterie wieder vollständig zu Kräften gekommen ist.
Acht Jahre oder 100.000 Kilometer Fahrtstrecke Garantie
Diese praxisgerechte Konfiguration und die Zahl der Vorbestellungen hat Opel dazu veranlasst, die Absatzerwartungen nach oben zu setzen. Statt der 8000 Elektroautos, die in Detroit für Deutschland bestellt wurden, sollen es im kommenden Jahr rund 10.000 Ampera sein, die den Weg aus den GM-Werken von November an auf unsere Straßen finden.
Damit die Kunden auch mit einem neuen Mobilitätskonzept sicher planen können, gibt Opel acht Jahre oder 100.000 Kilometer Fahrtstrecke Garantie auf die Batterie und eine lebenslange auf das Gesamtfahrzeug. Und damit Fußgänger und Fahrradfahrer vor dem Leisetreter gewarnt werden, hat Opel eine zusätzliche Hupe eingebaut. Die klingt weniger machtvoll als das offizielle laute Horn, eher so sympathisch wie Till Brönners gestopfte Jazz-Trompete.
Die Technik des Opel Ampera
Länge/Breite/Höhe: 4,5/1,79/1,4 m
Radstand: 2,69, Wendekreis: 11 m
Elektrischer Fahrmotor: 111 kW (151 PS); 370 Nm
Range Extender Benzinmotor: 1,4-Liter-Vierzylinderbenziner, 63 kW (86 PS), 130 Nm bei 4250/min
Batterie: Lithium-Ionen-Batterie mit aktiver Flüssigkeitstemperaturregelung, 16 kWh, 288 Einzelzellen, 198 Kilogramm Gewicht, Ladezeit rund vier Stunden
Höchstgeschwindigkeit: 161 km/h. Von 0 auf 100 km/h in 9 s
Reichweite elektrisch/mit Range Extender: 40-80/500 km
Energieverbrauch elektrisch/mit Range Extender nach Normmessung: unter 16 kWh/unter 1,6 l auf 100 km, CO2-Ausstoß: unter 40 g/km
Interessantes Konzept, aber ...
Konstantinos Dafalias (ruamzuzler)
- 12.07.2011, 11:25 Uhr
Das isses
Ludwig Kirschstein (Bleyfuss)
- 12.07.2011, 11:56 Uhr
Zukunft
Christian Jobst (chrisel)
- 12.07.2011, 13:57 Uhr
Zukunft liegt eher in der Brennstoffzelle
Jim Greek (Jos_Vik)
- 12.07.2011, 14:45 Uhr
@JosVik
Ludwig Kirschstein (Bleyfuss)
- 12.07.2011, 15:33 Uhr
