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Oldtimer Neuer Lack für die alte Liebe

13.11.2006 ·  Wenn aus einem alten Rosthaufen wieder ein VW Käfer Cabrio werden soll, ist man in Reichertshofen an der richtigen Adresse. Georg Memminger restauriert das Traumauto. Das hat zwar seinen Preis, dafür erhält man aber einen edlen Wagen.

Von Wolfgang Peters
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Ein neues Auto zu fahren, das aussieht wie ein altes Vehikel: Das ist ein Vergnügen, dessen Raffiniertheit nur noch von einer bretonischen Hummersuppe übertroffen wird, in der weder das Schalentier noch ein Bretone anzutreffen ist. Aber sie schmeckt köstlich. An diesem VW Käfer Cabrio aus dem bayerischen Reichertshofen ist alles echt, aber nicht echt alt.

Das bullige und knuffige Auto mit der gewölbten und von textiler Machart dominierten Stoffmütze steht im Glanz unzerstörbarer Jugend. Das Licht eines schönen Herbsttages liegt auf ihm wie ein unvergängliches Lächeln (ja, das ist Kitsch, aber die Wahrheit ist das häufig!). Der Lack ist makellos, nirgendwo gibt es auch nur einen Hauch von Korrosion, das Interieur ist fein und reinlich wie die Wiege eines kleinen Prinzen, der Motor klingt gesund wie eine kleine Geröll-Lawine, und das Getriebe, in ihm läßt sich mit jener Präzision der Gangwechsel vollziehen, die man sonst nur von digitalen Schaltern kennt. Das Käfer Cabrio mit Erstzulassung am 23. März 1978 war während seines kompletten bisherigen Lebens noch nie so gut wie heute im Jahr 2006.

Das Rückgrat

Das hat Gründe, und deren Anwesenheit in dem Auto ist kein billiges Vergnügen. Der offene Käfer vom Typ 1303 mit der Fahrgestellnummer 1582044089 hat im Herbst 2006 einen Grundpreis von 37 800 Euro, der mit weiterer Zusatzausstattung durchaus höher sein kann. Er ist – das kann man einer mehrseitigen Dokumentation entnehmen – bis auf eine nicht unwesentliche Ausnahme ein neues Auto: Georg Memminger von „Memminger Feine Cabrios & Stahlbau GmbH“ mit dem Werk in Reichertshofen bei Ingolstadt benötigt für die „Restauration“ dieses oder eines anderen VW Käfer nur das Rückgrat der Bodenplatte mit der Fahrgestellnummer. Wenn Memminger diese Voraussetzungen an einem VW Käfer Cabriolet erkennt, dann geht von ihm die Aura eines großen Glücks aus. Mehr benötigt er nicht, um selbst aus einem Rosthaufen, aus einem Wrack, aus einem Zeugnis der Zerstörung wieder ein neues VW Käfer Cabrio entstehen zu lassen. Das hat seinen Preis, der nicht unerheblich erscheint, aber der in oakgrün-metallic lackierte Käfer ist es einem Memminger-Kunden wert.

Traumwagen

Natürlich erhält man mehr als nur ein perfekt restauriertes Käfer Cabrio. Es ist das Vehikel für eine Reise in die Zeit vor dem aktuellen Beetle Cabriolet. Und es ist ein Rückblick auf einen Traumwagen, den man sich damals nicht leisten konnte, den man aber schon immer haben wollte. Der noble Käfer. Der Käfer mit der Aura des Andersseins. Heute ist der Preis höher als damals, aber von dem einstigen Studenten der Philosophie und jetzigen Besitzer einer Kette von Suppenrestaurants (bretonischer Hummer!) wird er für die Erfüllung eines Traums als durchaus angenehm empfunden.

Alles an diesem Auto ist massiver, als man es heute findet. Die Türen schließen mit sattem Geräusch, am Türgriff könnte man das komplette Auto aufhängen, und der Innenraum ist eine Puppenstube der Sauberkeit. Der Motor erwacht auf den ersten Schlüsseldruck, und er vibriert wie einst im Mai. Aber der einstige Käferkerl mutierte zu einem Kraftkerl, so klingen niemals die serienmäßig vorhandenen 50 PS aus dem Jahr 1978. Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxer holt aus 2 Litern 80 PS, und der Sebring-Edelstahl-Sportauspuff macht daraus gehörte 200 PS. Nicht an Bord sind: ein ABS (daran arbeitet Memminger gerade in Kooperation mit Teves) und eine Servolenkung (ist aus Gründen des wahren Fahrgefühls nicht vorgesehen).

Er ist nicht billiger geworden, aber besser

Man vermißt die Servolenkung auch nur beim Einparken. Wenn der alte Neu-Käfer rollt, dann tut er das mit der ihm eigenen 15-Zoll-Nonchalance. Der Motor hat ordentlich Durchzugskraft, man kann schon bei Schrittgeschwindigkeit in den zweiten und wenig später in den dritten Gang gehen, die Schaltung ist wie eh und je eine unangestrengte Wanderung mit einem dünnen Stock. Im vierten Gang preßt sich der Wagen auf 150 bis 160 km/h, wir lassen es dabei bewenden, weil die Maschine noch nicht richtig eingefahren ist und wir uns an das sanfte Gieren des Autos noch nicht gewöhnt haben. Auch ohne die Möglichkeit, 200 km/h zu erreichen, ist man gut dabei, mit einem Auto, dessen Technik im Prinzip noch aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt und dessen Faszination noch immer – oder schon wieder – ungebrochen ist.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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