Home
http://www.faz.net/-gya-qxvc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Oldtimer Frau Professor und der Karmann Ghia

Professor Elisabeth Noelle, die Grande Dame der Meinungsforschung, hat eine ganz besondere Beziehung zum VW Karmann Ghia, der nun 50 Jahre alt ist. Deutsche Klasse und italienische Rasse verbündeten sich für dieses Auto jenseits aller Zeiten.

© Vergrößern Zeitlos schön: Das VW Karmann Ghia Cabriolet

Es gibt kaum eine Facette des öffentlichen Lebens, über die sie sich noch nicht ihre Gedanken gemacht hat: Elisabeth Noelle ist die Grande Dame der deutschen Meinungsforschung, und vieles ist in den bisher 88 Jahren ihres bewegten Lebens von ihr und über sie geschrieben worden, nur ihre Liebe zum Automobil blühte bisher etwas im verborgenen.

Frank Boris Schmidt Folgen:  

Dabei hat sie schon 1935, mit 18 Jahren, in ihrer Geburtsstadt Berlin den Führerschein gemacht, auf einem DKW mit Holzboden, sie erinnere sich genau, sagt sie heute. Das Auto war für die aufstrebende junge Dame ein selbstverständlicher Gegenstand. Ihre Eltern waren wohlhabend, sie hatten stets einen großen Fuhrpark nebst Chauffeur. Bewegt wurden Automobile mit klangvollen Namen: Brennabor, Horch oder Packard. Auch ihre Mutter fuhr selbst, meist den Horch.

Frühe Liebe zum Automobil

Aus heutiger Sicht war die junge Elisabeth Noelle eine "Emanze", sie tut Dinge, die für junge Frauen zumindest ungewöhnlich waren. Sie fährt Auto, studiert in Berlin bei Emil Dovifat Zeitungswissenschaft und schreibt ihre Doktorarbeit über Meinungsforschung in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nach der Recherche vor Ort macht sie eine Weltreise, später wird sie Redakteurin, zuletzt bei der "Frankfurter Zeitung", dort ist sie die erste Frau in der Redaktion. Kurze Zeit später wird das Blatt von Hitler verboten. 1947 gründet sie zusammen mit ihrem damaligen frisch angetrauten Ehemann und Journalisten Peter Neumann (den Doppelnamen, unter dem sie bekannt und berühmt wurde, benutzt sie seit drei Jahren nicht mehr) das Institut für Demoskopie in Allensbach. Das kleine Dorf am Bodensee war damals ihr Zuhause, und die französische Besatzungsmacht suchte jemanden, der Umfragen unter Jugendlichen organisieren konnte. Noelle-Neumann konnte und wollte.

noellefbs2 © Vergrößern Ewige Liebe: Professor Elisabeth Noelle in ihrem Karmann Ghia Coupé von 1971

Noch heute lenkt sie die Geschicke des "Instituts für Demoskopie" in Allensbach, seit 1988 zusammen mit Renate Köcher. Das Institut selbst hat sie 1996 in eine selbständige Stiftung verwandelt. Daß die Meinungsforscherin auch noch mit 88 Jahren vor Ideen, Tatendrang und Forschergeist strotzt, konnte sie im März bei Sandra Maischberger im Fernsehen zeigen. Sie würde auch noch Auto fahren, wenn eine Augenoperation vor fünf Jahren sie nicht zum Aufgeben gezwungen hätte.

Mit dem Karmann Ghia durch Amerika

Zwar hatte die erfolgreiche Wissenschaftlerin, die neben ihrem "privaten" Institut als leitende Professorin das Institut für Publizistik an der Gutenberg-Universität in Mainz aufgebaut hat, schon früh einen Chauffeur - schließlich kann nur der, der nicht fährt, auch im Auto arbeiten. Doch das eigene Auto war ihr immer wichtig, in den sechziger Jahren fuhr sie VW Käfer Cabriolet, ihre große Liebe galt und gilt aber dem VW Karmann Ghia. In dieses Auto hat sie sich regelrecht verguckt, und sie läßt nichts auf es kommen. Während einer Amerika-Reise begleitete sie ein Karmann Ghia durch 40 von 50 Bundesstaaten.

Symbol des Wirtschaftswunders

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Auto der Zukunft Noch ist der Mensch der überlegene Fahrer

Roboterautos funktionieren nur im Film? Die Universität Ulm arbeitet am autonomen Fahren auf öffentlichen Straßen. Bis 2030 sollen erste Entwicklungen fertig sein. Mehr

09.08.2014, 10:08 Uhr | Technik-Motor
Taxi-Konkurrent Berlin verbietet Mitfahrdienst Uber

Nach dem Verbot in Hamburg untersagt auch die Hauptstadt die umstrittene Uber-App. Der Berliner Senat droht mit einer hohen Geldstrafe, sollte das Unternehmen seinen Mitfahrdienst weiter vermitteln. Mehr

13.08.2014, 20:57 Uhr | Wirtschaft
Drohendes Importverbot Moskau lässt die Autokonzerne bangen

Noch brummt das Geschäft der deutschen Autohersteller. Doch in China und Russland kommen sie zusehends unter Druck. Wie gefährlich wird das? Mehr

18.08.2014, 12:13 Uhr | Wirtschaft

Das Netz weiß es

Von Boris Schmidt

Wie sehr das Internet unser Leben verändert hat, ist immer wieder gern Gegenstand von Diskussionen. Was überwiegt – die Vorteile oder Nachteile? Mehr 1

Hinweis
Die Redaktion