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Notrufsystem E-Call Brüssel, wir haben ein Problem

Für 2015 ist das europäische Notrufsystem E-Call geplant. Die Technik ist entwickelt und fasziniert. Doch E-Call kommt nicht voran. Zu viele Beteiligte treten auf die Bremse.

© dpa Vergrößern Jetzt ist schnelle Hilfe gefragt: Pläne für ein internationales Notrufsystem werden seit mehr als zehn Jahren von der EU vorangetrieben

Der Wirrwarr könnte nicht größer sein. Ob das europäische Notrufsystem E-Call tatsächlich von 2015 an in allen Neuwagen zur Pflichtausstattung gehören wird, ist keineswegs sicher. Es geht bei E-Call um die rasche Auffindung, Bergung und Versorgung von Verletzten nach einem Verkehrsunfall. E-Call soll - manuell oder automatisch ausgelöst - die nächstgelegene Notrufzentrale alarmieren, dort wiederum ist der Fahrzeugstandort präzise zu orten. Dank des Zeitgewinns lässt sich die Zahl der Verkehrstoten senken und die Schwere von Verletzungen im Straßenverkehr reduzieren. E-Call verteuert alle Neuwagen, aber seine Nutzung erfolgt unentgeltlich.

Das alles hört sich gut an, und entsprechende Pläne werden seit mehr als zehn Jahren von der EU vorangetrieben. Die entsprechenden Standards sind formuliert, nun müssen die einzelnen Länder der EU die Bestimmungen des europäischen Notrufsystems in nationale Rechtsvorschriften umwandeln. Einige Länder wie Frankreich spielen nicht mit, denn Peugeot und Citroën haben schon mehrere hunderttausend Fahrzeuge mit einem eigenen System ausgestattet, das mit der E-Call-Philosophie nicht kompatibel ist.

Befürchtungen der Datenschützer sind nicht nachvollziehbar

Auch in Deutschland regt sich Widerstand: Freie Werkstätten, Hilfsdienste und Teilehändler fürchten, dass bei einer Pannenmeldung der Autofahrer in die nächstgelegene Markenwerkstatt gelotst würde. Die Autohersteller könnten mit neuen Telematikdiensten den Zugang zu Informationen monopolisieren und die Auslastung der eigenen Werkstätten zu Lasten der freien und des Teilehandels verbessern.

Katwarn - Die Stadt Bad Homburg führt das SMS-Frühwarnsystem für Katastrophenfälle ein, mit dem die Bürger sich schnell über Gefahrenfälle informieren lassen können. © Rüchel, Dieter Vergrößern Zu Beginn des Anrufs werden automatisch Informationen über den Unfallzeitpunkt, die Fahrtrichtung, die GPS-Koordinaten der Unfallstelle und die Fahrzeugidentifikation übertragen

Kein Wunder, dass angesichts dieser Szenarien auch die Datenschützer energisch einschreiten: Wenn jedes Fahrzeug mit GPS-Empfänger ausgestattet sei, könnten lückenlose Bewegungsprofile jedes einzelnen Fahrzeugs unabhängig von einem Unfall erstellt werden. Der Autofahrer als gläserner Bürger in der Hand der Telematik?

Angesichts solcher Befürchtungen sollte man zunächst einen Blick auf die technischen Spezifikationen des europäischen Notrufsystems werfen. Was ist E-Call, wie soll es funktionieren? Im Fahrzeug basiert das System auf einer kleinen Box mit Mobilfunkeinheit, GPS-Empfänger und Antennenanschluss, die weniger als 100 Euro kosten wird. Das hört sich zwar nach perfekter Überwachungstechnik an, aber die „Dormant Sim“ in der Mobilfunkanlage macht den Unterschied. Wie der Name schon sagt, „schläft“ die Sim-Karte. Sie ist weder an einen Netzbetreiber gebunden noch lässt sie sich von „außen“ über die Netze ansprechen. Sie hat vielmehr nur eine einzige Aufgabe: Wird ein Notfall detektiert oder manuell der Notruf ausgelöst, erwacht die Sim-Karte zum Leben und bucht sich in das stärkste Mobilfunknetz der Umgebung ein, auch im Ausland übrigens. Bis dahin werden in der E-Call-Box keinerlei Daten gesammelt. Da die Dormant-Sim bis zur Notfallauslösung nicht in ein Netz eingebucht ist, lässt sich weder das Fahrzeug orten noch können Bewegungsprofile erstellt werden. Die Befürchtungen der Datenschützer sind also nicht nachvollziehbar.

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