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Norman Fosters „Signature“ Die geteilte Yacht ist eine günstigere Yacht

17.01.2009 ·  Norman Foster hat eine extravagante Luxusyacht entworfen und sorgt damit für Diskussionsstoff. 41 Meter lang ist die von dem britischen Stararchitekten gezeichnete „Signature“. Wer sie besitzen will, muss allerdings mit anderen teilen können.

Von Sebastian Schmidt
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Wenn sich ein Mann wie Norman Foster an den Entwurf einer Superyacht macht, ist ihm die Aufmerksamkeit der gesamten Branche gewiss. 41 Meter lang ist die von dem britischen Stararchitekten gezeichnete Aluminium-Yacht namens „Signature“. Wie so mancher seiner kühnen Gebäudeentwürfe sorgt auch Fosters maritime Experimentierfreude für Diskussionsstoff.

Auf den ersten Blick wirkt das elliptische Gefährt nämlich so, als habe es einen extrem hohen Schwerpunkt, was bedeuten würde, dass die Konstruktion über nur geringe Querstabilität verfügt. Kritiker meinen, das Alu-Ei könne auf starken Seitenwind im Extremfall mit Schlagseite bis zum Umkippen reagieren. Mike Brodie, technischer Inspektor beim „Signature“-Bau, weist das energisch zurück. „Der Eindruck beruht auf einer Art optischen Täuschung, welche die vermeintlich massiven Rundbögen hervorrufen“, sagt der Brite. Die beiden riesigen Rundbögen aus innenverstrebten Aluprofilen, die an ihrem Scheitelpunkt eine Höhe von fast neun Meter über der Wasserlinie erreichen, hätten dank ihres vergleichsweise geringen Gewichts kaum Auswirkungen auf die Schwerpunktlage und seien somit kein Problem für die Querstabilität.

So viel Licht wie möglich

„Wir haben außerdem noch fast sieben Tonnen Blei im Kiel und alle Aggregate sowie Motoren im Wasserlinienbereich integriert. Das sorgt zusammen mit zwei Stabilisatorflossen für die nötige Stabilität“, versucht der Dreiundfünfzigjährige verbleibende Zweifel auszuräumen.

Foster habe sowohl seine spektakuläre Außenhülle als auch alle Innereien peinlich genau durchdacht, hebt Sam Crockford hervor, der als technischer Leiter von der ersten Stunde an am Bau beteiligt war. Deswegen seien die kühnen Schwünge zwischen Bug und Heck auch keine reine Designangelegenheit. „Sie ermöglichen erst das Spiel mit Licht, Schatten und Aussicht, das Foster als Grundkonzept für unsere Yacht entwickelt hat“, sagt der in Amerika zum Schiffsingenieur ausgebildete Crockford.

So viel Licht wie möglich ins Gebäudeinnere zu leiten ist einer der Grundgedanken in Fosters Architekturfabrik. Auf die Seefahrt übertragen, wo Licht durch die verschiedenen Reflexionswinkel der bewegten Wasseroberfläche eher im Übermaß vorhanden ist, hieß die Maxime, den Lichteinfall intelligent zu steuern. Mit jalousienartigen Lamellen aus Metall, die über weite Flächen der Schiffsseiten geführt werden, gelingt das, ohne dass die Aussicht darunter leidet. Fast von jedem Punkt des rundum verglasten Decksalons aus hat man einen 180-Grad-Panoramablick aufs Wasser.

Wie auf einem Kreuzfahrtschiff

Aber auch an Ecken, die auf anderen Yachten normalerweise im Halbdunkel bleiben, gelangt auf der Foster-Kreation Licht: Ein Lichtdom in Form einer sieben Meter hohen Wendeltreppe mittschiffs sorgt dafür, dass sich die Lichtstrahlen, die durch einen transparenten Einlass im Sonnendeck einfallen, ihren Weg durch luxuriös eingerichtete Decks hindurch bis fast in den Maschinenraum bahnen können. Nachts versorgen Hunderte in alle Treppenstufen integrierte Leuchtdioden die minimalistisch in hellen Farben möblierten Innenräume mit Helligkeit.

Die beiden schon beschriebenen riesigen Rundbögen könnten vor allem auf See einen weiteren angenehmen Nebeneffekt erzeugen. Schon auf der noch im Bau befindlichen Yacht hat man beim Auf und Ab auf den äußeren Gangways das Gefühl, wie auf einem Kreuzfahrtschiff unter dem Schutz von Bogengängen zu wandeln. Das mag bei schwerem Wetter vor allem nicht so seefesten Passagieren zugutekommen, ganz zu schweigen vom handfesten praktischen Nutzen eines permanenten Spritzwasserschutzes. Dank der schräg gestellten Lamellenschlitze verliert man gleichwohl die See nicht aus dem Auge.

Jede Yacht wird acht Eigentümer haben

Rauhen Seegebieten allerdings sollen die „Signature“-Yachten nach dem Willen ihrer Erbauer möglichst fernbleiben. „Wir werden die Boote zwischen zehn Basen im Mittelmeer und drei in der Karibik hin- und herbewegen“, kündigt Michael Sugden an. Dass der Mann überhaupt über mögliche Einsatzorte und Aktionsradien der von ihm verkauften Yachten verfügen kann, liegt am besonderen Geschäftsmodell, das sich das Unternehmen Yachtplus für Fosters extravagante Kreationen erdacht hat. „Fractional Ownership“, frei übersetzt „anteiliger Besitz“, nennt sich das Konzept. Jedes der 41-Meter-Alu-Eier wird nicht nur einen, sondern gleich acht Eigentümer haben. Jeder erwirbt das Recht, die Luxusyacht an 34 Tagen im Jahr zu vorher vereinbarten Terminen mit bis zu zwölf Gästen zu nutzen. Jedes Exemplar wird von einer sieben Mann starken Proficrew gefahren. „Wir garantieren jedem Yachtplus-Eigner jeweils elf Nächte in Karibik und Mittelmeer sowie zwei sechstägige Törns, die beispielsweise zum Besuch von großen Kulturfestivals, Sportereignissen wie etwa einem Formel-1-Rennen oder einfach zum Sightseeing genutzt werden können“, sagt Marketingleiter Sugden.

Während der Törns bringen zwei 1400 PS starke Caterpillar-Dieselmotoren mit zwei Fünfblattschrauben die 205 Tonnen schweren Superyachten auf bis zu zwölf Knoten Marschfahrt. Das ist eine eher gemächliche Form der Fortbewegung. „Wir wollten nicht alles auf einmal neu erfinden. Je aggressiver und avantgardistischer das Design, desto konservativer und zuverlässiger sollte die dahinter steckende Technik sein“, sagt Sam Crockford.

Eine verlockende Form des Yachtbesitzes

Wer der Sache nähertreten will, muss wissen: Um auf einer „Signature“ dabei zu sein, ist zunächst die Einstiegshürde von 1,85 Millionen Euro zu nehmen. Im laufenden Betrieb kommt dann noch eine jährliche Gebühr von 200.000 Euro hinzu. Damit kommt man in den Genuss eines „24/7 Lifestyle Management Services“: Yachtplus-Mitarbeiter kümmern sich um alles von der Buchung der Anreise bis zur detaillierten Törnplanung. Außerdem entledigt man sich so weiterer, von Luxusyachteignern normalerweise als lästig empfundener Aufgaben und Verpflichtungen. Etwa von der Suche nach geeigneten Dauerliegeplätzen und qualifizierter Crew über das Organisieren regelmäßiger Wartungs- und Reparaturarbeiten bis hin zum späteren Verkauf der Yacht. Der steht bei Yachtplus nach genau acht Jahren an, so lange laufen die Eignerverträge. Das Unternehmen mit Niederlassungen in London und Lugano hofft, dann noch fast 70 Prozent des Neupreises von 14,8 Millionen Euro zu erlösen.

Sugden hält das für eine verlockende Form des Yachtbesitzes, erlaube sie doch durch intelligenten Kapitaleinsatz die Nutzung eines 40-Meter-Kalibers zum Preis einer 20-Meter-Yacht. Verschiedene Untersuchungen hätten ergeben, dass selbst Yachten mit einer Baulänge von um die 20 Meter oft nur 30 Tage im Jahr genutzt würden, erläutert der Yachtbroker. Selbst Jolleneigner wissen, dass daran viel Wahres ist: Wer arbeitet, ist oft kaum in der Lage, sein sauer verdientes Boot auch nur annähernd so zu nutzen, wie das theoretisch möglich wäre. Zugleich bleiben ihm aber alle festen und variablen Kosten. Sugden nimmt an, dass sich künftig immer mehr Eigner für das Superyacht-Teilen interessieren werden.

Der erste „Signature“-Stapellauf ist seit rund einem Jahr überfällig

Er beansprucht dabei schon jetzt eine Führungsrolle für seine Firma (www.yachtplus.co.uk), auch wenn bis jetzt noch nicht eine einzige Yachtplus-Yacht schwimmt: „Wir haben inzwischen schon 20 Anteile fest verkauft und werden in nicht einmal drei Jahren eine Flotte von zehn identischen ,Signatures‘ ganzjährig im Einsatz haben.“ Vier Abschlüsse fehlen noch, um eine dritte Yacht voll betreiben zu können. „Kämen die nicht mehr rechtzeitig vor Fertigstellung der Baunummer drei zusammen, wäre das auch kein Problem. In der Zwischenzeit würden wir die Yacht als Schulungsplattform zur Ausbildung neuer Crews nutzen“, äußert Crockford.

Die Erstzeichner der Baunummern eins und zwei warten derweil mit Engelsgeduld. Der erste „Signature“-Stapellauf ist seit rund einem Jahr überfällig. Seit drei Jahren werkeln täglich bis zu 100 Leute auf der Vertragswerft Rodriquez im toskanischen Massa Carrara an den Booten. „Typische Schwierigkeiten, wie sie im Protoypenstadium oft vorkommen, führten zu Verzögerungen“, sagt Crockford zur Erklärung. In einigen Wochen soll es endlich so weit sein.

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