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Veröffentlicht: 04.08.2014, 10:06 Uhr

Neuer Rettungshubschrauber Der Autopilot bringt die Retter

Er ist leiser und bietet mehr Flexibilität und Sicherheit bei Notfällen und Patiententransport: Der EC 145 T2 von Airbus Helicopters, ein Rettungshubschrauber auf der Höhe der Zeit.

von Jürgen Schelling
© Foto Airbus Helicopters Germany Entlastung: Den Piloten im neuen Rettungshubschrauber EC 145 T2 von Airbus Helicopters unterstützt ein hochmoderner Autopilot auch bei komplexen Flugmanövern

Was muss ein Rettungshelikopter alles können? Rasch zum Unfallort gelangen, auf unterschiedlichstem Terrain landen, Verletzte aufnehmen und sicher wieder starten. In der Luft soll bis zur Landung Erst- und Intensivversorgung von Patienten möglich sein. All das soll auch unter schwierigen Wetterbedingungen wie starkem Wind funktionieren. Nicht zuletzt soll er einfach zu fliegen sein, um die Arbeitsbelastung des Piloten gering zu halten. Denn der muss mehrere Einsätze am Tag fliegen.

Ein Resultat so vielfältiger Anforderungen ist der neue EC 145 T2. Von diesem Modell des deutsch-französischen Unternehmens Airbus Helicopters hat die DRF Stiftung Luftrettung mit Sitz in Filderstadt 25 Maschinen im Wert von etwa 200 Millionen Euro fest bestellt, die ältere Muster vom Typ BK 117 ersetzen sollen. Die erste Maschine wurde gerade in Donauwörth übergeben.

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Der EC 145 T2 ist zwar neu, er vereinigt aber bewährte Komponenten früherer Modelle in sich. Denn Airbus Helicopters, bis Anfang dieses Jahres besser unter dem Namen Eurocopter bekannt, hat mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Bau von Rettungshubschraubern. Eine der Vorläuferfirmen von Eurocopter, Messerschmitt-Bölkow-Blohm, baute schon nach 1960 effiziente Helikopter, etwa die Bo 105, die bis heute im Einsatz ist.

Seit deren Entwicklung hat sich vieles verändert. Ein sogenanntes Glascockpit, bei dem der Pilot alle wichtigen Triebwerks-, Fluglage- und Luftraum-Infos auf mehreren großformatigen Displays angezeigt bekommt, ist im EC 145 T2 serienmäßig. Es erlaubt beispielsweise, notfalls auch ohne Sicht nach außen in den Wolken oder im Nebel zu fliegen.

Fenestron-Heckrotor sorgt für mehr Sicherheit

Unterstützt wird der Pilot bei seinen Einsätzen von einem hochmodernen Autopiloten: Ähnlich wie bei einem Verkehrsflugzeug kann dieser alle Steuerfunktionen übernehmen, ein programmiertes Ziel und auch selbsttätig einen Flughafen anfliegen. Die jüngste Version dieses Autopiloten kann sogar einen automatischen Start absolvieren oder einen Schwebeflug punktgenau bis einen Meter Höhe über Grund einhalten. Das ist besonders im Winter und im Gebirge wichtig. Da wirbelt der Heli beim Landen den Schnee stark auf, es kann zum gefürchteten Orientierungsverlust des Piloten kommen. Der Vierachsen-Autopilot im EC 145 T2 ist vermutlich seinen Kollegen in Airbus, Boeing und Co. überlegen: Ein Hubschrauber muss nicht nur auf der Stelle schweben können, manchmal fliegt er auch rückwärts, etwa beim Start von einem engen Landeplatz.

30456698 © Airbus Helicopters Germany Vergrößern Glascockpit: Alle Informationen werden auf großen Displays angezeigt

Die abrufbaren Automatikfunktionen entlasten den Piloten deutlich. Gerade beim Abflug vom Unfallort muss er nicht nur sein Arbeitsgerät steuern, auf Hindernisse achten und den Kurs bestimmen, sondern oft auch noch auf der Funkfrequenz des nächsten Flugplatzes nach den Wetterbedingungen am Ziel fragen. Multitaskingfähigkeit gehört zu den Hauptanforderungen für Piloten eines Rettungshubschraubers. Anders als seine Kollegen im Airliner kann er sich auch nicht ausführlich mit Hilfe von Anflugkarten auf seine Landung etwa bei einem Verkehrsunfall vorbereiten.

Noch aus einem weiteren Grund kann der Kommandant eines EC 145 T2 bei Start und Landung zwischen Häusern, Straßenlampen oder Bäumen etwas entspannter manövrieren: Anders als bei den beiden Vorgängermodellen BK 117 und EC 145 hat die neue T2-Version keinen freilaufenden Heckrotor. Schnell drehende Rotorblätter können Menschen am Boden verletzen oder bei Berührung mit einem Hindernis abscheren. Stattdessen gibt es beim EC 145 T2 einen sogenannten Fenestron-Heckrotor, bei dem sich die Blätter wie in einem Gehäuse drehen. Dadurch ist der Heckrotor besser vor Beschädigungen geschützt. Gleichzeitig ist er deutlich leiser als das frühere System. Das werden besonders Anrainer bei Nachteinsätzen schätzen. An acht Stationen der DRF Luftrettung in Deutschland darf rund um die Uhr geflogen werden.

Bereits 100 Festbestellungen

Ein Beitrag zu mehr Sicherheit sind auch die stärkeren Triebwerke des EC 145 T2: Zwei Turbinen vom Typ Turbomecca Arriel mit je 1038 PS sorgen dafür, dass der neue Heli schneller steigt und mehr Nutzlast befördern kann als die Vorgänger. Der EC 145 T2 bleibt flugfähig, wenn eine seiner beiden Turbinen ausfällt. Er kann problemlos mit nur einem laufenden Triebwerk zum nächsten Landeplatz fliegen. Gehen im unwahrscheinlichen Fall der Fälle sogar beide Turbinen gleichzeitig aus, besteht dennoch Aussicht auf ein gutes Ende: Der EC 145 T2 kann wie jeder Helikopter, wenn er genügend hoch fliegt, mit Hilfe der sogenannten Autorotation sogar bei Motorausfall notlanden. Dass die neuen Turbinen nicht nur kräftiger, sondern auch sparsamer als ihre Vorgänger sind, kommt der Einsatzdauer zugute, die sich auf mehr als drei Stunden plus Reserve erhöht.

30456700 © Airbus Helicopters Germany Vergrößern Intensivstation: Der Arbeitsplatz des Notarztes

An Bord des EC 145 T2 der DRF Luftrettung befinden sich normalerweise ein bis zwei Patienten, dazu ein Rettungsassistent sowie der Notarzt sowie tagsüber ein Pilot und auf Nachtflügen zwei. Mit diesem Helikopter werden auch Patienten von Intensivstationen zwischen weit entfernten Kliniken transportiert. Der EC 145 T2 hat eine hohe Reichweite von über 700 Kilometer. Umfangreiches medizinisches Equipment macht ihn zum sogenannten Intensivtransporthubschrauber.

Bis zum Jahr 2022 sollen alle 25 EC 145 T2 an die DRF Stiftung Luftrettung ausgeliefert werden, die in Deutschland 28 Stationen betreibt. Insgesamt hat Airbus Helicopters mehr als 100 Festbestellungen für den Hubschrauber vorliegen, der am Standort Donauwörth gebaut wird.

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