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Neuer Porsche 911 Turbo Endlich steht eine Fünf davor

21.10.2009 ·  Der neue Turbo sieht - als Coupé wie als Cabrio - zwar aus wie der alte, hat aber ein ganz neues Herz bekommen. Der Porsche 911 Turbo (997 II) hat mehr Leistung und Kraft, und dennoch deutlich weniger Verbrauch.

Von Gerd Gregor Feth
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Der neue Turbo sieht - als Coupé wie als Cabrio - zwar aus wie der alte, hat aber ein ganz neues Herz bekommen. Deshalb gibt es erstmals in der fünfunddreißigjährigen Geschichte dieser besonders schnellen Elfer deren zwei aufgeladene Basisversionen in einer einzigen Baureihe: Die Familie 997 hat den 2006 vorgestellten Turbo mit der römischen Ordnungszahl I und jetzt den neuen, der mit II bezeichnet wird. Am Heck steht einfach nur „Turbo“.

Aber dahinter werkelt ein völlig neuer, Sechszylinderboxer mit direkter Benzineinspritzung und 3,8 Liter Hubraum, der jetzt 368 kW (500 PS) leistet, etwa 15 kW mehr als bisher. Diese magischen 500 dürften kein unbedeutendes Argument am Stammtisch sein, obwohl selbst dort immer mehr Experten wissen, dass es auch bei einem Porsche vor allem aufs Drehmoment ankommt, und das ist jetzt sogar um 30 auf 650 Nm gewachsen.

Die Version I war noch 15 Kilo schwerer

Diese Schippe mehr beschleunigt das 1645 Kilogramm wiegende Fahrzeug - die Version I war noch 15 Kilo schwerer - in 3,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, und nach 11,3 Sekunden wird die 200 km/h-Marke passiert - sein absolutes Ende findet dieser Sprint erst bei 312 km/h. Auch dieser Turbo hat eine kaum zu merkende Schwäche beim Leistungsaufbau, bereits beim Vorgänger hat man allenfalls noch von einer „Delle“ gesprochen. Er hängt sehr gut am Gas, vor allem weil er wieder verstellbare Schaufeln in seinen beiden Ladern hat. Der 911 Turbo II ist ab 21. November lieferbar und kostet als Coupé 145 871, als Cabrio 157 057 Euro.

Seine atemraubende Beschleunigung verdankt er vor allem dem siebenstufigen Porsche-Doppelkupplungsgetriebe, das die Tiptronic S ersetzt und jetzt erstmals in der Turbo-Version erhältlich ist (PDK-Aufpreis: 3915 Euro); zusammen mit der Benzindirekteinspritzung, einer verbesserten Turboaufladung und dem Sport Chrono Paket (Aufpreis 4546 Euro) wird der stärkste aller Turbos einen Wimpernschlag schneller, weil in einer Overboost- Phase der Ladedruck für maximal zehn Sekunden um 0,2 auf 1 bar steigt und so eine Kraftentfaltung von gewaltigen 700 Nm - 50 mehr als bisher - ermöglicht. Das erlaubt schnelle Sprints, flotte Überholvorgänge und sogar einen „Kavalierstart“ namens Launch Control, für den der Fahrer aber mit einem recht unsanften Schlag ins Kreuz bestraft wird. Für Ampelduelle im öffentlichen Straßenverkehr ist diese Fahrweise nicht zu empfehlen; die Technik soll diesen Vorgang 4200mal aushalten, da haben die Reifen bestimmt schon weit vorher ausgedient. Die Höchstgeschwindigkeit von 312 km/h ist selbst auf deutschen Autobahnen kaum sicher zu erreichen. Sie sei sowieso „nie Entwicklungsziel“ bei Porsche, berichtet Baureihenleiter August Achleitner. Bei Porsche gilt offenbar noch immer das Credo von Ferry Porsche - der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte -, wonach ein echter Porsche nun mal ein Fahrzeug sei, mit dem man „schneller ums Eck kommt“.

Ein verbessertes Hinterachssperrdifferenzial

Dafür gibt es im neuen Turbo das so genannte Porsche Torque Vectoring (PTV Aufpreis: 1309 Euro), ein verbessertes Hinterachssperrdifferenzial, das durch minimale Bremseneingriffe am kurveninneren Hinterrad die bei Porsche nicht unbekannte Untersteuerneigung spürbar reduziert. Dieser Fahrwerksbaustein dürfte mit dem Allradantrieb (PTM) und dem elektronischen Fahrdynamikregler (PSM) im bevorstehenden Winteralltag bestimmt segensreich zusammenarbeiten, um den Fahrer im Alltag mit einer höheren Lenkpräzision und Kurvenstabilität zu belohnen; auf Rennstrecken ermöglicht das PTV deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten, was wir bei ersten Fahrten im portugiesischen Estoril erlebt haben. Zudem lassen der elektronisch gesteuerte Allradantrieb, PSM und die Sport-Plus-Taste (Sport Chrono Paket) gerade so viel Schlupf zu, dass das bei Porschefahrern recht beliebte Driften erstmals für jeden Fahrer erlebbar und gut beherrschbar bleibt.

Der neue Porsche Turbo gehört zu den sparsamsten Sportwagen seiner Klasse. Für das handgeschaltete Basismodell nennt Porsche einen Normverbrauch von gerade einmal 11,7 Liter Super Plus auf 100 Kilometer. Mit dem PDK sollen es 11,5 Liter sein; im Vergleich mit der Tiptronic S sind das 2,2 Liter weniger. Das bedeutet auch weniger CO2: Das Doppelkupplungsgetriebe lässt den Kohlendioxidausstoß gegenüber dem Vorgänger mit der alten Wandlerautomatik um 18 Prozent, im Vergleich zum Schaltgetriebe um 11 Prozent sinken. In den Vereinigten Staaten, der Heimat der meisten 911 Turbo, unterliegt der neue als einziger unter den hochmotorisierten Sportlern nicht der „Gas Guzzler Tax“. Für die Freunde des heckgetriebenen 911 Turbo hat Porsche gewöhnlich den GT2 als eine zweite, noch sportlichere Version im Programm. Dessen Neuauflage wird für das nächste Jahr erwartet.

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