04.06.2005 · Porsche hat auf Basis des Boxster ein Coupé entwickelt - den Cayman S mit 295 PS. Im Herbst kommt der Sportwagen auf den deutschen Markt.
Von Gert HackDer Namensgeber des neuen Porsche-Coupés soll auf den ersten fünf Metern schneller beschleunigen, als ein Hase flüchten kann. Nicht schlecht für einen mittelgroßen Alligator. Für einen Porsche, zumal noch mit dem Kürzel S im Typenschild, wäre das freilich zuwenig. Doch man muß sich keine Sorgen machen. Der Cayman S ist ein echter Porsche, in jeder Beziehung.
Der Cayman läuft unter dem Konstruktionskürzel 987 und verrät damit, daß er zur Baureihe Boxster zählt. Er hätte also auch "Boxster-Coupé" heißen können. Das wäre freilich etwas einfallslos gewesen, hätte aber den Kern der Sache getroffen. Wie sieht ein Boxster-Coupé aus? Gut, erstaunlich gut sogar. Porsche-Design hat das Kunststück fertiggebracht, unter wirklich engen Rahmenbedingungen eine Coupéform zu kreieren, die porschetypisch ist und dennoch nicht dem 911 ins Gehege kommt.
Einsteigen und losfahren
Der komplette Vorbau des Boxsters wurde übernommen, profiliert sich aber mit prägnanten Lufteinlässen an der Frontschürze, in denen kleine Nebelscheinwerfer böse funkeln. Stärker als beim Boxster wölbt sich hinter der Windschutzscheibe das feste Dach (plus 13 Millimeter), macht aber dann in Kopfhöhe einen fast linearen Abschwung. Die eingezogenen hinteren Seitenscheiben, vor allem aber die typischen Lufteinlässe vor den Hinterrädern unterscheiden den Cayman klar vom Elfer. Mit betörendem Hüftschwung schmiegen sich die dicken, hinteren Kotflügel an die Dachlinie. Sie sind auch im Rückspiegel ein erfreulicher Anblick. Der kurze Überhang, eine Folge des Mittelmotorkonzepts und des längeren Radstands, veredelt die Proportionen und endet in einem knackigen Heck, aus dessen Mitte typische Auspuffgeräusche aus zwei verchromten Endrohren dringen. Man möchte einsteigen und losfahren.
Zusätzlicher Kofferraum
Fahrer und Beifahrer empfängt bekanntes Boxster-Interieur, demzufolge ist auch hinter den Sitzen kaum Platz. Die Wochenendausgabe der F.A.Z. paßt gerade dazwischen. Neu ist freilich der unter der fast unsichtbar eingefügten Heckklappe verborgene Kofferraum, der bis zu 260 Liter Gepäck aufzunehmen vermag. Vorne kommen dann nochmals 150 Liter dazu. Das sollte auch für eine längere Spritztour reichen.
Bekannte Technik
Bekannt ist auch die Technik. Die präzise geführte und gewichtsoptimierte Radaufhängung, die hervorragenden Bremsen (auf Wunsch auch mit Keramikscheiben), das leicht schaltbare Sechsganggetriebe (wahlweise Tiptronic) und im Prinzip auch der Sechszylinder-Boxermotor. Allerdings wurde er für den Cayman S von 3,2 auf 3,4 Liter Hubraum geliftet und bekam die vom 911 bekannte, flexible Ventilsteuerung VarioCam plus, die außer variablen Einlaßsteuerzeiten noch eine Ventilhubumschaltung ermöglicht. Damit stieg die Leistung auf 217 kW (295 PS), das Drehvermögen macht auch bei 7000/min noch nicht halt, und das Drehmomentmaximum (340 Newtonmeter) reicht von 4400 bis 6000 Umdrehungen. Da der Cayman dank konsequentem Leichtbau nur 1340 Kilogramm auf die Waage bringt, profitieren die Fahrleistungen von einem Leistungsgewicht, das bei 4,6 Kilogramm pro PS liegt. Porsche nennt 5,4 Sekunden für den Standardsprint auf 100 km/h. Am Ende der Beschleunigungsfahrt sollten 275 km/h anliegen. Bei 100 km/h fährt übrigens automatisch ein kleiner Heckflügel aus, der den Auftrieb reduzieren hilft.
Porsche legt allerdings nicht nur Wert auf Längsdynamik, sondern auch auf ausgeprägte Querdynamik. Hier sind das geringe Gewicht und die dank Mittelmotorkonzept ausgeglichene Gewichtsverteilung sehr hilfreich. Und die Präzision des Lenkverhaltens profitiert von der im Vergleich zum Boxster doppelt so hohen Karosseriesteifigkeit. Handling und Querbeschleunigung des Cayman liegen jedenfalls im Spitzenbereich der bekannten, sportlichen Leistungsträger. Rallye-Legende Walter Röhrl nutzte diese Grundeigenschaften, um mit dem Cayman S in nur acht Minuten und elf Sekunden den Nürburgring zu umrunden.
Elektronische Fahrhilfen für den Grenzbereich
Wer nicht so gut fährt wie Röhrl, kann im Grenzbereich auf elektronische Hilfen bauen. Das Porsche Stability Management (PSM) ist serienmäßig, optional ist PSAM (Porsche Active Suspension Management) erhältlich, das mit zehn Millimeter tiefer gelegter Karosse und variablen Dämpfkräften operiert und mit einer Taste auf sportliche Gangart umzuschalten ist. Im sogenannten Chrono-Paket wird alles nochmals verschärft: steilere Gaspedalkennung, härtere Abregelgrenzen für Drehzahl und höhere Eingriffsschwellen für die Stabilisierung gaukeln elektronisch unverfälschtes Fahren vor. Eigentlich etwas für Rennstreckenbesitzer.
Neue Reifen speziell für Porsche
Immer nutzen lassen sich allerdings die neuen, eigens für Porsche entwickelten Reifentypen. Sie haben außen einen harten Laufstreifen mit nur 30 Prozent Profilnegativ, von der durchgehenden Mittelrippe an wird die Gummimischung weicher und zeigt mehr Profileinschnitte (40 Prozent). Der Effekt der geteilten Lauffläche: Bremsweg kürzer, Querbeschleunigung höher, Aquaplaning geringer, optional ist ein 19-Zoll-Fahrwerk zu haben.
Mit 58 529 Euro hält der neue CaymanS einen Respektabstand von fast 30000 Euro zum Platzhirsch 911. Die angepeilte Jahresstückzahl von 10000 bis 15000 scheint realistisch. Warum der Cayman S allerdings über 6000 Euro mehr kostet als der (vom Verdeck her) aufwendigere Boxster S, konnten die Porsche-Techniker nicht erklären. Ein klarer Fall für Marketing also. Vom 26. November an steht der Cayman beim Händler. See you later, alligator.