29.05.2008 · Gewohnt blechern und monoton weist uns eine Stimme die Richtung. Wir vertrauen ihr. Schließlich kennt sie sich immer und überall aus. Doch wenn das Navi den Weg nicht mehr findet, hilft ihm ein Update auf die Sprünge.
Von Thorsten Schönfeld und Michael SpehrWir vertrauen ihr. Schließlich kennt sie sich immer und überall aus. „In 300 Meter links abbiegen“ – gewohnt blechern und monoton weist uns ihre Stimme den Weg. Und dann taucht statt der Abbiegemöglichkeit eine Einbahnstraße auf – Einfahrt verboten. Die virtuelle Dame des Navigationsgeräts liegt daneben. „Wenn möglich, bitte wenden.“ Die Landkarte, die jedes GPS-System unabdingbar zur Navigation benötigt, ist also veraltet oder fehlerhaft. Je mehr Navigationssysteme zum Einsatz kommen, desto lauter werden die Beschwerden über schlechtes Kartenmaterial.
Vor 10 Jahren war man erstaunt, dass Satellitennavigation überhaupt funktioniert. Die Straßen in manchen Städten mit 20.000 Einwohnern waren gar nicht erfasst, und das nahm man klaglos hin. Heute sind die Kunden anspruchsvoller. Zu Recht. Wer ein teures Navigationssystem in der Werksausstattung für 2000 Euro oder mehr erwirbt, darf erwarten, dass die seit zwei Jahren für den Verkehr freigegebene Umgehungsstraße auf der Karte verzeichnet ist. Was die beiden Kartenhersteller Tele Atlas und Navteq bieten, ist leider nicht immer perfekt.
Durch Karten-Update auf Trab gebracht
Aber häufig lässt sich der digitale Routenführer schon durch ein Karten-Update auf Trab bringen. Bei Kopiloten vom Autohersteller führt der erste Weg zum Vertragshändler. Er hält in der Regel eine CD oder DVD mit aktuellem Kartenmaterial bereit und weiß, welches Format zu welchem Gerät passt. Die Preise variieren. Audi zum Beispiel verlangt beim A3 für eine CD (BNS) mit Deutschlandkarte 149 Euro. Die DVD (RNS-E) mit Daten für ganz Europa kostet 289 Euro. Bei Volkswagen zahlt man für den Golf die gleichen Preise. Allerdings kostet die Westeuropa-DVD nur 219 Euro. Bei beiden Herstellern gibt es zudem die Möglichkeit, das Update im Internet zu bestellen.
Das funktioniert bei BMW nicht. Im Netz zeigen die Bayern nur die verschiedenen Navigationsgeräte und eine Verfügbarkeitsprüfung. Dafür bieten BMW-Händler dem Kunden vor Ort einen besonderen Service: Wer beim Kauf die alte DVD abgibt, zahlt für eine neue Europakarte 150 Euro. Ohne die alte Scheibe kostet sie 270 Euro.
Häufigere Updates für Innenstädtler
Opel gibt nach eigener Auskunft den Vertragshändlern freie Hand, was die Preise für die Navigationsnachrüstung angeht. Wir fragen in einem Autohaus nach: „Um die 150 Euro für eine CD“, teilt uns der Verkäufer mit. Er könne aber auch einfach eine CD unter der Hand brennen, die würde dann nichts kosten. Auch wenn dieses Angebot verlockend klingt, ist das nicht legal. Die meisten Scheiben sind zudem mit einem Kopierschutz versehen. Die jüngste Generation der Top-Navis schaufelt sämtliche Kartendaten auf eine Festplatte im Fahrzeug. Etwa bei der S-Klasse von Mercedes-Benz. Auch hier ist die Nachrüstung einfach: Scheibe kaufen, einlegen, den Rest macht das Gerät. Für die S-Klasse kostet die Europa-DVD rund 260 Euro, eine Deutschland-CD ist für 130 Euro zu haben.
Sämtliche Updates können auch bei Tele Atlas und Navteq direkt geordert werden. Tele Atlas hält unter www.navigation.teleatlas.com Kartenmaterial bereit, nach Fahrzeugherstellern und Modellen sortiert. Gleiches gilt für Navteq unter www.navigation.com. Die Kosten sind mit den Preisen der Fahrzeughersteller vergleichbar. Beide bieten zweimal im Jahr neues Futter für die Laufwerke an. Lohnt sich eine so häufige Aktualisierung?
Die Fahrzeughersteller geben dazu unterschiedliche Empfehlungen: Wer privat und hauptsächlich auf Autobahnen fährt, muss auch nach drei Jahren nicht unbedingt etwas Neues kaufen. Geschäftsreisende allerdings, die viel in Innenstädten unterwegs sind, seien gut beraten, einmal im Jahr über ein Update nachzudenken. Wer sich für eine Neuanschaffung entscheidet, sollte sich zudem im Klaren darüber sein, welche Daten er benötigt. Oft sind auf den günstigen Deutschlandkarten zusätzlich die Hauptstraßen Europas enthalten.
Beim Kauf auch auf Kosten für die Kartenaktualisierung achten
Wer im Auto ein portables Navigationssystem zur Nachrüstung nutzt, kann ebenfalls das Kartenmaterial aktualisieren. Wie das geht, was es kostet und wie häufig frische Landkarten im Angebot sind: Das unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Bei den namhaften Unternehmen erhält man ein Update im Halbjahres- oder Jahresturnus zu Preisen zwischen 80 und 150 Euro. Wird das Kartenwerk auf DVD geliefert, muss es mit einem USB-Kabel vom PC zum Navi überspielt werden. Das dauert rund 15 Minuten, gegebenenfalls wird dabei auch die Navi-Software aktualisiert. Einige Anbieter liefern sogar eine SD-Speicherkarte, die direkt ins Gerät gesteckt wird. Einfacher geht es nicht.
Achtet man bereits beim Kauf eines tragbaren Navigationssystems auf die Kosten für die Kartenaktualisierung, lässt sich Geld sparen. Navigon beispielsweise hat „Fresh Maps“ mit vierteljährlichen Updates im Angebot. Für zwei Jahre kostet das Abonnement 99 Euro, für den neuen „2110 max“ nur 20 Euro. Wer das Topmodell 8110 für 450 Euro erwirbt, bekommt das Update zwei Jahre lang kostenlos. So gesehen kann ein etwas teures Markengerät im Dauereinsatz sogar günstiger sein als das vermeintliche Schnäppchen.
Der Genuss von kostenlosen Karten
Tom Tom geht einen anderen Weg: Mit dem „Mapshare“ genannten Verfahren kann man die vorhandene Karte in gewissen Grenzen ergänzen und aktualisieren. Mit dem Anschluss des Navigators an den PC lassen sich die Änderungen anderen Nutzern zur Verfügung stellen – und man profitiert auch von deren Kartenkorrekturen. Das Ganze ist kostenlos.
In den Genuss kostenloser Karten kommt man ebenfalls bei der Handy-Navigation von Nokia. Man kann am PC laden, was man will, und die Daten anschließend aufs Telefon kopieren: Die Karte von Paris oder London zum Wochenendausflug oder ganz Italien für den Urlaub. Der Haken dabei: Man bezahlt für die Navigation und die Sprachansagen eine Gebühr, wahlweise für 30 oder 90 Tage oder ein Jahr. Ein Monat Italien kostet beispielsweise knapp 8 Euro. Der große Pluspunkt: Das Kartenmaterial ist stets auf dem neuesten Stand. Ähnlich sieht es bei den sogenannten „Offboard“- Navis aus: Hier ist kein Kartenmaterial im Gerät gespeichert. Es wird vielmehr für jede einzelne Routenführung von einem Server des Betreibers ins Handy geladen. So arbeitet beispielsweise das Blackberry-Navi von Vodafone.