09.01.2005 · Das „große“ Command-APS-System im Mercedes CLK ist ein Erlebnis. Neben einem Navigationssystem bietet es ein Autotelefon. Und mit der Hifi-Anlage von Harmon-Kardon genießt der Fahrer der Musikvergnügen im höchsten Maß.
Von Michael Spehr"Bitte die CD fürs Auto kopieren, sonst gibt's Kratzer", ruft die bessere Hälfte. "Diese Anlage braucht ein Original und keine Kopie", erwidern wir auf dem Weg zum Parkplatz. Als die audiophile Kostbarkeit vorsichtig vom CD-Laufwerk eingezogen ist und die Wiedergabe startet, reichen zwei, drei Gitarrengriffe von Al di Meola, und schon setzt die Wirkung ein. Ebbi, das Hängebauchschwein des Nachbarn, vor dem Auto nach Eßbarem wühlend, schreckt auf und flüchtet in aberwitzigem Tempo in den Wald. Mit den schnellen Gitarrenläufen von John McLaughlin und Paco de Lucia beginnt an diesem Freitagabend eine Fahrt, deren akustische Begleitung wir so schnell nicht vergessen werden. Knallhart feuern uns die Bässe entgegen, wunderbar transparent stehen die drei Solisten im Fahrzeugraum. Zu Hause könnte sie die Musik mit ihrer Anlage nicht besser hören, sagt die Beifahrerin, genießt und schweigt. 45 lange Minuten. Auch das ist irgendwie sensationell. Wir sind mit dem Mercedes CLK unterwegs, und für den guten Ton ist die Logic-7-Multikanal-Raumklang-Anlage von Harman-Kardon zuständig. Mit ihren zehn Lautsprechern kostet sie nur 750 Euro, und wer bei der Bestellung eines neuen CLK nicht zugreift, macht einen ärgerlichen Fehler.
Wir haben das "große" Comand-APS-System für 2800 Euro ausprobiert. Hier stecken Navigation, Radio, CD-Laufwerk in einem Gerät, und im Unterschied zur "kleinen" Lösung Audio 50 APS gibt es ein großes Farbdisplay mit einer Diagonale von 16 Zentimeter und der Möglichkeit, eine Landkarte der Umgebung anzuzeigen. Das Radio für UKW, Mittel-, Lang- und Kurzwelle hat exzellente Empfangseigenschaften. Den Westdeutschen Rundfunk nahezu störungsfrei nördlich von Frankfurt ins Auto zu bringen ist eine tolle Leistung.
Die Comand-Anlage in der Mittelkonsole ist übersichtlich aufgebaut und einfach zu bedienen. Links findet man die Hauptmenüs, rechts eine numerische Tastatur für das Telefon oder die Schnellwahl der Radiosender. Am Bildschirmrand sind links und rechts jeweils fünf Softkeys mit wechselnder Belegung angebracht. Für welche Funktion sie zuständig sind, sieht man auf dem Display. Nur in der Navigationsabteilung muß man raten oder eine der Multifunktionstasten drücken, um die kleinen Erklärungsetiketten aufzurufen. Neben der HiFi-Abteilung ist das Sprachbedienungssystem "Linguatronic" ein weiteres Highlight in der kommunikativen Ausstattung des CLK. Für 460 Euro hört sich das Geplauder mit dem Fahrzeug etwa so an: "Navigation: Ziel eingeben" - "Wollen Sie den Ort buchstabieren?" - "Ja" und "F R A N K" für Frankfurt. Anschließend werden alle mit "Frank" beginnenden Orte in einer Liste angezeigt, und man spricht die Zeilennummer "4" vor. Auf die gleiche Weise erfolgt die Eingabe von Straße und Hausnummer. "Wollen Sie die Zielführung starten?" wird ein letztes Mal bejaht, und schon geht es los. Für die Routenberechnung vergehen nur wenige Sekunden. Zeigt das Display in der Standardeinstellung eine Landkarte (mit Sonderzielen und Verkehrsstörungen), teilt es sich bei der Annäherung an einen Abbiegepunkt und präsentiert zusätzlich eine Symboldarstellung. Auch im Innenring des Tachometers ist diese Anzeige zu sehen. Im Unterschied zum Audio-50-System ist die Liste der Sonderziele erfreulich reichhaltig. Vermißt wurde nur eine dauerhafte Anzeige der verbleibenden Fahrzeit oder Kilometer. Navigation und Autotelefon verbindet ein gemeinsames Adreßbuch. Der Datenbestand läßt sich von beiden Abteilungen verwenden. Indes gibt es hier kleine Unstimmigkeiten: Damit die Adresse vom Routenführer nutzbar ist, muß sie in der Navi-Abteilung eingegeben werden. Andersherum geht es nicht. Auch die Bluetooth-Unterstützung hilft nicht bei der lästigen Eingabe wichtiger Adressen. Wer denkt, daß man mit dem Kurzstreckenfunk des Autos seine Daten aus einem Handy oder Organizer importieren kann, wird enttäuscht. Die Verbindung und Kopplung gelingt, aber mehr nicht. Bluetooth ist im CLK nur zur Anbindung an schnurlose Headsets für die Sprachtelefonie gedacht. Diesen Knopf am Ohr wird man allerdings dank der guten Handy-Freisprechanlage kaum nutzen. Die Vorrüstung für diverse Geräte kostet 550 Euro, und wir probierten sie mit dem etwas älteren Nokia 6310i. Die Sende- und Empfangseigenschaften sind ordentlich, und die Akustik läßt bis 130 km/h nichts zu wünschen übrig. Kleiner Patzer: Nicht immer arbeiten die Telefontasten des Multifunktionslenkrads beim Annehmen oder Beenden eines Gesprächs ordnungsgemäß. Davon abgesehen, ist die Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik im CLK ein Erlebnis für Liebhaber exzellenter Technik und hochwertiger Klangwiedergabe. Mit der HiFi-Anlage ist Harman-Kardon ein großer Wurf gelungen.